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Im zwölften Monat sehnt sich in Youzhou eine Frau; Gesang und Lachen verstummen, ihre beiden Brauen sinken kummervoll.

Lied vom Nordwind

Tang-Dynastie・Li Bai

Der Fackeldrache haust am kalten Nordtor; wenn sein Licht erstrahlt, bricht dort noch der Tag an.

Warum reicht das Licht von Sonne und Mond nicht bis hierher? Nur der Nordwind kommt zornig heulend vom Himmel herab.

Am Yan-Gebirge sind die Schneeflocken groß wie Matten, Blatt um Blatt wehen sie auf die Xuanyuan-Terrasse nieder.

Im zwölften Monat sehnt sich in Youzhou eine Frau; Gesang und Lachen verstummen, ihre beiden Brauen sinken kummervoll.

倚门望行人,念君长城苦寒良可哀。 An die Tür gelehnt schaue ich nach den Reisenden,denke an dich bei der Großen Mauer, wo die bittere Kälte wahrlich Mitleid weckt。

Beim Abschied nahm er das Schwert, zog fort, der Grenze zu Hilfe, und ließ diesen goldgeschmückten Köcher mit Tigermuster zurück.

中有一双白羽箭,蜘蛛结网生尘埃。 — Darin liegt ein Paar weiß befiederter Pfeile; Spinnen haben Netze gewoben, Staub hat sich angesetzt.

Die Pfeile sind vergebens noch da; der Mensch ist nun im Kampf gefallen und kehrt nicht mehr zurück.

不忍见此物,焚之已成灰。 — Ich ertrug den Anblick dieses Gegenstands nicht; verbrannt ist er nun zu Asche geworden.

Den Gelben Fluss könnte man noch mit herbeigetragener Erde verstopfen; den Gram in Nordwind, Regen und Schnee lässt sich schwer stillen.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Der Fackeldrache haust im bitterkalten Norden; wenn er die Augen öffnet und Licht ausstrahlt, kann dort immerhin der Tag anbrechen. Warum aber erreichen Sonne und Mond diesen Landstrich nicht, warum sieht man nur den Nordwind vom Himmel heranheulen? Am Yanshan sind die Schneeflocken groß wie Matten und fallen Stück für Stück auf die Xuanyuan-Terrasse.

In Youzhou lebt eine Frau, die ihren Mann vermisst. Im bitterkalten zwölften Monat sind ihr Gesang und Lachen verstummt, ihre Brauen sind fest zusammengezogen. An die Tür gelehnt wartet sie auf den weit Fortgegangenen. Der Gedanke, dass du an der Großen Mauer Wache hältst und bittere Kälte erleidest, macht sie tief traurig. Beim Abschied nahmst du dein Schwert, um dem Grenzland zu Hilfe zu kommen, und ließest diesen prächtig verzierten Köcher mit Tigermuster zurück; darin stecken noch zwei weiß befiederte Pfeile, inzwischen von Spinnweben überzogen und voller Staub.

Die Pfeile sind noch da, doch der Mensch ist im Kampf gefallen und kann nie mehr zurückkehren. Ich ertrage es nicht, diese Hinterlassenschaften zu sehen, und verbrenne sie zu Asche. Selbst beim tiefen Gelben Fluss lässt sich noch vorstellen, ihn mit Händen voll Erde zu versperren; doch der endlose Schmerz und Groll in diesem Nordwind, Regen und Schnee lässt sich durch nichts aufhalten.

Anmerkungen

烛龙: Zhulong, eine Gottheit der Mythologie, die im Norden wohnt; es heißt, beim Öffnen ihrer Augen werde es Tag, beim Schließen Nacht. 寒门: Die kalte Gegend des äußersten Nordens. 轩辕台: Xuanyuan-Terrasse, eine mit den Legenden um den Gelben Kaiser verbundene historische Stätte.

双蛾: die beiden geschwungenen Augenbrauen einer Frau, den Fühlern eines Nachtfalters ähnlich. 摧: vor Kummer gesenkt. 良可哀: wahrlich beklagenswert. 鞞靫 (bǐng chá): ein Köcher; 金 und 虎文 beschreiben seinen goldenen Schmuck und sein Tigermuster.

白羽箭: ein Pfeil mit weißen Federn als Befiederung. 雨雪: Schnee fällt; 雨 wird yù gelesen. 裁: abschneiden, beseitigen.

„雪花大如席“ – „Schneeflocken groß wie Matten“ – und „黄河捧土尚可塞“ – „Selbst den Gelben Fluss könnte man mit herbeigetragenen Händen voll Erde noch verstopfen“ – sind bewusste Übertreibungen. Die erste steigert die Gewalt der Kälte, die zweite hebt im Gegensatz dazu hervor, wie unerschöpflich Trauer und Groll sind.

Vorstellung des Werks

Einführung: Dieses Yuefu-Gedicht führt von der außergewöhnlichen Kälte des Nordens zu einer Frau, die im Krieg ihren Mann vermisst. Mythos und Übertreibung schaffen einen gewaltigen Auftakt; dann verengt sich der Blick auf einen verstaubten Köcher. So wird die abstrakte bittere Kälte der Grenzgebiete zur Trauer einer Familie um einen verlorenen Angehörigen.

Interpretation

Der Schwerpunkt des Gedichts liegt auf „箭空在,人今战死不复回“: Die Pfeile sind noch da, doch der Mensch ist im Kampf gefallen und kehrt nie zurück. Davor stehen Warten und Erinnern, danach die Verzweiflung angesichts des Todes. Die kurzen Verse unterbrechen jäh die weit ausgreifenden langen Sätze, als laste eine unausweichliche Tatsache auf der Erzählung.

Das Verbrennen der hinterlassenen Dinge kann die Trauer nicht beseitigen. Am Ende wird das unmögliche „捧土塞河“, „mit Händen voller Erde den Fluss zuschütten“, als noch machbar dargestellt. Dagegen erscheinen Schmerz und Gram umso schwerer zu beenden. So erhalten der heftige Wind und Schnee des Anfangs das Gewicht menschlicher Gefühle.

Kommentare

Wird gesendet

Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte

Von Gedichten inspirierte Romane

Roman über gesellschaftliches Leben und Grenzland im Stil des alten China

Weiße Federn kehren zum Staub zurück

In einer stürmischen Schneenacht bricht vor A Shuangs Tür ein Junge zusammen, einen Bogen aus dem Norden auf dem Rücken und einen halben weiß befiederten Pfeil in der Hand. Den blauen Faden daran hat sie selbst darumgewickelt, als sie ihren Mann in den Krieg verabschiedete; der zweite, damals zugleich gefertigte Pfeil verstaubt noch immer auf dem Dachbalken. Der Junge kann sich in ihrer Sprache nicht verständigen, und ein Onkel aus ihrer Sippe eilt bereits mit gezücktem Messer herbei. Die Nachricht von einer Heimkehr, auf die sie seit Jahren wartet, liegt nun in den Händen eines Jungen, den ihre Sippe für einen Feind hält.

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