Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Der Sommerschatten des Pflaumenbaums
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11463 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am Morgen des siebten Tages im sechsten Monat hielt Gu Qing an der Gassenmündung an. Als Erstes sah sie das Traggestell der alten Liu. Es hatte eine neue, helle Tragestange, die schräg an der Mauer lehnte. Die alte, vom Gebrauch schwarz gewordene Stange stützte das Vordach. Liu hob den Blick und rief, da seien sie ja wieder. Ihre Hände waren weiter damit beschäftigt, einem Kunden Bohnen zu schöpfen. Niemand hatte sich vor die Tür gestellt, um auf sie zu warten, und niemand fragte, wie viele Schnüre Münzen diese Reise am Ende wert gewesen sei.
Gu Qing trug die zusammengerollte Decke für ihre Großmutter bis vor die eigene Tür. Das Gras am Eingang war ein wenig höher geworden. Sie drehte den Schlüssel in der Hand, die Tür klemmte nicht, und aus dem Hof kam ihr der Geruch von nassem Stein und altem Holz entgegen. Der Hof war enger, als sie ihn in Erinnerung hatte, und vertrauter als jedes Zimmer in den Herbergen. Shen Su ging noch nicht ins Haus. Sie blieb am Brunnen stehen und schaute zum Baum, die Hutkrempe nach oben geneigt, und suchte nach Pflaumenblättern, wie sie vor der Abreise nach dem Rot der Lotusblüten gesucht hatte.
Die Blätter waren noch da. Manche hatten Fraßlöcher, und an einem kleinen Ast nahe der Mauer waren sie gelblich. Die Großmutter runzelte sofort die Stirn, und auch Gu Qing wurde unruhig. Frau Ma kam gerade mit Essen vorbei, hörte sie und schob ihren Karren heran. Gärtner Qiu habe sich die Stelle angesehen, sagte sie. Sie sollten vorerst nichts auf gut Glück abschneiden. In der Hitze sei zweimal etwas zu wenig gegossen worden. Später hätten sie nach seiner Anweisung mehr Wasser gegeben, und die neuen Triebe seien noch da. Sie zeigte den beiden, wie sich am Ende eines dünnen Zweigs ein junges Blatt glänzend entfaltete. Es war weniger prächtig als die Blüten im Winter, doch es lebte.
Shen Su trat näher und wollte das gelbe Blatt berühren, hielt aber kurz davor inne und strich nur über das Blatt, an dem keine Insekten gefressen hatten. Sie fragte nicht, wer einen Tag ausgelassen hatte, und Frau Ma bat auch für kein einziges schadhaftes Blatt um Verzeihung. Gu Qing trug den alten Eimer zu ihren Füßen an seinen Platz zurück, beugte sich hinunter und sah in den Graben. Der Wasserlauf war sauber, und neben den zwei flachen Steinen am Auslauf sah man frische Kehrspuren. Sie richtete sich auf und dankte Frau Ma. Diesmal galt der Dank den Händen, die Tag für Tag gearbeitet hatten, keinem Satz, der ihr die Abreise ermöglichte.
Tante Chen kam erst mittags. Sie war erst seit ein paar Tagen von ihrer Tochter zurück, etwas brauner im Gesicht, und wenn sie lachte, wirkte sie ganz munter. Sie fragte nicht zuerst nach den Lotusblüten, sondern beklagte sich, Frau Ma habe beim Aufhängen so kräftig am Stoff gezogen, dass eines ihrer alten Tücher länger geworden sei. Frau Ma widersprach, es sei schon immer schief gewesen. Nach zwei Sätzen Streit lachten beide. Gu Qing wartete, bis sie fertig waren, und fragte, ob der restliche Lohn fürs Aufpassen abgerechnet sei. Tante Chen sagte, sie hätten alles nach Tagen aufgeteilt, ohne auf ihre Rückkehr zu warten, und zeigte ihr die kleinen Striche, die sie dafür notiert hatte. Gu Qing sah sie sich an, legte die Aufstellung weg und zahlte nicht ein zweites Mal.
Die Großmutter trug die Schachtel mit dem grauen Lotus heraus, und zu dritt betrachteten sie ihn am Fenster. Die Blüte war nicht mehr so flach gepresst wie im Gästehaus, eine Spitze war geknickt. Tante Chen lachte und fragte, weshalb sie von einer so weiten Reise so ein graues Ding mitgebracht habe. Shen Su widersprach und zeigte eigenhändig die Größe der echten Blüte. Die sei viel heller gewesen, und am Wasser sei auch nicht alles rot. Als sie auf die halb geöffneten Blüten zu sprechen kam, stockte sie plötzlich. Die Alte sah aus dem Fenster, als sei jenes Wasser hinter den Pflaumenzweigen noch nicht ganz zurückgewichen.
Als Tante Chen merkte, dass sie ihr kein Muster verkaufen wollte, hörte sie auf, an der grauen Lotosblüte herumzudrücken, holte einen Hocker und setzte sich zum Zuhören. Gu Qing kochte Wasser und ergänzte nicht, was ihre Großmutter ausließ. Hinter der Herdöffnung hörte sie, wie die alte Frau von den köstlichen Reiskuchen und den schwankenden Bootsplanken erzählte. Nur die Zeit, die sie auf der Laufplanke reglos gestanden hatte, kürzte sie um die Hälfte. Gu Qing lächelte und verbesserte sie nicht vor allen. Erst als sie abends die Tür schlossen, fragte sie, ob jene Planke ganz von selbst plötzlich stabil geworden sei. Shen Su funkelte sie an und sagte, man müsse alten Leuten doch ein wenig Mut lassen.
Sie ruhten sich erst zwei Tage aus und tauschten die dreihundert Wen daheim nicht gleich gegen ganze Stücke neuer Seide. Nach der Rückkehr rechneten sie die Reisekosten nach. Hundertdreiundsechzig Wen waren übrig, und manches von dem, was sie mitgenommen hatten, musste wieder in Ordnung gebracht werden. Die feuchte Deckenrolle musste auslüften, die durchgescheuerten Schuhsohlen mussten genäht werden. Auch das hatte ihnen die Reise hinterlassen. Einen Teil des Geldes legte Gu Qing zum Haushaltsgeld, den anderen behielt sie als Rücklage, damit sie beim nächsten Mal nicht in Unruhe gerieten. Sie zog es nicht wieder alles auf eine Schnur, um es anderen vorzuzeigen.
In der zweiten Nacht nach der Heimkehr rief Shen Su mitten aus dem Schlaf nach Gu Qing. Sie antwortete und setzte sich auf. Sie dachte, sie müsse wieder das Knie wärmen, doch die Alte sagte nur, sie habe draußen das Brunnenseil gehört, als würde jemand Wasser holen. Gu Qing zog sich etwas über und sah nach. Der Wind hatte die kleine Schöpfkelle, die sonst an ihrem Haken hing, an den Eimer geweht. Sie legte sie so hin, dass sie nicht mehr verrutschen konnte, und ging zurück, um es zu erzählen. Die Großmutter murmelte leise und legte sich wieder hin. Nach einer Weile sagte sie, zu Hause seien die Nächte wirklich still. Gu Qing lachte, dabei waren die Wagen bei den Wens noch immer zu hören.
„Die Stille hier kenne ich“, sagte Shen Su.
Gu Qing sagte nichts und legte sich langsam wieder auf ihren Platz. Das Rascheln der Blätter auf dem Wasser war jetzt weit weg, doch es war die Ferne von etwas, das sie einmal selbst gehört hatte. Sie griff nach ihrem Haarband. Das neue, blass apricotfarbene Band war schon gewaschen und hing am Fenster zum Trocknen. Ihre Finger berührten nur ihr offenes Haar. Sie wollte ihre Großmutter gern fragen, ob sie noch irgendwohin reisen wolle. Doch sie fürchtete, mit der Frage diese Reise beiseitezuschieben, ehe sie recht zur Ruhe gekommen war, und hob sie sich schließlich für später auf. Am nächsten Morgen kochte die Alte nach dem Aufwachen zwei Schalen etwas faden Bohnenbrei. Ihr fehlte die Prise Trockengemüse aus Nanpu. Gu Qing ging zu den Nachbarn und bat um ein wenig eingelegtes Gemüse. Jede tat sich ein halbes Stäbchen voll in den Brei, und nach dem Essen schliefen sie beide noch einmal kurz ein.
Am zehnten Tag ging sie zu Yaos Laden. Sie wollte nur einen freien Augenblick finden, um über die Blumenmuster zu sprechen, an denen sie gerade arbeitete. Yao Liao prüfte eben die Lieferung von Frau Meng. Die dicht gearbeiteten Granatapfelblüten in Rot und Grün verkauften sich tatsächlich gut; nach der Musterschau war noch einmal nachbestellt worden. Gu Qing stand daneben und umklammerte unwillkürlich den Zipfel ihres Bündels. Sie dachte daran, dass auf jene vierhundert tatsächlich noch mehr folgen konnte. Frau Meng hob den Kopf, begrüßte sie und fragte, ob es im Süden schön gewesen sei. Sie antwortete, ja, und sagte nach einer Weile noch, sie habe echten Lotos gesehen.
Yao Liao zeigte ihr ein paar neu eingetroffene Hüte. Wenn sie dafür noch kleine Blumen brauche, könne sie Gu Qing fragen, ob sie den Auftrag annehme. Den eiligen Kunden, den Gu Qing schon kannte, bediene jetzt aber Frau Meng. Sie könne ihn ihr nicht wieder wegnehmen, bloß weil Gu Qing zurück sei. Gu Qing sagte, sie verstehe, und ihre Stimme klang leiser, als sie erwartet hatte. Auf dem Heimweg war sie ziemlich missmutig. Erst als sie zu Hause ihre Großmutter vor der Tür Bohnen pulen sah, sprach sie ihren Unmut aus. Shen Su hörte zu und fragte, ob sie heute hier sitzen und bedauern würde, dass schon wieder ein Sommer vorüber sei, wenn sie nicht gefahren wäre. Gu Qing nahm eine Handvoll Bohnen, pulte eine ganze Weile und sagte, das würde sie wohl auch.
An diesem Abend sagte sie nicht, dass sie es deshalb nicht bedauere. Das Rot der Granatapfelblüte von Frau Meng leuchtete ihr noch im Herzen, und die blasse Blüte mitten im Wasser leuchtete dort ebenfalls. Keine hatte die andere verdrängt. Sie legte eine beim Auslösen beschädigte Bohne beiseite und schälte weiter. Am nächsten Tag kaufte sie wie geplant ein wenig neues Garn und erkundigte sich nicht danach, wie viel sich mit dem Auftrag der anderen verdienen ließ.
Xiaoman kam am übernächsten Tag mit einem Hut, dessen Verschluss geändert werden musste, und einem Päckchen selbst gemachter gekühlter Küchlein. Gu Qing erzählte ihr zuerst, sie habe auf dem Schiff zurück die graublaue Blume gesehen. Xiaomans Augen leuchteten auf. Sie fragte sofort, ob die Blume gerade gesessen oder sich im Wind zu weit gesenkt habe. Gu Qing sagte, sie habe gerade gesessen. Auch das Schildchen hinter dem Verschluss habe richtig gesessen. Sie habe es gleich beim Umdrehen gesehen. Beide lachten. Dann holte Xiaoman ein neues Muster heraus. Die eingerollten Blütenblätter öffneten sich weiter, und die Zwischenräume waren gewagter. Diesmal füllte Gu Qing sie nicht auf.
Sie zeichnete die Rippen auf der Unterseite eines Lotusblatts auf das Papier. Sie bestand nicht darauf, es genauso zu machen, und zeigte Xiaoman erst einmal, welche Stelle zum Hutrand werden könnte. Xiaoman verlängerte einen der Bögen. Gu Qing hielt probeweise die Hand davor, fand, dass er zu weit vorstand und sich schlecht zurückführen ließ, und sagte, dass er ihr nicht gefiel. Xiaoman nahm das Schmierblatt und drehte es in eine andere Richtung. Auf einmal sah es aus wie ein Blatt, das sich wendet. Sie stritten, bis die Großmutter zum Essen rief. Die Frage, wer recht hatte, ließen sie offen, klemmten ihre beiden Fassungen getrennt fest und verabredeten einen weiteren Versuch. Mit dem Verkauf hatte es an diesem Abend keine Eile.
Am Abend des Elften ging Gu Qing zum neuen Laden der Zhous. Das Vordach war repariert, und am Eingang hingen die Schirme in mehreren Reihen übereinander. Zum ersten Mal ging sie vorn hinein, statt durch die Hintertür für die Lieferanten. Lu Ying rechnete gerade die Einnahmen und Ausgaben des Tages zusammen. Sie deutete mit dem Kinn nach drinnen, ohne jemanden zu rufen. Zhou Jiping schlug am Fenster einen Nagel in einen Schirmgriff. Als er die Schritte hörte, hob er den Kopf. Eine ganze Weile hielt er den Nagel reglos in der Hand, ehe er ihn langsam hinlegte.
Gu Qing holte den leichten Schirm hervor. Unterwegs hatte ein raues Stück Holz einen kleinen Riss in den Schirmrand gerissen. Sie fragte zuerst, ob er sich flicken lasse, und erzählte noch nicht, wie oft sie ihn benutzt hatte. Zhou Jiping spannte ihn auf, zeigte auf den Riss und sagte, das gehe. Der Flicken werde etwas dunkler bleiben. Das dürfe er, sagte sie, die ganze Bespannung solle er dafür nicht auswechseln. Was es koste? Zwei Wen. Sie bezahlte, und vor ihren Augen schnitt er ein kleines Stück zu, bestrich es mit Kleister, klebte es von hinten auf und strich es sanft glatt.
Sie stand neben ihm und sah auf seine Hände. Plötzlich fielen ihr all die Male ein, als sie sich gewünscht hatte, schneller zurückzukommen. Er fragte, wie viele Lotusblüten sie gesehen habe. Nicht viele, sagte sie, und bei einer sei sie mit dem Zählen nicht fertig geworden. Er lachte und bat sie zu erzählen. Sie nahm die Hände zu Hilfe und erzählte, wie viel größer die Blüte als der graue Lotus gewesen war und wie ihre Großmutter nach dem halben Tag eingeschlafen war. Dabei fing sie selbst an zu lachen und vergaß, zuerst aufzurechnen, was die Reise gekostet und was sie gebracht hatte.
Nachdem Zhou Jiping ihr zugehört hatte, stellte er den reparierten Schirm zum Trocknen unter das Fenster. Seine Hand zog er nicht gleich zurück, sondern ließ sie mit der Handfläche nach oben am Tischrand liegen. Gu Qing sah sie an und legte ihre hinein; ein wenig Holzstaub von seiner Hand blieb an ihren Fingerspitzen haften. Von dieser Hand aus kamen sie nicht auf die Ladenecke, ihre Lebensplanung oder eine Heirat zu sprechen. Als Lu Ying draußen rief, sie sollten eine Türhälfte gegen den Wind schließen, ließ er auch nicht hastig los, sondern benutzte zum Schließen nur die andere Hand.
Am vierzehnten legte Gu Qing die neu gekauften Fäden auf einer Hälfte des Materialtischs aus. Neben dem Tisch blieb der Platz für die alte Rinne frei. Hinter dem Bambusvorhang umwickelte die Großmutter drei dicke Stängel und räumte anschließend alles weg; am Nachmittag wollte sie in Frau Jis Laden von den Lotosblumen erzählen. Gu Qing bat sie nicht, noch beim Fertigstellen einer Schale neuer Blätter zu helfen, sondern sagte nur, sie solle einen Schirm mitnehmen. Die alte Frau zeigte selbst auf den alten Schirm hinter der Tür und sagte, sie wisse es.
Allein im Hof probierte sie das hellste Graugrün aus. Ein Hauch Farbe breitete sich langsam im Wasserbecken aus, wie der kleine Vogel am Topf des Granatapfelbaums in Nanpu, den der Regen blank gewaschen hatte. Sie wusste, dass ein echtes Lotusblatt diese Farbe nicht hatte und die Blume dadurch auch nicht den Duft auf dem Wasser bekommen würde. Sie hob den Stoff an, hielt ihn einmal gegen das Licht und hängte ihn auf das hohe Gestell, ohne noch eine weitere Schale dazwischenzudrängen. Der Schatten des Baums fiel auf die freigelassene Stelle. Gu Qing setzte sich und wartete, bis dieses eine Stück trocken war.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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