Linjiang Xian · Die einsame Wildgans
Qing-Dynastie・Nalan Xingde
Qing-Dynastie・Nalan Xingde
Im kalten Reif schreckt die einsame Wildgans auf, weil sie ihren Gefährten verloren hat; ein Mensch teilt ihr Leid und fühlt mit ihr. Auf einem kleinen Brief möchte ich den Kummer in die Ferne senden; zu viele Sorgen, immer wieder ändere ich die Schrift, zwei Tränenströme fallen vor der Lampe nieder.
Denke beim hellen Mond nicht an Vergangenes, du weißt doch, dass es Jahr um Jahr schwindet. Unvermittelt dringt ein schriller, langgezogener Ruf herüber, der Westwind umweht eine einsame Gestalt, gerade erst hat der Herbst begonnen.
Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.
Die Animation ist bereit.
Im kalten Reif bemerkt eine verirrte Wildgans erschrocken, dass sie ihre Gefährten verloren hat; auch ein Mensch ist so einsam wie du, und ihr empfindet Mitleid füreinander. Mit einem kurzen Brief möchte ich meinen Kummer in die Ferne senden, doch die Sorgen sind zu zahlreich: Immer wieder schreibe ich den Brief um, bis nur zwei Tränenströme vor der Lampe niederfallen.
Denke im hellen Mondschein nicht wieder an das Vergangene; du weißt doch, dass du Jahr für Jahr daran abmagerst. Gerade da dringt unvermittelt dein hoher, klagend klarer Ruf herüber. Der Westwind umweht die einsame Gestalt – schon wieder ist der frühe Herbst da.
离鸿: Eine von ihrer Schar getrennte Wildgans. 同病相怜: Menschen in ähnlicher Not empfinden Mitgefühl füreinander. 尺素: Ein Brief. 易: Ändern.
消减: abmagern, an Lebenskraft verlieren. 嘹唳 (liáo lì): ein klarer, weithin tragender und hoher Vogelruf. 只影: ein einsamer Schatten. 刚是: gerade, genau.
Wildgänse werden in der klassischen Dichtung häufig mit der Überbringung von Briefen verbunden. Dieses Ci-Gedicht schildert mit dem Verlust des Gefährten und der Schwierigkeit, eine Nachricht zu senden, jedoch die entgegengesetzte Lage.
Einführung: Dieses Ci-Gedicht über Wildgänse stellt eine einsame Gans einem Menschen gegenüber, der bei Lampenlicht einen Brief schreibt. Die Trennung der Gans von ihrem Schwarm und die Erinnerungen des Menschen sind keine unverbundenen Bilder, sondern werden durch „同病相怜“ – gemeinsames Leid weckt gegenseitiges Mitgefühl – ausdrücklich verknüpft.
Der Anfang schildert zunächst eine aufgeschreckte Wildgans, die ihren Gefährten verloren hat, und geht rasch zum Menschen über. In der zweiten Strophe reißt ein Wildgansruf den Menschen aus seinem Selbstzuspruch zurück in die Gegenwart. Durch diesen Wechsel trägt die Darstellung des Tieres stets einen inneren Widerhall.
Die mehrfach umgeschriebenen Briefe und die beiderseits fallenden Tränen stehen in einem feinen Gegensatz zum abschließenden „只影“, dem einsamen Schatten. Es ist erst Frühherbst, die lange kalte Jahreszeit liegt noch voraus. So scheint der letzte Vers nur die Zeit zu benennen, dehnt die Einsamkeit tatsächlich aber bis in die Zukunft aus.
Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte
Drei Tage lang beschimpft eine einsame Wildgans Tao Ye auf seinem Dachfirst als Betrüger. Andere hören nur klagende Rufe, er aber versteht jedes Wort. Er war es, der das Gänsepaar im vergangenen Jahr getrennt hat; nun ist die einsame Gans dem Klang seiner hölzernen Lockpfeife gefolgt und will ihren Gefährten zurück. Für die Medizin seiner Schwester fehlt noch immer das Geld, und die Amtsdiener haben zwölf glückverheißende Vögel bestellt. In der Schilfbucht werden Nacht für Nacht Netze ausgeworfen, und die Stimme auf dem Dachfirst will nicht verstummen.
Lesen beginnenMit KI-Unterstützung verfasst · Figuren und Handlung sind erfunden