Für Liu Jingwen
Song-Dynastie・Su Shi
Song-Dynastie・Su Shi
Der Lotos ist vergangen, kein Blattschirm fängt mehr Regen auf; die Chrysanthemen sind verwelkt, doch ihre Zweige trotzen noch dem Reif.
Die schönste Zeit des Jahres, merke sie dir wohl: wenn Orangen gelb und Mandarinen grün sind.
Der Inhalt der Animation bleibt in der chinesischen Originalfassung.
Die Animation ist bereit.
Die Lotosblüten sind ganz vergangen; selbst die Blätter, die sich einst wie Schirme ausspannten und Wind und Regen auffingen, sind verschwunden. Die Chrysanthemen sind zwar ebenfalls verwelkt, doch ihre Stängel stehen noch immer aufrecht dem kalten Reif entgegen.
Die schöne, kostbare Zeit des Jahres musst du dir unbedingt merken; keine ist schöner als diese, wenn die Orangen goldgelb und die Mandarinen noch grün sind.
赠: schenken, hier ein Gedicht als Geschenk verfassen. 刘景文: Liu Jingwen, der Empfänger dieses Gedichts; Jingwen ist sein Höflichkeitsname. Der Titel kennzeichnet es als Gedicht für einen Freund. Es lässt sich daher nicht lediglich als kleines Landschaftsgedicht ohne bestimmten Adressaten lesen.
荷尽: Die Lotosblüten sind verwelkt, der Lotosteich bietet ein Bild des Verfalls. 擎, ausgesprochen qíng: nach oben halten. 雨盖: ein schützender Regenschirm; hier werden die ausgebreiteten Lotosblätter mit Schirmen verglichen.
菊残: die Chrysanthemen sind verwelkt und stehen nicht mehr in voller Blüte. 犹: noch, weiterhin. 傲霜枝: Zweige und Stängel, die trotz kalten Reifs nicht umknicken; 傲 („trotzen“) verleiht ihnen eine unbeugsame Haltung.
君: Ehrenvolle Anrede des Widmungsempfängers. 须记: Man soll sich daran erinnern. 好景: Eine Landschaft oder Aussicht, die es zu bewundern und zu schätzen gilt.
橙黄橘绿: Orangen sind bereits gelb, Mandarinen noch grün; gemeint ist das Bild fruchttragender Bäume im späten Herbst und frühen Winter, keine bloßen orangefarbenen und grünen Farbflächen und auch keine schneebedeckte Landschaft.
Textvarianten: Im letzten Vers steht statt 最是(am schönsten ist)auch 正是(gerade das ist); die herangezogene Ausgabe „东坡诗集注“, Band neun, verwendet 正是. „皇朝文鉴“ enthält außerdem die Variante 好处(das Schöne). Diese Seite bewahrt entsprechend dem Ausgangsgedicht der Datenbank 好景(schöne Jahreslandschaft)und 最是 und verändert den Originaltext nicht anhand der Varianten.
Einführung zum Werk: Dieser Vierzeiler mit sieben Schriftzeichen je Vers beschreibt Blumen und Früchte im späten Herbst und frühen Winter und vermittelt dem Freund durch die Landschaft zugleich Wertschätzung und Ermutigung. Zunächst sieht man verblühte Lotosblumen und welke Chrysanthemen und könnte erwarten, das ganze Gedicht werde beim Verfall verweilen. Doch der Dichter richtet den Blick auf die noch aufrechten Chrysanthemenstängel und die Orangen und Mandarinen, die gerade ihre Farbe wechseln. Beim Lesen sollte man Verwelken und Reifen derselben Jahreszeit zuordnen und nachempfinden, wie in der Kargheit schöne Anblicke neu entdeckt werden; man braucht der Landschaft keinen heftigen Schneefall hinzuzufügen.
Die ersten beiden Verse sind ähnlich gebaut, unterscheiden sich jedoch in ihrer Gefühlsfärbung. Die Lotusblätter haben ihre regentragende Haltung verloren: Was sich einst weit entfaltete, besteht nun nicht mehr. Auch die Chrysanthemen sind verblüht, doch das Wort 犹(noch)hält den Blick bei den verbliebenen Stängeln fest. 已无(nicht mehr vorhanden)steht 犹有(noch vorhanden)gegenüber; so wendet sich der Gedanke innerhalb einer scheinbar ähnlichen Szenerie des Verfalls. 傲霜(dem Frost trotzen)lässt die Chrysantheme nicht erneut erblühen, sondern macht ihr selbst nach dem Verblühen sichtbares aufrechtes Stehen beachtenswert.
Die letzten beiden Verse verschweigen das späte Jahr nicht, nennen gerade diese Zeit aber unmittelbar eine der schönsten des Jahres. Das Gelb und Grün von Orangen und Mandarinen bringt leuchtende Farben hervor und erinnert zugleich daran, dass das Wachstum die Fruchtreife erreicht hat. Zusammen mit verwelktem Lotos und Chrysanthemenzweigen bilden sie ein vollständiges Jahreszeitenbild, statt den gegenwärtigen Herbst durch eine Frühlingslandschaft auszulöschen. Das „赠“ – „als Geschenk gewidmet“ – im Titel fügt dieser Betrachtung menschliche Nähe hinzu: Der Trost für den Freund beruht darauf, Reife und Kraft aufzuzeigen, die sich jetzt noch schätzen lassen, ohne eine vollständige Wiederherstellung zu versprechen. Der vertraute und zugleich nachdrückliche Ton von „须记“ – „Denke daran“ – macht das Betrachten zu einer Entdeckung, die man mit dem anderen teilen möchte, und gibt der Heiterkeit des Gedichts eine konkret sichtbare Grundlage.
Aus dem Gedicht, hinein in die Geschichte
Song Heng hat ihr Brautgewand angelegt, doch der Bräutigam kommt persönlich, um ihr zuzureden, heute nicht zu heiraten. Sie ist achtundfünfzig, hat mit ihm bereits einen Obstgarten vor der Stadt gepachtet und sogar die roten Schnüre für den Wagen vorbereitet. Er sagt nur, sie sollten noch ein Jahr warten, bis die Kinder beider Seiten es annehmen können. Unter dem Fenster liegen orangegelbe Früchte neben mandarinengrünen, an der Gassenecke wartet noch der Kutscher. Den Garten und ihr künftiges Leben hatten sie doch gemeinsam besprochen. Jetzt ist nur noch ihr Gepäck ordentlich gepackt.
Lesen beginnenMit KI-Unterstützung verfasst · Figuren und Handlung sind erfunden