Sehnsucht
Tang-Dynastie・Wang Wei
Tang-Dynastie・Wang Wei
Rote Bohnen wachsen im südlichen Land; wie viele Zweige treiben sie, wenn der Frühling kommt?
Mögest du recht viele davon pflücken; nichts trägt die Sehnsucht stärker als sie.
Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.
Die Animation ist bereit.
Rote Bohnen wachsen im Süden. Wie viele neue Zweige haben sie wohl mit dem kommenden Frühling getrieben? Mögest du reichlich davon sammeln, denn sie tragen unsere gegenseitige Sehnsucht am besten.
南国:Der Süden. 发:Keimen, austreiben. 采撷(xié):Pflücken. 此物:Gemeint sind rote Samen, auch „Samen der Sehnsucht“ genannt.
Die roten Bohnen im Gedicht sind ein literarisches Bild für Zuneigung und entsprechen nicht den gewöhnlich für Brei verwendeten Adzukibohnen. 相思 kann auch das sehnsüchtige Denken an Freunde bezeichnen; allein aus dem Titel lässt sich keine Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau ableiten.
Überlieferte Fassungen enthalten auch die Varianten „秋来“(wenn der Herbst kommt), „劝君“(ich rate dir)und „休采撷“(pflücke sie nicht). Diese Seite verwendet die verbreitete Fassung mit „春来“(wenn der Frühling kommt)und „愿君多采撷“(mögest du viele davon pflücken).
Einführung zum Werk: Wang Wei legt seine Sehnsucht in die roten Bohnen des Südens. Das Gedicht ist auch unter Titeln wie „江上赠李龟年“(Am Fluss Li Guinian gewidmet)überliefert. Es entfaltet sich um einen kleinen Gegenstand und richtet sich vor allem an einen fernen Menschen, statt eine belegbare Liebesgeschichte zu erzählen.
Der erste Vers nennt den Ort, an dem die roten Bohnen wachsen. Das wirkt alltäglich, gibt der Sehnsucht aber eine Richtung. Die Frage im zweiten Vers nach der Zahl neuer Zweige birgt Anteilnahme am Leben des Menschen in der Ferne.
„愿君多采撷“, mögest du reichlich davon pflücken, vertraut dem Pflücken die Zuneigung an, die den anderen nicht persönlich erreichen kann. Das abschließende „最“, am meisten, macht eine gewöhnliche Pflanze zur Trägerin tiefer Gefühle. Das Gedicht beklagt seinen Kummer nicht laut; sein Ton ist vielmehr sanft und innig.
Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte
Gu Xun hat zehn Jahre gewartet, doch Qin Ran bringt nur eine einzige rote Liebesbohne zurück. Die Säcke auf dem ganzen Boot hinter ihr sind mit weißem Bohnensaatgut gefüllt. Er hat das alte Haus längst instand gesetzt und sogar schon für sie überlegt, in welchem Zimmer die Samen lagern sollen. Sie zeigt jedoch auf den Ostflügel und sagt, Saatgut vertrage keinen Rauch und dürfe nicht zu nah am Herd liegen. In ihren Briefen hatte sie vom Pachten von Feldern und vom Anwerben von Arbeitskräften geschrieben. Seine Antwort bestand dagegen immer aus demselben Satz: Darüber reden wir nach der Hochzeit.
Lesen beginnenMit KI-Unterstützung verfasst · Figuren und Handlung sind erfunden