Jiangchengzi · Den Frühling genießen
Song-Dynastie・Zhu Shuzhen
Song-Dynastie・Zhu Shuzhen
Schräger Wind und feiner Regen bringen Frühlingskälte; vor dem Weinbecher denke ich an frühere Freuden. Einst hielt ich Birnenblüten, einsam liefen Tränen über mein Gesicht. Duftendes Gras und zerrissener Dunst am Weg zum Südufer; mit Abschiedstränen blicke ich zu den grünen Bergen.
Letzte Nacht führte mich glückliche Fügung im Traum zu dir, zwischen Wasser und Wolken, still und ohne Worte. Doch was half es: Beim Erwachen waren Kummer und Schmerz wie zuvor. Unter Decke und Bettzeug wälze ich mich hin und her, vergeblich verzweifelt; den Himmel zu sehen ist leicht, dich zu sehen schwer.
Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.
Die Animation ist bereit.
Schräger Wind und feiner Regen bringen Frühlingskälte. Ich sitze vor dem Weinbecher und erinnere mich an frühere frohe Begegnungen. Einst hielt ich Birnenblüten in der Hand und weinte allein; duftendes Gras und unterbrochene Nebelschwaden verhüllen den Weg zum Südufer. Mit Abschiedstränen in den Augen schaue ich zu den grünen Bergen.
Letzte Nacht war es mir im Traum endlich wieder vergönnt, dir zu begegnen; zwischen Wasser und Wolken standen wir einander schweigend gegenüber. Doch ich erwachte, und der Kummer blieb unverändert. Im Bett wälze ich mich hin und her und gräme mich vergebens: Den Himmel kann man noch leicht sehen, doch diesen Menschen zu sehen ist so schwer.
尊: Weinbecher. 阑干: hier kreuz und quer fließende Tränen, kein Geländer. 南浦: ein Abschiedsort am Wasser, häufig als Bild der Trennung verwendet.
夤缘: ursprünglich sich anlehnen, Beziehungen anknüpfen oder verbunden sein; hier die Gelegenheit, einander im Traum zu begegnen. 争奈: doch was lässt sich dagegen tun. 衾裯(chóu): Bettdecken und Bettzeug.
伊: der Mensch, nach dem man sich sehnt. „天易见,见伊难“ – den Himmel zu sehen ist leicht, diesen Menschen zu sehen schwer – steigert die Schwierigkeit des Wiedersehens bis ins Äußerste.
Einführung: Obwohl der Titel vom Genießen des Frühlings spricht, wecken die Frühlingsbilder dieses Ci überall Erinnerungen an einen geliebten Menschen und an die Trennung. Die beiden Strophen entfalten sich jeweils um Vergangenes und den Traum der letzten Nacht. Beide Wege, dem ersehnten Menschen kurz nahezukommen, führen schließlich in die wirkliche Einsamkeit zurück.
Birnenblüten, duftendes Gras und grüne Berge könnten zum Ausflug einladen, im Lied aber begleiten sie Tränen und Abschiedswege. Der Gefühlsunterschied zwischen Titel und Text hebt hervor, dass schöne Frühlingslandschaften allein dem Menschen kein Glück verschaffen.
Das „悄无言“ im Traum, das stille Schweigen, führt zu keiner innigen Wiedervereinigung, sondern bewahrt die Zerbrechlichkeit der Begegnung. Das wiederholte Hin- und Herwälzen nach dem Erwachen zeigt, dass der Traum den Kummer nicht gelöst hat. Am Schluss wird in einer Übertreibung der Anblick des Himmels mit dem Wiedersehen eines Menschen verglichen und so das Leid der kaum möglichen Begegnung offen ausgesprochen.
Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte
Der Birnbaum im Hof hat noch nicht ausgetrieben, doch neben Su Lis Kopfkissen liegt plötzlich eine nasse Blüte, in deren Mitte Flusssand haftet. Im Traum der vergangenen Nacht hatte ihr verstorbener Mann genau diesen Birnblütenzweig für sie gebrochen. Seit sie an der unvollendeten Hochzeitsdecke weiterstickt, wird mit jedem neuen Blütenblatt das Flussufer deutlicher. Sie beginnt, sich nach der Dunkelheit zu sehnen. Doch auch durch die Bodenfliesen ihres Hauses sickert allmählich Flusswasser, und im Rauschen ist noch jemand zu hören, der an ein Boot klopft.
Lesen beginnenMit KI-Unterstützung verfasst · Figuren und Handlung sind erfunden