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Im hohen Palast hallen tief in der Herbstnacht die Wäscheklopfer; der Reif liegt dicht, noch immer sorgt sie sich um die Kälte im Gewand des Kaisers.

Klage im Changxin-Palast

Tang-Dynastie・Wang Changling

Am goldenen Brunnen werden die Herbstblätter des Wutong gelb; der Perlenvorhang bleibt gesenkt, nachts fällt Reif.

Räucherkorb und Jadekissen haben allen Glanz verloren; liegend lausche ich dem langen, klaren Tropfen der Wasseruhr im Südpalast.

Von den hohen Palästen hallt herbstliches Wäscheklopfen durch die tiefe Nacht, bei starkem Reif denke ich noch daran, dass des Kaisers Gewand zu dünn sein könnte.

银灯青琐裁缝歇,还向金城明主看。 Bei silbernen Lampen und verzierten Palastfenstern ruht das Nähen,erneut richtet sich der Blick auf den erleuchteten Herrscher in der festen Stadt。

Bei Tagesanbruch, den Besen in der Hand, öffnen sich die goldenen Hallen,einstweilen wandere ich mit meinem runden Fächer umher。

玉颜不及寒鸦色,犹带昭阳日影来。 — Ihr jadegleiches Antlitz reicht nicht an das Gefieder der kalten Krähen heran, denn diese bringen noch Sonnenlicht aus Zhaoyang mit.

Ob mein Los wirklich so unglücklich ist, darüber sinne ich lange nach; ich träume vom Herrscher und zweifle nach dem Erwachen.

Feuerschein im Westpalast verrät das nächtliche Gelage; deutlich sehe ich wieder die Zeit, als ich auf dem überdachten Gang seine Gunst empfing.

Im Changxin-Palast leuchtet der Herbstmond hell,unter der Zhaoyang-Halle klingt das Klopfen der Wäsche。

Im Bailu-Saal zeigen sich Spuren feinen Grases, im roten Seidenvorhang ist der Zärtlichkeit kein Ende.

Poesie fließen lassen

Animation der Gedichtwelt

Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.

Die Animation ist bereit.

KI-Bildgestaltung

Übersetzung

Das erste Gedicht: Die Herbstblätter des Wutong-Baumes am Brunnen sind schon gelb. Der Perlenvorhang bleibt herabgelassen, still fällt nächtlicher Reif. Duftofen und Jadekissen haben in den kummervollen Augen ebenfalls ihren Glanz verloren. Im Palast liegend höre ich nur die klare, lang anhaltende Wasseruhr aus dem Südpalast.

Zweites Gedicht: Von der hohen Palasthalle her klingt das Walken der Kleider, es ist schon tiefe Nacht. Der Frost ist schwer, und sie sorgt sich noch immer, ob die Kleidung des Kaisers warm genug ist. Neben der silbernen Lampe und dem geschnitzten Fenster stellt sie das Nähen ein, wendet aber weiterhin den Kopf zur Palaststadt, in der sich der Kaiser aufhält.

Drittes Gedicht: Im Morgengrauen öffnen sich die Palasttore, und sie tritt mit dem Besen ihren Dienst an; dann wandert sie vorerst mit einem runden Fächer allein umher. Ihr schönes Gesicht reicht nicht einmal an das Gefieder der kalten Krähen heran, denn diese können noch mit dem Sonnenlicht der Zhaoyang-Halle herbeifliegen.

Viertes Gedicht: Nach langem Grübeln scheint mir, ich sei tatsächlich vom Schicksal wenig begünstigt; im Traum sehe ich den Herrscher, doch erwacht zweifle ich daran. Ich sehe den hell erleuchteten Westpalast und weiß, dass dort ein nächtliches Fest stattfindet. Deutlich kehrt die Erinnerung an jene Zeit zurück, als ich auf den überdachten Verbindungsgängen seine Gunst empfing.

Das fünfte Gedicht: Im Changxin-Palast scheint der Herbstmond klar, unterhalb der Zhaoyang-Halle erklingt das Walken der Wäsche. Im Bailu-Saal zeigen sich bereits Spuren feinen Grases, hinter roten Seidenvorhängen hingegen ist die Zärtlichkeit grenzenlos. Hier Vernachlässigung, dort Liebe und Gunst – dieser Gegensatz vertieft die Klage aus dem Palast.

Anmerkungen

长信: Name eines Han-Palastes, verbunden mit der Geschichte von Ban Jieyu, die nach dem Verlust der kaiserlichen Gunst dorthin zurückgezogen lebte. Tang-Gedichte nutzen Han-Paläste, um die Lage von Frauen am Hof darzustellen; sie sollten nicht Vers für Vers mit tatsächlichen Hofakten gleichgesetzt werden.

金井: ein prächtig verzierter Brunnen. 熏笼: ein Gestell über einem Räucherofen, mit dem Kleider getrocknet und erwärmt werden. 清漏: das deutlich hörbare Zeitmessgeräusch der Wasseruhr. 夜阑: tief in der Nacht.

秋砧:Der Stein zum Wäscheklopfen im Herbst und die dabei entstehenden Geräusche. 御衣:Die Gewänder des Kaisers. 青琐:Verzierte Palastfenster und Palasttore. 奉帚:Mit dem Besen dienen;beschreibt eine niedrige Tätigkeit im Palast.

团扇: ein runder Fächer; in traditionellen Gedichten über das Leid der Palastfrauen steht der im Herbst weggelegte Fächer häufig für verlorene Gunst. 昭阳: Name eines Han-Palastes, hier der Wohnort einer begünstigten Frau. 玉颜: ein schönes Antlitz.

复道: übereinanderliegende oder hochgeführte Verbindungsgänge zwischen Palästen. 白露堂: Name einer Palasthalle, Halle des Weißen Taus. Das letzte Gedicht stellt die verlassene, von Gras überwachsene Palasthalle dem roten Seidenbettvorhang einer Begünstigten gegenüber.

Diese Seite enthält fünf Vierzeiler mit jeweils sieben Schriftzeichen pro Vers. Die Übersetzungen folgen einzeln der Reihenfolge der Originale.

Vorstellung des Werks

Einführung zum Werk: Diese Folge von Gedichten über den Groll im Palast greift auf Paläste der Han-Zeit und Bilder um Ban Jieyu zurück. Sie schildert die Empfindungen einer Frau, die die kaiserliche Gunst verloren hat, in langen Nächten, bei der Arbeit, beim Erwachen aus Träumen und beim Blick in die Ferne. Jedes der fünf Gedichte hat eine eigene Szene; zusammen zeigen sie die seelische Bedrängnis durch die ungleiche Verteilung der Gunst.

Interpretation

Der „怨“ („Groll“) wird im Gedicht selten unmittelbar ausgerufen. Er zeigt sich vielmehr in Einzelheiten: Die Zeit vergeht zu langsam, Dinge verlieren ihre Farbe, nach dem Erwachen wagt man dem Erlebten nicht zu glauben. Im zweiten Gedicht gilt die Sorge noch immer der Frage, ob das kaiserliche Gewand warm genug ist. So gerät die tiefe Zuneigung der Gestalt in Widerstreit mit der tatsächlichen Vernachlässigung.

Das dritte Gedicht vergleicht das jadegleiche Antlitz mit Krähen und kehrt damit das eigentlich deutliche Verhältnis von Schönheit und Hässlichkeit um: Nun werden die Vögel beneidet, weil sie dem Herrscher nahekommen können. Dieser unvernünftige Vergleich macht gerade das Missverhältnis in der Lage der Figur deutlich. Das letzte Gedicht stellt dann zwei Palastbereiche gegenüber und verankert das persönliche Leid in sichtbaren räumlichen Unterschieden.

Kommentare

Wird gesendet

Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte

Von Gedichten inspirierte Romane

Rätselgeschichte im Stil des alten China

Wo die Wasseruhr verstummt

Als Xie Heng den siebenunddreißigsten Schlag notiert, wird es im Raum der Wasseruhr plötzlich still, doch der Wasserstandsanzeiger bewegt sich weiter. Sie schlägt alte Register auf: Jedes Mal, wenn die Wäschekörbe den Palast verlassen, findet sich in der zweiten Nachthälfte ein Abschnitt mit besonders dunkler Tinte. Als sie der Spur bis zur westlichen Ecke folgt, entdeckt sie ein junges Mädchen, das keinesfalls in einem Korb versteckt sein dürfte. Ausgerechnet jetzt trifft der Befehl ein, auf den sie seit zwanzig Jahren wartet: Sie soll vor den Thron im vorderen Palast treten. Der Audienztermin fällt genau auf die nächste Ausfahrt der Wäschekörbe.

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