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最是人间留不住,朱颜辞镜花辞树。 — Am wenigsten lässt sich auf Erden festhalten: das jugendliche Antlitz, das den Spiegel verlässt, die Blüte, die vom Baum scheidet.

Dielian Hua · Alle Leiden der Trennung bis ans Ende der Welt erfahren

Qing-Dynastie・Wang Guowei

Bis an die Enden der Welt habe ich alles Trennungsleid erfahren. Nicht erwartet hatte ich bei der Heimkehr, dass die Blüten so verstreut und verwelkt wären. Unter den Blüten sehen wir einander wortlos an; am grünen Fenster dämmern Frühling und Tag zugleich.

Ich wollte dir beim Lampenlicht meine Sehnsucht erzählen. Ein Faden neuer Freude, tausend und abertausend Fäden alten Leids. Am wenigsten lässt sich auf Erden halten, was junges Antlitz dem Spiegel, was Blüte dem Baum entschwindet.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Längst habe ich alle Schmerzen der Trennung in fernen Landen durchlebt; nicht erwartet hatte ich, bei meiner Rückkehr die Blumen derart zerfallen zu sehen. Unter den Blüten sahen sie und ich einander traurig an, beide ohne ein Wort. Auch der duftende Frühling unter dem grünen Fenster war, wie die Jahreszeit selbst, schon spät geworden.

Eigentlich wollte ich dir spät in der Nacht beim Lampenlicht ausführlich von meiner Sehnsucht seit unserer Trennung erzählen. Doch ein wenig neue Freude weckt wieder unendliches altes Leid. Am wenigsten festhalten lassen sich auf Erden die Jugend, die dem Spiegel unwiederbringlich entschwindet, und die Blüten, die vom Baum fallen.

Anmerkungen

蝶恋花:Name eines Ci-Melodieschemas, auch „凤栖梧“, „鹊踏枝“ und anders genannt. Zwei Strophen mit insgesamt sechzig Schriftzeichen;jede Strophe hat vier Reime auf schiefe Töne.

阅:durchleben, erfahren.

不道: unerwartet, wider Erwarten.

如许: So, auf diese Weise.

绿窗: Grünes Gazefenster, als Bild für das Gemach einer Frau. Wei Duanji, „菩萨蛮“: 「劝我早归家,绿窗人似花。」 — Sie mahnt mich, bald heimzukehren; am grünen Fenster gleicht sie einer Blume.

莫: Hier gleichbedeutend mit „暮“, Abend.

新欢: die Freude des Wiedersehens nach langer Trennung.

旧恨: seit Langem andauernder Schmerz der Sehnsucht.

朱颜辞镜花辞树: Das jugendliche Gesicht nimmt Abschied vom Spiegel, die Blüte vom Baum. Dazu Feng Zhengzhongs „鹊踏枝“ aus der Südlichen Tang-Dynastie: 「日日花前常病酒,不辞镜里朱颜瘦。」 — Tag für Tag leide ich vor den Blumen am Wein und nehme hin, dass mein jugendliches Gesicht im Spiegel schmaler wird.

Vorstellung des Werks

Im Frühling des einunddreißigsten Jahres der Guangxu-Ära(1905 n. Chr.)kehrte der Dichter nach langen Jahren des Umherreisens in seine Heimat Haining zurück. Seine Frau, geborene Mo, war schon immer schwächlich und oft krank gewesen. Beim Wiedersehen nach langer Trennung erschien ihr Gesicht noch ausgezehrter, was ihn tief bekümmerte. Vielleicht entstand dieses Liedgedicht zu jener Zeit.

„阅尽天涯离别苦“(Alle Qualen der Trennung in fernen Landen habe ich durchlebt)benennt gleich zu Beginn den Schmerz einer langen Trennung. Trennung ist zweifellos schmerzlich, doch in den Augen des Dichters gilt dies selbst für das Wiedersehen: Die erbarmungslose Zeit hat die Schönheit fortgespült, und ein Teil Wiedersehensfreude wiegt zehn Teile Trennungsschmerz nicht auf. Shakespeares „Sonette“ sagen: „一切少男少女皆将如扫烟筒者同归于灰烬“(Alle jungen Männer und Mädchen werden wie die Schornsteinfeger zu Asche werden). Genau darin liegt der tiefere Sinn von Wang Guoweis Versen „最是人间留不住,朱颜辞镜花辞树“(Am wenigsten lässt sich auf Erden festhalten: Jugendliche Schönheit verlässt den Spiegel, Blüten verlassen den Baum).

Die drei mit “阅尽” – „alles durchlebt“ – beginnenden Verse der ersten Strophe schildern, dass selbst der Schmerz fernster Trennungen nicht an die Trauer über das Verstreichen der Zeit heranreicht. Diese Steigerung vertieft den Sinn. In den beiden mit “花底” – „unter den Blüten“ – beginnenden Versen verstärkt “无一语” – „kein einziges Wort“ – die Trostlosigkeit. Der späte Frühling und der späte Tag stehen für die schwindenden Lebensjahre der Liebenden. Der Autor setzt Blumen als Bild für Menschen ein. Das Zeichen “花” – „Blüten“ – in “零落花如许” – „so sehr sind die Blüten verwelkt“ – ist hier unmittelbar als Metapher für seine Frau zu verstehen. Was “零落” – „verwelkt“ –, sind ihre Jugend und ihre Schönheit. Wie viele qualvolle Trennungen hat der Dichter in all diesen Jahren ertragen; nun kehrt er voller Vorfreude zurück und findet unerwartet diese Lage vor. Scham, Reue, Liebe und Mitgefühl sammeln sich in seinem Herzen: Bitter ist die Trennung, doch noch bitterer das Wiedersehen. Am kunstvollsten ist der Vers “花底相看无一语” – „Unter den Blüten sehen wir einander an, ohne ein einziges Wort“. Hier meint “花” – „Blüten“ – zweifellos die blühenden Bäume im Hof. Unter Blüten eine „Blüte“ betrachten: Blüten und Gesicht spiegeln einander und bilden eine vollkommene Einheit. Die „Blüten“ der Natur beginnen ebenso wie die menschliche „Blüte“ in diesem späten Frühling zu „verwelken“. Darin liegt tatsächlich die Andeutung, dass es ihre gemeinsame Jugend ist, die vergeht.

Die drei Verse ab „待把“ im zweiten Abschnitt vertiefen die Trauer über das späte Lebensalter. Die damalige Trennung ließ den herrlichen Frühling ungenutzt verstreichen; all die tausendfach verflochtenen Bitterkeiten lassen sich nicht auslöschen. In den beiden Versen ab „最是“ sind die Worte „辞镜“, vom Spiegel Abschied nehmen, neuartig und verwandeln gleichsam Eisen in Gold. Auch die zweimalige Verwendung von „辞“, Abschied nehmen, ist gelungen. Im zweiten Abschnitt verlegt der Autor die Zeit in die Nacht und den Ort ins Frauengemach: Aus „花底“, unter den Blüten, wird „灯下“, unter dem Lampenlicht. Die Eheleute sprechen leise und innig miteinander und erzählen sich von den langen Jahren ihrer Trennung. Können diese kurze schöne Nacht und dieses kurze Wiedersehen so viel schmerzliches Vermissen aufwiegen? Selbst wenn aller unendliche „旧恨“, alter Kummer, von nun an wie Rauch verschwände und sich in „新欢“, neue Freude, verwandeln ließe, bleibt doch die hilflose Erkenntnis, dass die Jugend vergangen und das frische Gesicht verblasst ist – ebenso wie der Blütenschatten des Baumes vor dem Fenster, dessen Blüten still verwelken. Der Vers „最是人间留不住“, am wenigsten lässt sich dies auf Erden festhalten, ist von großer schmerzlicher Härte. Frau Mo starb zwei Jahre später an einer Krankheit; tatsächlich ließ sie sich nicht „留住“, festhalten. So wurde der Vers zu einer unheilvollen Vorahnung, die sich unglücklicherweise erfüllte.

Dieses Ci-Gedicht wendet sich von der bei früheren Dichtern besungenen Freude des Wiedersehens ab und bringt dessen Schmerz zum Ausdruck, mit ausgeprägt tragischer Färbung. Im ganzen Werk meint die Darstellung der Blumen zugleich die Menschen; beide Strophen enthalten eine Wendung, die über die unmittelbar sichtbare Ebene hinausführt. In der ersten ist sie durch „不道“(wer hätte gedacht)ausdrücklich markiert, in der zweiten vollzieht sie sich verborgen – eine eigenständige, äußerst feinsinnige Gestaltung.

Interpretation

Das ganze Lied bleibt dem einen Wort „花“, Blume, verbunden. Obwohl diese Blumen nicht immer dasselbe bezeichnen, halten sie die Lesenden durchgehend in einem Meer von Blütenschatten und lassen von selbst eine schmerzlich schöne Stimmung entstehen. Vielleicht ist dies jene „境界“, jene poetische Erlebniswelt, von der der Autor so gern sprach. Die ersten drei Verse der ersten Strophe vergleichen Blumen mit einem Menschen. Das Wort „花“ in „零落花如许“ – so sehr ist die Blume verwelkt – verweist unmittelbar auf die Ehefrau. Was an ihr verwelkt ist, sind Jugend und Schönheit. Wie viel Trennungsschmerz hat der Dichter in all diesen Jahren ertragen! Nun kehrt er voller Freude zurück und trifft unerwartet auf diese Lage. Scham, Reue, Liebe und Mitleid sammeln sich in seinem Herzen. Bitter ist die Trennung, doch das Wiedersehen ist noch bitterer. Am feinsten ist der Vers „花底相看无一语“ – unter den Blüten sehen wir einander an, ohne ein Wort. Hier bezeichnet „花“ zweifellos die blühenden Bäume im Hof. Unter den Blumen eine menschliche Blume betrachten, Blüten und Gesicht einander widerspiegelnd: Alles verschmilzt zu einer Einheit. Die Blumen der Natur beginnen in diesem späten Frühling ebenso zu welken wie die menschliche Blume. Tatsächlich ist es vor allem ihre Jugend, die in den vielen Jahren der Trennung ungenutzt verstrichen und verwelkt ist.

Die zweite Strophe führt zeitlich in die Nacht und räumlich ins Gemach; aus „花底“ („unter den Blüten“) wird „灯下“ („unter der Lampe“). Mann und Frau sprechen leise und innig miteinander und erzählen einander von den Gefühlen der langen Trennungsjahre. Doch diese kurze schöne Nacht, dieses kurze frohe Wiedersehen kann all das Leid der Sehnsucht nicht aufwiegen. Selbst wenn sich der unermessliche „旧恨“ („alte Kummer“) nun in Rauch auflöste und ganz zu „新欢“ („neuem Glück“) würde, bleibt eines schmerzlich unabänderlich: Die Jugend ist vergangen, die rosige Schönheit verblasst – wie der Blütenschatten des Baumes vor dem Fenster, dessen Blüten ebenfalls still verwelken. Wie schmerzlich ist der Vers „最是人间留不住“ – „Am wenigsten lässt sich dies in der Menschenwelt festhalten“.

Dieses Ci-Gedicht kehrt die bei Vorgängern geschilderte Wiedersehensfreude um und besingt den Schmerz des Wiedersehens; es ist stark tragisch gefärbt. Durchgehend steht das Schreiben über Blumen für das Schreiben über Menschen. Beide Strophen enthalten eine Wendung, die eine weitere Bedeutungsschicht erschließt. In der ersten wird sie mit „不道“ (nicht bedacht) ausdrücklich markiert, in der zweiten erfolgt sie verborgen. Diese kunstvolle Gestaltung ist besonders raffiniert.

Die drei Verse ab „阅尽“, „alles durchlebt“:Ich habe die Leiden der Trennung bis ans Ende der Welt längst erfahren;unerwartet sehe ich bei meiner Rückkehr die Blüten so zerfallen. Diese drei Verse sind außerordentlich gelungen. Das Leid der Trennung in der Ferne wiegt weniger schwer als die Trauer über die vergehende Zeit. Diese Steigerung vertieft den Sinn.

Die beiden Verse ab „花底“: Unter den Blüten sehen sie und ich einander betrübt an, ohne ein Wort zu sprechen. Auch der liebliche Frühling unter dem grünen Fenster ist ebenso wie die Jahreszeit spät geworden. „无一语“ – „kein einziges Wort“ – vertieft die Traurigkeit. Später Frühling und sinkender Tag stehen sinnbildlich für die schwindende Jugend der Liebenden.

Die drei Verse ab „待把“: Eigentlich wollte er zu später Nacht bei Lampenlicht ausführlich von seiner Sehnsucht seit der Trennung erzählen. Doch ein wenig neue Freude weckt zugleich unermesslichen alten Schmerz. Die drei Verse betonen die Trauer über das späte Lebensalter. Die damalige Trennung ließ den herrlichen Frühling ungenutzt verstreichen; dieser vielverzweigte Groll lässt sich nicht tilgen.

Die beiden mit „最是“ (am allerwenigsten) beginnenden Zeilen besagen: Am wenigsten lässt sich in dieser Welt die Jugend halten, die aus dem Spiegel unwiederbringlich verschwindet, ebenso wie die fallenden Blüten, die den Baum verlassen. „辞镜“ (sich vom Spiegel verabschieden) ist neuartig und hat den Zauber, Eisen in Gold zu verwandeln. Auch die Wiederholung von „辞“ (Abschied nehmen) ist gelungen.

Kommentare

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Acht Jahre hat Xie Wei auf ihren Mann gewartet, doch nach der Nachricht seiner Rückkehr kauft sie einen Zauberspiegel. Für fünf Liang Silber kann ihr zwanzigjähriges Antlitz noch drei Tage bleiben; so möchte sie den Heimkehrer empfangen. Auch Cheng Zheng sieht noch jung aus, als er eintritt, doch die Hand, mit der er die Essstäbchen hebt, gehorcht ihm nicht. Über den Tisch hinweg lächeln beide gezwungen und meiden jede Erwähnung der Veränderungen am anderen. Unterdessen rückt der vereinbarte Tag näher, an dem der Spiegelmacher alte Gegenstände als Bezahlung abholen will.

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