Chrysantheme in der Kälte / Gemalte Chrysantheme
Song-Dynastie・Zheng Sixiao
Song-Dynastie・Zheng Sixiao
花开不并百花丛,独立疏篱趣未穷。 — Ihre Blüten öffnen sich nicht mit den anderen Blumen; allein am lichten Zaun stehend, bleibt ihr Reiz unerschöpflich.
Lieber sterbe ich duftend am Zweig; wann hätte ich mich je vom Nordwind herabblasen lassen?
Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.
Die Animation ist bereit.
Die Chrysantheme drängt sich nicht zur gleichen Zeit mit allen anderen Blumen in die Blüte. Allein am lichten Zaun besitzt sie ihren ganz eigenen, unerschöpflichen Reiz. Lieber verdorrt sie am Zweig und bewahrt ihren Duft – wie sollte sie sich vom Nordwind herabblasen und davontragen lassen?
并: gemeinsam, in derselben Reihe. 疏篱: ein lichter Zaun. 趣未穷: der Reiz nimmt kein Ende. 抱香: den Duft bewahren, zugleich ein Sinnbild für das Festhalten am eigenen Charakter.
何曾: Wann wäre je; wie sollte man bereit sein. 北风: Der kalte Wind des Herbstes und Winters; im Deutungshorizont der nach dem Untergang der Song treu Gebliebenen kann er auch politische Bedeutung tragen.
Das Gedicht trägt auch den Titel „画菊“(Eine Chrysantheme malen). Das letzte Verspaar betont in dichterischer Form die persönliche Integrität und sollte nicht als botanische Behauptung darüber verstanden werden, wie sämtliche Chrysanthemen verblühen.
Einführung zum Werk: Zheng Sixiao war ein Dichter am Ende der Song- und zu Beginn der Yuan-Dynastie. Das Bild der in der Kälte standhaften Chrysantheme bringt den Willen zum Ausdruck, sich nicht dem allgemeinen Zeitgeist anzupassen. Vor dem Hintergrund seiner Treue zur untergegangenen Song-Dynastie wird das Gedicht häufig als Bekenntnis zum alten Reich und zur eigenen Integrität gelesen.
Die ersten beiden Verse zeigen zunächst die Eigenständigkeit der Chrysantheme. Im Mittelpunkt steht ihre selbstgenügsame Freude, „趣未穷“ – ihr Vergnügen ist noch längst nicht erschöpft. Sie hat ihre eigene Blütezeit und misst ihren Wert nicht daran, sich dem bunten Treiben der anderen Blumen anzuschließen.
Die letzten beiden Verse führen von einer natürlichen Haltung zu einer ausdrücklichen Entscheidung. „宁可“, „lieber“, und „何曾“, „wann je“, bekräftigen sie einmal zustimmend, einmal verneinend mit festem Ton. Der Duft bleibt an den Zweig gebunden;das setzt das Chrysanthemenmotiv fort und gibt zugleich der abstrakten Integrität eine konkrete Gestalt.
Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte
Ein Leben lang hat Han Yan Chrysanthemen gemalt, die den Kopf nicht beugen. Nun soll er mit einem Geburtstagsbild gesenkter Blütenköpfe seine festgehaltene Enkelin zurückholen. Die neue Obrigkeit verlangt das Bild vor dem Doppelneunfest, doch unter seinem Pinsel streben die Zweige aus Gewohnheit immer wieder nach oben. Am zehnten Tag bringt eine Gemüseverkäuferin ein Päckchen Erde. Darin liegen drei Chrysanthemensamen und ein Stück Baumwollstoff mit den Worten: „Am Ostdamm steigt das Wasser, warte nicht auf mich.“ Zwischen Maltisch und Stadttor weiß der alte Mann plötzlich nicht mehr, wohin er sich zuerst wenden soll.
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