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Menschen kennen Trauer und Freude, Trennung und Wiederkehr; der Mond kennt Wolken und Klarheit, Fülle und Schwinden — seit alters lässt sich darin keine Vollkommenheit erreichen.

Shuidiao Getou · Seit wann gibt es den hellen Mond

Song-Dynastie・Su Shi

Zum Mittherbstfest im Bingchen-Jahr trank ich ausgelassen bis zum Morgengrauen, war sehr betrunken und schrieb dieses Gedicht, auch in Gedanken an Ziyou.

Seit wann gibt es den hellen Mond? Den Weinbecher hebend frage ich den blauen Himmel. Ich weiß nicht, welches Jahr heute Abend in den Palästen des Himmels ist. Ich möchte mit dem Wind dorthin zurück, doch fürchte ich in den Jadetürmen und kostbaren Hallen die unerträgliche Kälte der Höhe. Ich erhebe mich zum Tanz und spiele mit meinem klaren Schatten – wie wäre es dort mit der Menschenwelt zu vergleichen?

Der Mond wandert um rote Pavillons, sinkt vor gemusterte Fenster und bescheint die Schlaflosen. Er sollte keinen Groll hegen – warum ist er gerade bei Trennungen immer rund? Menschen kennen Leid und Freude, Trennung und Wiedersehen; der Mond kennt Wolken und Klarheit, Fülle und Schwinden. Seit alters lässt sich hierin keine Vollkommenheit erreichen. Mögen wir nur lange leben und über tausend Meilen hinweg denselben schönen Mond teilen.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Kurzes Vorwort:Am Mittherbstfest des Bingchen-Jahres trank ich vergnügt bis zum Tagesanbruch. Tief berauscht schrieb ich dieses Ci-Gedicht und dachte dabei auch an meinen jüngeren Bruder Ziyou.

Seit wann gibt es den hellen Mond? Ich hebe meinen Weinbecher und frage den blauen Himmel. Ich weiß nicht, welches Jahr heute Nacht in den himmlischen Palästen herrscht. Ich möchte auf dem Wind zum Himmel zurückkehren, fürchte aber, dass die Gebäude aus kostbarer Jade zu hoch liegen und ich die dortige Kälte nicht ertrage. Ich erhebe mich zum Tanz, begleitet von meinem klaren Schatten — wie könnte der Himmel mit der Menschenwelt mithalten?

Das Mondlicht wandert um die zinnoberroten Türme, scheint tief durch die geschnitzten Fenster und fällt auf den Menschen, der keinen Schlaf findet. Der Mond sollte doch keinen Groll hegen – warum ist er gerade dann so rund, wenn Menschen voneinander getrennt sind? Menschen kennen Trauer und Freude, Zusammensein und Trennung; auch der Mond ist dunkel oder hell, voll oder abnehmend. Seit alters lässt sich darin keine Vollkommenheit erreichen. Mögen wir beide lange wohlbehalten leben und selbst über tausend Li hinweg diesen hellen Mond gemeinsam betrachten können.

Anmerkungen

丙辰: das neunte Jahr der Ära Xining unter Song-Kaiser Shenzong, das Jahr 1076. 子由: Ziyou, der Höflichkeitsname von Su Shis jüngerem Bruder Su Zhe. 达旦: bis zum Tagesanbruch. Die kurze Vorbemerkung am Anfang gehört zum ursprünglichen Werk und unterscheidet sich von der eigens für diese Website verfassten Einführung.

宫阙: Paläste. 琼楼玉宇: prächtige Bauten im vorgestellten Unsterblichenreich. 不胜(shēng)寒: die Kälte nicht ertragen. 何似: wie könnte es heranreichen an; der Ton dieses Verses wird unterschiedlich ausgelegt, doch insgesamt wendet sich der Zusammenhang der Verbundenheit mit der Menschenwelt zu.

朱阁: Rotes mehrstöckiges Gebäude. 绮(qǐ)户: Kunstvoll verzierte Türen und Fenster. 无眠: Nicht schlafen können. 婵娟: Anmutige Schönheit; hier der helle Mond.

Vorstellung des Werks

Einführung zum Werk:Su Shi verbrachte das Mittherbstfest des Bingchen-Jahres in Mizhou und schrieb dieses Liedgedicht beim Wein und beim Betrachten des Mondes. Im kurzen Vorwort sagt er ausdrücklich, dass er Su Zhe vermisst. Vom Befragen des Himmels und der Vorstellung einer Unsterblichenwelt wendet sich das Gedicht dem Verständnis menschlicher Trennungen und Wiedervereinigungen zu und schließt mit guten Wünschen im gemeinsamen Betrachten des hellen Mondes.

Interpretation

Der Wunsch des ersten Abschnitts, zum Himmel aufzusteigen, trifft bald auf die Sorge „高处不胜寒“, in der Höhe sei die Kälte unerträglich. Das Tanzen mit dem eigenen Schatten führt den Menschen wieder in die Gegenwart zurück. Die Bewegung führt nicht ständig nach außen in die Flucht, sondern bekräftigt zwischen Vorstellung und Wirklichkeit erneut den Wert des irdischen Lebens.

In der zweiten Strophe löst der auf den Schlaflosen scheinende Mond die Frage nach Fülle und Schwinden aus. Menschliche Trennung und Vereinigung neben die Mondphasen zu stellen, bestreitet nicht die Trauer, sondern erkennt an, dass Vollkommenheit schwer zu erreichen ist. So wird „但愿“ („möge doch“) zu einem maßvollen Wunsch: Auch wenn eine sofortige Wiedervereinigung unmöglich ist, können die Menschen einander weiterhin zugetan sein und denselben Mondschein teilen.

Kommentare

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Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte

Von Gedichten inspirierte Romane

Gesellschaftsgeschichte im Stil des alten China

Mondlaternen an beiden Ufern

Zhang Ming zertritt die Mondlaterne, die sein jüngerer Bruder geschickt hat, doch die neuen Decken für dessen Familie liegen noch immer im Haus. Zwanzig Jahre haben sie sich, durch den Fluss getrennt, nicht gesehen. Jetzt öffnet die Fährstelle endlich einmal für drei Tage, und im Brief steht wieder nur, er könne nicht heimkehren. Unter der zerbrochenen Laterne ist ein Kupferplättchen mit sechs Löchern unversehrt geblieben; in der Nacht des Mittherbstfestes zieht plötzlich Flussnebel auf, und aus der Flussmitte dringt das Schlagen auf einen leeren Eimer, jeweils dreimal mit einer Pause.

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