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Allein in fremdem Land ein fremder Gast, vermisse ich bei jedem Fest die Meinen doppelt.

Am neunten Tag des neunten Monats an meine Brüder östlich der Berge denken

Tang-Dynastie・Wang Wei

Allein in fremdem Land bin ich ein fremder Gast, an jedem Festtag sehne ich mich doppelt nach den Meinen.

Aus der Ferne weiß ich, wo meine Brüder die Höhe besteigen: Alle stecken sich Hartriegel an, doch einer fehlt.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Allein lebe ich in der Fremde und spüre stets die Einsamkeit des auswärtigen Gastes; an jedem Festtag, der zum Zusammensein einlädt, vermisse ich meine Angehörigen besonders schmerzlich.

Aus der Ferne stelle ich mir vor, dass meine Brüder bereits die Anhöhe erreicht haben und jeder einen Hartriegelzweig trägt; an ihrer Seite fehlt nur einer: ich.

Anmerkungen

九月九日: der neunte Tag des neunten Monats im Mondkalender, das Doppelneunfest. 忆: vermissen, sich erinnern.

山东: östlich des Berges; hier die Heimatgegend östlich des Huashan, nicht ohne Weiteres die heutige Verwaltungseinheit Shandong. 兄弟: leibliche Geschwister.

独: allein. 异乡: ein Ort außerhalb der Heimat. 为异客: als Gast in der Fremde leben. 为 bedeutet sein oder werden; 异客 bezeichnet einen Menschen als Gast fern seiner Heimat.

每逢:jedes Mal, wenn. 佳节:schöner Festtag; hier bildet das Chongyang-Fest den unmittelbaren Hintergrund. 倍:mehr, besonders stark; muss nicht mathematisch als Verdoppelung verstanden werden. 亲:Angehörige.

遥知: aus weiter Ferne im Geiste sehen oder vermuten; die anschließende Szene des Aufstiegs entfaltet sich als Vorstellung in der Sehnsucht. 登高: der Brauch, beim Doppelneunfest einen hohen Ort zu besteigen.

遍:überall, alle. 插:anstecken, im Haar tragen. 茱萸:eine duftende Pflanze. Zum Chongyang-Fest steckten sich die Menschen früher Zweige davon an, um Unheil abzuwehren; es handelt sich nicht um Fenchel.

少一人: Einer fehlt — das „Ich“ des Gedichts, das fern der Heimat lebt. Die Lücke im Kreis der Familie drückt die gegenseitige Sehnsucht aus.

Vorstellung des Werks

Einführung: Das Doppelneunfest ist häufig mit Bräuchen wie dem Besteigen von Höhen und dem Anstecken von Hartriegelzweigen verbunden. Das festliche Zusammensein kann Menschen fern der Heimat besonders bewusst machen, dass sie nicht bei ihren Angehörigen sind. Die erste Hälfte dieses vierzeiligen Gedichts mit sieben Zeichen je Zeile spricht unmittelbar von der Sehnsucht nach der Familie. Die zweite richtet den Blick auf die fernen Brüder und stellt sich vor, dass auch sie bei ihrer Zusammenkunft das Fehlen eines Menschen spüren. Beim Lesen lohnt es sich, auf den Zusammenhang zwischen „独“ (allein), „异“ (fremd) und „少“ (fehlen) zu achten. Die vorgestellte Szene muss nicht als Augenzeugenbericht verstanden werden.

Interpretation

Der erste Vers verknüpft „独“, allein, eng mit den beiden Vorkommen von „异“, fremd. Einsamkeit entsteht hier nicht durch eine öde Landschaft; zunächst wird die Entfremdung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung benannt: Selbst wenn andere da sind, bleibt er ein Gast. Der zweite Vers erweitert den Blick vom gegenwärtigen Doppelneunfest auf „每逢佳节“, jedes Fest, und verleiht der augenblicklichen Empfindung die Kraft alltäglicher Wiederkehr. „倍“, doppelt, beschreibt die plötzliche Vertiefung des Gefühls. Die Angehörigen sind ihm auch sonst stets im Herzen; das Fest macht diese Verbundenheit nur schwerer zu übergehen.

Die letzten beiden Zeilen berühren, weil die Sehnsucht nicht weiter um „Ich bin so allein“ kreist. „遥知“ (aus der Ferne wissen) öffnet den Raum und rückt die fernen Brüder beim Besteigen der Höhe vor Augen. „遍插“ (alle stecken sich Zweige an) müsste ein geschlossenes, fröhliches Bild ergeben, doch am Ende steht „少一人“ (einer fehlt). Diese Leerstelle hat keine Gestalt, und doch spürt der Leser sie in der versammelten Menge. Der Dichter vermisst seine Angehörigen und stellt sich zugleich vor, dass sie ihn vermissen. Aus einseitiger Klage wird gegenseitige Verbundenheit. Das Gedicht beschreibt kaum Berge, Flüsse oder Entfernungen; dennoch liegt die Distanz bereits in der unsichtbaren und doch vorstellbaren Szene. So erhalten schlichte Festbräuche ein greifbares menschliches Gewicht.

Kommentarbereich

Wird gesendet

Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte

Von Gedichten inspirierte Romane

Reiselegende im Stil des alten China

Zwei Hartriegelzweige

Pei Ji hat zweihundert Li zurückgelegt, um beim Chongyang-Fest um das Brokatbanner zu kämpfen. Doch sein älterer Bruder, der sonst sein Sicherungsseil betreut, liegt in der vorherigen Stadt krank darnieder. Der Festleiter schätzt seinen Ruf als Mann, der allein durch die Welt zieht. Ein fremder Seilarbeiter bietet seine Hilfe an, aber Pei Ji wagt nicht, ihm sein Leben anzuvertrauen. Zehn Liang Preisgeld würden seinem Bruder eine ganze Jahreszeit Ruhe ermöglichen. Er nimmt den Hartriegel entgegen, den eine alte Frau ihm reicht, und weiß noch nicht einmal, wem er den übrigen Zweig geben soll.

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