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Wolken und Nebel ziehen trostlos durch die Morgendämmerung, die Paläste des Han-Hauses scheinen den hohen Herbsthimmel zu bewegen.

Spätherbst in Chang’an / Herbstlicher Ausblick / Herbstabend

Tang-Dynastie・Zhao Gu

云雾凄凉拂曙流,汉家宫阙动高秋。 — Wolken und Nebel ziehen trostlos durch die Morgendämmerung; die Paläste des Han-Hauses erbeben im hohen Herbst.

残星几点雁横塞,长笛一声人倚楼。 — Wenige Sterne verbleiben, Wildgänse ziehen quer über die Grenze; ein Flötenton erklingt, jemand lehnt am Turm.

Violett leuchtend, halb geöffnet, stehen Chrysanthemen still am Zaun; ihr rotes Kleid ist ganz gefallen, traurig sind die Lotosblüten auf der Insel.

Gerade jetzt schmeckt der Barsch köstlich, doch ich kehre nicht heim; vergebens trage ich die Südkappe und tue es dem Gefangenen aus Chu gleich.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Wolken und Nebel voller Herbstkälte ziehen im anbrechenden Tageslicht dahin; die Paläste der Hauptstadt ragen so hoch auf, als berührten sie den Himmel des späten Herbstes.

Unter einigen schon verblassenden Sternen ziehen Wildgänse über den weiten Himmel der Grenzpässe; der Ton einer langen Flöte erklingt, und jemand lehnt an einem hohen Turm.

Die violetten Chrysanthemen am Zaun sind erst halb erblüht und schweigen still;die Lotusblüten am Flussinselchen haben alle roten Blätter verloren, als trügen sie Trauer.

Gerade jetzt schmeckt der Barsch in meiner Heimat besonders gut, doch ich kehre noch immer nicht zurück und halte mich vergeblich wie ein Gefangener mit einer Kappe aus Chu im fremden Land fest.

Anmerkungen

Titel:Das Gedicht trägt auch die Titel „秋望“, „Herbstlicher Ausblick“, „秋夕“, „Herbstabend“, sowie „长安秋望“, „Herbstlicher Ausblick in Chang’an“, und weitere Varianten. „Spätherbst“ bezeichnet die fortgeschrittene Jahreszeit;die Hinweise auf Tagesanbruch und verblassende Sterne machen ausdrücklich deutlich, dass die Szene kurz vor Morgengrauen spielt. Der abweichende Titel „Herbstabend“ sollte daher nicht zu einer Darstellung des Einbruchs der Nacht führen.

云雾: Wolkendunst am Himmel. Der überprüfte Text der „Vollständigen Tang-Gedichte“ hat „云物“; für „凄凉“ gibt es auch die Variante „凄清“. Diese Seite bewahrt „云雾凄凉“ aus den vorhandenen Quelldaten, ohne andere Wörter der Verse aus verschiedenen Fassungen einzumischen. 拂曙: kurz vor Tagesanbruch. 流: fließen.

汉家宫阙: Die Han-Dynastie steht hier für die Tang-Dynastie; gemeint sind die Paläste von Chang’an. Zhao Gu wird damit nicht zu einem Autor der Han-Zeit erklärt. 阙, ausgesprochen què, bezeichnet die hohen Türme vor einem Palasttor und kann auch für den Palast insgesamt stehen. 动高秋: Übertreibend erscheinen die hoch aufragenden Paläste, als bewegten sie den Herbsthimmel; 高秋 lässt zugleich an klare, hohe Herbstluft und tiefen Herbst denken.

残星:vereinzelte Sterne, die kurz vor Tagesanbruch noch sichtbar sind. 雁横塞:ein Gänsenzug überquert den Himmel über den Grenzpässen; 横:überqueren; 塞, gelesen sài:Grenzpass. Die Stelle öffnet den Raum des Fernblicks; sie besagt nicht, dass unter dem Turm in Chang’an bereits ein Grenzschlachtfeld liege.

长笛一声人倚楼: Ein Flötenton und ein am Obergeschoss lehnender Mensch verbinden Hören und Sehen zu einer Szene. Die Zeile beschreibt die Beziehungen der Personen nicht näher; Identität und Lebensgeschichte der lehnenden und der flötenspielenden Person müssen nicht zwanghaft festgelegt werden.

紫艳: leuchtendes Violett, hier stellvertretend für die Chrysanthemen am Zaun. 半开: noch nicht ganz aufgeblüht. 红衣: „rotes Gewand“, ein Bild für rote Lotosblütenblätter, nicht für einen rot gekleideten Menschen. 渚, gelesen zhǔ: ein kleines Stück Land im Wasser; 渚莲 bezeichnet Lotosblumen am Rand einer solchen Insel.

鲈鱼正美: der Barsch schmeckt gerade besonders gut. Eine Anspielung auf Zhang Han aus der Jin-Zeit, der beim Aufkommen des Herbstwindes an Wildreisgemüse, Wasserschildsuppe und rohen Barsch aus der Gegend von Wu dachte und heimkehrte. Über den Geschmack des Essens werden Heimweh und Heimkehrwunsch geweckt. Die Person und die Erlebnisse dieser Anspielung dürfen nicht unmittelbar als Zhao Gus eigene Biografie gelesen werden.

南冠: eine Kopfbedeckung aus Chu. „左传·成公九年“, Zuo-Kommentar, neuntes Jahr des Herzogs Cheng, berichtet, dass Zhong Yi während seiner Gefangenschaft in Jin weiterhin die südliche Kopfbedeckung trug und Musik aus Chu spielte. Später wurde dies zu einer Anspielung auf Gefangenschaft und Heimweh. 空: vergeblich. 学楚囚: sich mit dem Gefangenen aus Chu vergleichen, um das Gefühl des Eingeschlossenseins in der Fremde auszudrücken. Daraus lässt sich weder schließen, der Dichter sitze tatsächlich im Gefängnis, noch aus der Kopfbedeckung eine adelige Herkunft ableiten.

Vorstellung des Werks

Einführung zum Werk: Dieses Regelgedicht aus acht siebensilbigen Versen schildert die Hauptstadt im späten Herbst kurz vor Tagesanbruch. Hohe, ferne Paläste, vereinzelte Sterne und heimkehrende Wildgänse, Chrysanthemen am Zaun und verwelkter Lotos treten nacheinander ins Blickfeld; Flötenklänge verleihen dem Fernblick einen hörbaren Widerhall. Erst das letzte Verspaar spricht das Heimweh aus, ohne daraus die Geschichte einer schon begonnenen Heimreise zu machen. Beim Lesen lassen sich zwei Gegenbewegungen beachten: Die Gänse können fortfliegen, während der am hohen Haus Lehnende am selben Ort bleibt; die Chrysanthemen blühen gerade auf, der Lotos ist bereits verwelkt. Jedes Landschaftselement folgt seiner eigenen Zeit, wodurch die menschliche Entscheidung zwischen Bleiben und Gehen noch schwerer erscheint.

Interpretation

Das erste Verspaar entfaltet zunächst die morgendlichen Umrisse von Chang’an. Wolken und Nebel bewegen sich, die Paläste hingegen ragen fest empor. Bewegung und Beharren spiegeln einander und lassen den Herbsthimmel zugleich weit und kühl erscheinen. Man muss die Paläste hier nicht um prunkvolle Gelage ergänzen: Morgendämmerung und hoher Herbsthimmel verleihen den Bauten bereits eine Ferne. Wer in der Hauptstadt lebt, hat deshalb noch lange keinen Zugang zu jener gewaltigen Welt vor seinen Augen.

Das zweite Verspaar verdichtet die weite Landschaft zu wenigen klaren Punkten. Sterne stehen spärlich, Wildgänse ziehen quer, die Flöte erklingt nur einmal, und der Mensch lehnt lediglich am Turm: Die Worte sind zurückhaltend, doch jedes Bild weist über sich hinaus. Der Flug der Gänse lenkt den Blick in die Ferne, der Flötenton überschreitet die Grenze des Sichtbaren und erreicht das Herz des Hörenden. Wer spielt und wer zuhört, wird nicht näher gesagt. Gerade diese Leerstelle lässt einen Widerhall entstehen und verhindert, dass das Gefühl des Fremdseins auf die Lebensgeschichte einer bestimmten Person begrenzt wird.

Chrysanthemen am Zaun und Lotusblüten auf der Sandbank senken den Blick wieder. Halb geöffnet und völlig abgefallen stehen einander gegenüber, purpurne Pracht und rote Gewänder spiegeln einander: So zeigt sich der Herbst zugleich als Entfaltung und Vergehen. Stille und Kummer sind keine tatsächlichen Äußerungen der Blumen, sondern Gefühle, mit denen der Betrachter die Landschaft färbt. Erst im letzten Verspaar bringen die beiden Anspielungen auf Speisen und Kopfbedeckungen das Heimweh ganz zum Ausdruck: Zhang Hans Heimkehr wird zu einer ersehnten Möglichkeit, während das Verbleiben des Gefangenen aus Chu wie ein Bild der eigenen Lage wirkt. „不归去“(warum nicht heimkehren)und „空“(vergeblich)bewahren Selbstbefragung und Zögern. Der Nachklang liegt gerade im noch nicht getanen Schritt; man darf ihm keinen vollkommenen Abschluss durch vollbrachte Verdienste oder Rückzug ins Privatleben hinzufügen.

Kommentare

Wird gesendet

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Heimweg eines Gefangenen

He Jiu sitzt wegen Fälscherei seit zwei Jahren in Haft. Endlich hat er das Fensterholz gelockert und ein Warenetikett täuschend echt nachgemacht; bei Tagesanbruch will er sich unter die Papierwagen mischen, die die Stadt verlassen. Doch Shi Zhao, der mit ihm fliehen wollte, schafft in dieser Nacht einen Eimer Öl herbei. Durch die Ritzen dringt ein stechender Geruch. Die beiden Wächter werden gleich zum Wachwechseltee in die Wachstube gehen, jenseits der Mauer sind schon Wagenräder zu hören. Sein lange geplanter Heimweg enthält plötzlich etwas, von dem nie die Rede gewesen ist.

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