Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Die Lotusblätter haben sich noch nicht entfaltet
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11936 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am siebzehnten Tag des fünften Monats kamen die ersten Geräusche von Nanpu aus der Fischlast eines Trägers. Er schüttete lebende Fische in einen Holzbottich. Die Schwänze schlugen ins Wasser und spritzten Gu Qing auf die Schuhe. Kaum hatte sie ihr Gepäck ans Ufer gebracht, drängte man sie schon einen Schritt zurück, noch bevor sie sich in der Stadt umsehen konnte, von der sie so oft gehört hatte. Shen Su stand am Anleger und hielt sich an einem Pfosten fest. Der Wind drückte die hellbraune Blume an ihrem Hut nach innen. Niemand hätte gedacht, dass die beiden für diesen Augenblick sechs Tage unterwegs gewesen waren.
Am östlichen Anleger von Nanpu lagen ein paar Herbergen am Fluss. Gu Qing erkundigte sich nach den Preisen. Nahe am Anleger waren die Zimmer um die Hälfte teurer als in Ludu. Sie führte ihre Großmutter in die Herberge, die ihr zuerst gefallen hatte. Das Zimmer hatte ein Fenster, doch es ging auf die Hintergasse hinaus, in der die Fische entladen wurden. Der Fußboden war feucht, und abends lief draußen das Spülwasser vorbei. Die alte Frau setzte sich auf die Bettkante und sagte nichts gegen das Zimmer, rückte aber mit dem rechten Bein hin und her und fand keine Stellung, in der sie es bequem ausstrecken konnte.
Gu Qing stellte die Deckenrolle ab und malte sich aus, endlich zwei Nächte gut zu schlafen. Zunächst redete sie sich ein, dass es nur ein bisschen feucht sei. Als der Wirt hörte, dass sie wegen des Lotussees gekommen waren, schüttelte er den Kopf. Der Frühling sei dieses Jahr kalt gewesen, es gebe noch wenig Blüten. Drüben im östlichen Gewässer seien vor allem Blätter zu sehen. Wer eigens für die Blüte komme, fahre erst gegen Monatsende hin. Gu Qings Hand blieb am Riemen ihrer Tasche stehen. Ein, zwei halb geöffnete Blüten müsse es doch geben, fragte sie. Der Wirt erwiderte, er sei selber kein Lotus. Wie solle er über ein paar Li Wasser hinweg für die Blüten sprechen?
Die Bemerkung war wenig höflich, und Gu Qing wurde heiß im Gesicht. Sie ging hinaus, um sich am Fluss nach einem Wagen zu erkundigen. Der Fuhrmann sagte, die einfache Strecke betrage vierundzwanzig Li. Wenn sie noch heute hinfuhren, müssten sie dort übernachten, weil die Erdstraße noch nicht ganz abgetrocknet sei. Auf die Frage, ob die Blüten schon offen seien, bekam sie von drei Leuten drei verschiedene Antworten. Einer sagte, sie blühten längst, einer, es dauere noch zehn Tage, und einer, es komme auf den Südwind an. Sie brachte keine Nachricht von den Blüten mit zurück, dafür aber den Fischgeruch des Anlegers und Staub am ganzen Leib.
Shen Su schlug gerade die feuchte Decke zum Lüften zurück. Gu Qing setzte sich auf den Schemel und sagte plötzlich, wenn es wirklich keine Blüten gebe, könnten sie auch eine Nacht ausruhen und dann zurückfahren, statt umsonst zu warten. Kaum hatte sie es gesagt, bereute sie es, nahm es aber nicht gleich zurück. All die Tage hatte sie am meisten gefürchtet, dass sich die Blüten noch nicht geöffnet hätten. Nun, da es tatsächlich so war, konnte sie ihre Sorge scheinbar als feststehendes schlechtes Ergebnis abhaken und sich rasch ins Vertraute flüchten.
Ihre Großmutter ließ die Ecke der Decke sinken und fragte, für wen sie da sparen wolle. Gu Qing sagte, für sie beide, und sie fürchte auch, dass sich die Alte hier nicht wohlfühle. Shen Su tastete über die Bettkante. Hier sei es tatsächlich unbequem, also sollten sie erst einmal umziehen. Was das Warten anging, sei sie gern bereit, ein paar Tage zu bleiben. Gu Qing schulde ihr keine Blüte, die sie heute noch abliefern müsse. Beim letzten Satz bebten ihre Nasenflügel ein wenig, als hielte auch sie die Enttäuschung darüber zurück, dass sie keine Blüten gesehen hatte.
Sie zogen noch am selben Tag aus dem Zimmer aus. Für das Abstellen des Gepäcks und die Benutzung des Herds zahlten sie einen kleinen Betrag und stritten sich nicht mit dem Wirt. Die neue Unterkunft lag einen halben Li vom Anleger entfernt in einer schmalen Gasse. Hinter der Tür stand ein magerer Granatapfelbaum im Topf. Er hatte noch keine Blüten, dafür hingen Socken der Gäste zum Trocknen an seinen Zweigen. Die Wirtin Pang Yun war um die vierzig und schnitt gerade getrockneten Rettich. Als sie fragten, ob es ein Bett gebe, bei dem man die Füße auf den Boden stellen könne, wies sie mit dem Messerrücken nach drinnen und ließ sie selbst nachsehen.
Das Zimmer war nicht fein eingerichtet, und vor dem Fenster lag auch nicht der Fluss, sondern nur eine alte, weiß gestrichene Wand. Die Bettfüße standen eben, der Lampenständer sicher, daneben gab es einen Bambusstuhl, auf dem man sitzen konnte. Shen Su setzte sich zuerst darauf, streckte langsam das rechte Bein aus und nickte. Gu Qing befühlte die Bettbretter und stellte ihr Bündel erst ab, als sie sicher war, dass nichts feucht war. Für beide kostete die Nacht zehn Wen. Heißes Wasser gab es zu festen Zeiten, nicht auf einen Zuruf hin mit eigens neu entfachtem Feuer. Pang Yun erklärte es klar, und gerade das beruhigte Gu Qing.
Pang Yun erzählte ihnen, wie das Wasser im Lotussee in letzter Zeit stand. Ihre angeheiratete Verwandtschaft verkaufe dort Gemüse, und gestern habe man nur eine einzige Blüte hervorschauen sehen, noch kein ganzes Feld. Sie drängte ihre Gäste nicht zum Bleiben, sondern wandte sich gleich den zwei Männern zu, die hereinkamen. Wer übernachtete, zahlte. Bloß weil die beiden von weither kamen, gab es keine Garantie. Shen Su hörte sich das an, zählte selbst vierzig Wen aus ihrem kleinen Beutel und sagte, sie bleibe erst einmal vier Nächte, dann würden sie weitersehen. Sie leerte nicht auf einen Schlag alle achtzig Wen aus.
Gu Qing wollte für sie bezahlen, doch die Alte hielt ihren Geldbeutel fest: „Diesmal habe ich ausgesucht.“ Also schrieb Gu Qing die vierzig Wen zu den gemeinsamen Reisekosten und rechnete sie nicht auf die achtzig Wen zur freien Verfügung obendrauf. Das Geld wechselte die Hände, und das Warten lastete nicht mehr allein auf Gu Qings Schultern. Oben nahm sie die hellbraune Blume von der Seite ihres Huts und richtete das vom Wind zerzauste Blütenblatt. Ihre Hände waren dabei ein wenig gelöster als unmittelbar nach dem Aussteigen.
Am Morgen des achtzehnten Tages wachte Gu Qing auf und dachte, sie sei noch auf dem Boot. Das Bett schwankte nicht, aber sie hörte ein Kind den Ruf eines Verkäufers gedämpfter Brötchen nachahmen. Pang Yuns Neffe brachte ihr das Frühstück und rief wie einer auf der Theaterbühne. Nach dem dritten Ruf musste er selbst lachen. Shen Su lag unter der Decke und lachte mit zusammengekniffenen Augen. Gu Qing wollte aufstehen und noch einmal fragen, wie es um die Blüte stand. Die Alte hielt sie fest und sagte, beim vierten Mal werde der Junge es bestimmt ohne Stocken hinbekommen, das sollten sie sich erst noch anhören.
An diesem Vormittag gingen sie nur durch die kleinen Gassen. Shen Su wollte sich einen Stand mit Bambuskämmen ansehen. Einen Kamm wollte sie nicht kaufen. Sie fragte, ob die Muster von Leuten aus dem Ort geschnitzt würden. Dem Kammmacher gingen ihre Fragen zunächst zu sehr ins Einzelne, und er antwortete nur widerwillig. Als er aber hörte, dass sie selbst ein Handwerk ausübte, zeigte er ihr einen Kamm, bei dem er sich verschnitzt hatte. Zwei Linien waren schief ineinandergelaufen, und so hatte er kurzerhand ein Wellenmuster daraus gemacht. Gu Qing stand daneben und hatte zum ersten Mal nicht das Gefühl, aus jeder Plauderei ihrer Großmutter ein Geschäft machen zu müssen.
Sie aßen die Reisfladen, von denen A-Chun erzählt hatte. Die Haut war tatsächlich dünn, warm waren sie weich, und kaum waren sie kalt, wurden sie hart. Shen Su bestand darauf, langsam zu essen. Beim letzten Bissen war der Fladen schon kalt. Sie schimpfte, dass er so hart sei, wollte ihn aber auch nicht wegwerfen. Gu Qing nahm ihr die Hälfte ab und kaute, bis ihr der Kiefer wehtat. Sie sahen einander an und lachten. Zu Hause dürften sie A-Chun bloß nicht erzählen, was sie für seine Köstlichkeit durchgemacht hätten. Sie nahmen keine Fladen mit. Sie merkten sich nur den Duft, den sie frisch aus der Pfanne verströmten.
Am Neunzehnten regnete es kurz, und der Großmutter tat wieder das Knie weh. Gu Qing dachte einen Augenblick, es liege alles daran, dass sie das falsche Wetter ausgesucht hatte, und wollte, während die Alte schlief, noch einmal loslaufen und sich nach den Blumen erkundigen. An der Tür merkte sie, dass der Schirm in der Zimmerecke noch tropfte, und ließ ihn stehen. Sie setzte sich unter die Traufe und sah dem Regen zu. Von einem zerbrochenen Ziegel rann das Wasser gebündelt auf den Rand des Topfs mit dem Granatapfelbaum. Ein in den Topf geritzter Vogel glänzte, vom Regen blank gewaschen.
Pang Yun setzte sich zu ihr, um den Türvorhang zu flicken. Die Ränder des alten Stoffs waren ganz ausgefranst. Als sie die Blüte an Shen Sus Hut sah, fragte sie, ob sie selbst gemacht sei und ob Gu Qing aus den abgeschnittenen Vorhangrändern zwei Blüten aus grobem Stoff machen könne. Sie wollte sie unten neben die Holzteller für die Essensbestellungen legen, damit man erkannte, welche Teller für die Gäste im oberen Stock bestimmt waren. Gu Qing sagte, grober Stoff lasse sich nicht so willig formen wie Seide, aber mit einer einfachen, großen Form gehe es. Pang Yun suchte ihr daraufhin die zwei festesten Stücke aus. Eigenes Material sollte Gu Qing nicht beisteuern.
Als die beiden Blüten fertig waren, sagte Pang Yun, sie seien eine Übernachtung wert. Falls sie länger blieben, ziehe sie den Betrag von der nächsten Nacht ab. Mehr Blüten müssten sie dafür nicht machen. Shen Su saß daneben und suchte graugrünes Garn aus. Gu Qing schnitt die Blüten nach Shen Sus schlichtem Lotusmuster zu und band die Mitte etwas lockerer. Die Blüten dufteten nicht und sahen unecht aus, fielen neben den alten Holzbrettern aber gleich ins Auge. Tatsächlich erkannte ein Gast aus dem oberen Stock sein Essensbrett sofort daran. Pang Yun war zufrieden und wandte sich um, um bei den anderen den Preis für den Brei abzurechnen. Gu Qing steckte ihr Nähzeug weg. Am nächsten Tag machte sie keine weiteren Blüten, um noch eine Übernachtung zu sparen.
Als der Regen aufhörte, wollte Shen Su nicht weiterschlafen. Sie schickte Gu Qing allein ein Stück die Hauptstraße entlang. Pang Yun sei unten, sie müssten nicht zu zweit über das Knie wachen. Gu Qing zögerte kurz und ging hinaus. Sie hatte weder Blumenmuster noch das Maß für den Stoffkauf dabei. Erst vor einem Stand mit Haarbändern fiel ihr auf, dass sie gar nicht wusste, wie sie sich Farben ansehen sollte, die sie nicht gleich in Geld umrechnen musste. Der Händler reichte ihr ein hellaprikosenfarbenes Band und sagte, junge Frauen könnten ruhig etwas Helleres tragen. Sie sah erst auf den Preis, dann auf das Band, und ihre Mundwinkel hoben sich ganz von selbst.
Sie kaufte es für drei Wen. Es war gewiss nichts, was sie gerade unbedingt brauchte. Auf dem Rückweg machte sie einen Umweg ans Wasser und rückte das Haarband im Spiegelbild eines dunklen Fensters zurecht. Ihr Gesicht sah genauso aus wie beim Blumenmachen in Yunjin, und doch war ihr, als hätte jemand ihr stets gesenktes Kinn ein wenig angehoben. Sie blieb noch eine Weile stehen und fragte sich, ob ihre Großmutter gerade auf Wasser wartete. Schon wollte sie weiter, hielt aber wieder inne und ließ den Flusswind das Bandende auf ihre Schulter wehen.
Als Gu Qing in die Herberge zurückkam, hörte Shen Su gerade Pang Yun zu, die erzählte, wie ihr Neffe die Schuhe eines Gastes ins falsche Stockwerk gebracht hatte. Durch die halb offene Tür drang Lachen. Gu Qing spürte dabei eine vertraute kleine Leere, hoffte aber nicht mehr, dass drinnen zuerst jemand bekümmert war. Sie drückte die Tür auf. Die Alte bemerkte sofort das neue Haarband, lobte erst die Farbe und fand dann den Knoten zu fest. Gu Qing solle den Kopf neigen, damit sie ihn lockern könne. Gu Qing ließ es nicht zu. Sie wollte ausgerechnet den Knoten behalten, den sie selbst gebunden hatte. Lachend hob sie das Gesicht und wich aus, und das Ende des Bandes streifte die ausgestreckte Hand ihrer Großmutter.
Am Zwanzigsten war es sonnig. Pang Yuns angeheiratete Verwandte ließen ausrichten, in der Mitte des Lotussees seien ein paar schöne Blüten aufgegangen. Wenn es morgen und übermorgen sonnig bleibe, könne man sie noch sehen. Einen ganz roten Teich sollten sie sich nicht vorstellen. Diesmal ging Gu Qing nicht gleich einen Wagen mieten. Sie fragte drinnen erst ihre Großmutter, wie es dem Knie gehe. Die Alte stand versuchsweise auf, ging bis zur Tür und sagte, morgen wolle sie sich noch einen Tag ausruhen und am Zweiundzwanzigsten fahren. Ob die paar Blüten warten würden, wussten sie beide nicht. Gu Qing klopfte einmal mit den Fingern an den Türrahmen und sagte schließlich ja.
Am einundzwanzigsten verlängerten sie ihren Aufenthalt zum selben Preis um eine Nacht. Die zwei Stoffblumen galten als Zahlung der zehn Wen für diese Nacht, und sie mussten nichts dazuzahlen. Die vierzig Wen von zuvor hatten genau für die ersten vier Nächte gereicht. Den restlichen Tag saßen die beiden am Fluss und sahen den Leuten auf einer kurzen Brücke zu. Ein Mann, der Lotuswurzeln trug, stellte mitten auf der Brücke seine Traglast ab. Die Leute an diesem Ende riefen, er solle Platz machen. Er rückte nur einen halben Schritt zur Seite und setzte sich wieder. Das gab ein Gelächter und Geschimpfe. Shen Su sagte, wenn sie Lotuswurzeln verkaufte, müsste sie auch Rast machen. Gu Qing fragte, ob dann alle auf der Brücke so langsam werden müssten wie sie. Die Alte antwortete nicht, doch ihre Augen leuchteten, als hätte sie endlich einen Gefährten gefunden, den niemand dazu bringen konnte, sich schneller zu bewegen.
In der Dämmerung stellte Gu Qing das Wasser für morgen und den leichten Schirm an die Tür. Sie nahmen die graue Lotusblüte der Großmutter aus der Schachtel. Auf dem Schiff hatten sie sie ein wenig schief gedrückt, und die Spitzen waren nicht mehr eben. Die Alte wollte sie trotzdem mitnehmen. Gu Qing steckte sie hinten an den Hut, trat ein paar Schritte zurück und sah sie sich an, wie Frau Ji damals Shen Sus Rückenansicht betrachtet hatte. Die Alte fragte, ob die Blüte gerade sitze. Gu Qing sagte, ein wenig schief, aber das liege am Hut. Shen Su hob die Hand, um den Hut zu richten. Gu Qing lachte und bat sie, ihn zu lassen. Auch ein bisschen schief erkenne man noch, wer da vor einem stehe.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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