Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Was wird im Sommer aus dem Baum?
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 12144 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am ersten Tag des fünften Mondmonats ging Gu Qing mit einem kleinen leeren Eimer zu den Chens. Sie wollte erst die Sachen zum Gießen des Baums bereitstellen und dann über dreißig Wen für sechs Wochen Betreuung sprechen. Als Tante Chen die Daten hörte, sagte sie gleich, dass sie mittendrin zehn Tage weg sei. Ihre Tochter stehe kurz vor der Niederkunft, und sie habe schon lange versprochen hinzufahren. Nur weil die Gus nun tatsächlich auf Reisen gingen, würde sie ihren eigenen Besuch nicht wieder absagen.
Gu Qing stellte den Eimer ab. Er setzte mit einem leisen Laut auf. Zuerst war sie enttäuscht, als fehlte auf einem eben erst geebneten Weg schon wieder ein Stück. Dann fiel ihr ein, dass Tante Chen schon seit Jahresanfang von dieser Reise gesprochen hatte. Weil sie sie jeden Tag am Brunnen sah, hatte sie einfach angenommen, sie werde immer da sein. Sie fragte, wann Tante Chen aufbreche. Die nannte den zwanzigsten bis neunundzwanzigsten Tag des fünften Monats, genau die Zeit, in der Großmutter und Enkelin vielleicht in Nanpu auf die Blüte warten würden.
„Frau Ma kommt in den Tagen zweimal, um für mich Stoff zum Trocknen aufzuhängen. Du könntest sie fragen“, sagte Tante Chen. „Frag sie selbst. Bloß weil ich zugesagt habe, muss sie noch lange nicht zusagen.“
Frau Ma wohnte am anderen Ende der Huai-Gasse und brachte gewöhnlich zwei Werkstätten das Essen. Sie hatte einen kleinen Handwagen, war vormittags beschäftigt und hatte nachmittags Zeit. Als Gu Qing kam, wusch sie gerade eine große Essensschüssel aus. Am Rand klebte angetrockneter Teig, und sie hatte keine Hand frei, um sie zu begrüßen. Gu Qing krempelte die Ärmel hoch und hielt ihr die Schüssel fest. Frau Ma sagte, sie könne nicht beurteilen, ob es einem Baum gut gehe. Sie könne nur nach Anweisung gießen, den Graben prüfen und die Tür abschließen. Wenn sie garantieren solle, dass kein Blatt am ganzen Baum Schaden nahm, würde sie für keinen Lohn der Welt zusagen.
Gu Qing sagte, sie brauche keine Garantie, sie wolle es erst einmal mit Wasser versuchen. Gemeinsam kehrten sie in den Hof zurück. Als Shen Su hörte, wer die Arbeit übernehmen würde, fragte sie als Erstes, wer denn den Brunnendeckel anheben könne, wenn Tante Chen nicht da sei. Frau Ma schob den Deckel auf der Stelle beiseite, legte ihn so ab, dass niemand darüber stolperte, und holte nach Anweisung der alten Frau einen Eimer Wasser. Sie hatte viel Kraft und goss gerade deshalb zu schnell. Das Wasser spülte einen Ring aus Schlamm hoch. Shen Su hob die Hand zum Zeichen, dass sie aufhören solle. Gu Qing suchte rasch nach einer Schöpfkelle. Sie wollte Frau Ma nicht in Verlegenheit bringen, fürchtete aber, dass es von nun an jedes Mal so gehen würde, wenn sie nichts sagte.
»Ich habe anfangs auch zu schnell gegossen.« Sie zeigte Frau Ma die Schöpfkelle. »Langsam an diesem Halbkreis entlang. Es muss nicht jeden Tag ein ganzer Eimer sein. Wenn die Erde noch feucht ist, nimmst du weniger.«
Frau Ma nickte und schlug vor, ein helles Holzstück als Markierung in die Einfassung zu stecken und jedes Mal die Erde zu fühlen. Shen Su wollte auf keinen Fall, dass sie das Holzstück an einer alten Wurzel hineinsteckte. Zu dritt beugten sie sich über das kleine Stück Erde und gingen dabei genauer vor als damals, als sie darüber gesprochen hatten, wem der Baum gehörte. Am Ende steckten sie das Holzstück gar nicht hinein. Sie füllten etwas von derselben Erde in eine alte flache Schale neben der Tür. Sie sollte nur einen Anhaltspunkt dafür geben, wie trocken oder feucht es war. Zuerst würden sie weiterhin die obere Erdschicht am Baum fühlen und die Schale nicht mit der Wurzel verwechseln.
Gu Qing bat Qiu Shen, noch einmal nach dem Baum zu sehen. Der Gärtner sagte, wie viel Wasser er brauche, hänge davon ab, ob es in den letzten Tagen geregnet habe oder sonnig gewesen sei. Bei Hitze solle man ihn nicht ausgerechnet mittags gießen, und ein gelegentliches Insekt auf einem Blatt sei kein Grund, gleich irgendein Mittel aufzutragen. Er zeigte den dreien die Fraßlöcher an den jungen Trieben und schnitt ein kleines Stück von einem schwachen Zweig ab, auf dem sich die Insekten sammelten, ohne den Haupttrieb zu verletzen. Shen Su wollte das Blatt gleich aufheben. Gu Qing legte es für sie zwischen altes Papier und verkniff sich die Frage, warum ausgerechnet die Frau, die einst Pflaumenblüten verteilt hatte, heute sogar ein zerfressenes Blatt aufhob.
Die Betreuung war einfach aufgeteilt: dreißig Wen für sechs Wochen, davon zwanzig für Tante Chens Zeit und zehn für die zehn Tage, die Frau Ma übernahm. Beide bekamen vorab die Hälfte und am Ende den Rest. Wenn Großmutter und Enkelin unterwegs länger blieben, würden die zusätzlichen Tage extra berechnet. Eine weite Reise war kein Grund, jemanden auf unbestimmte Zeit in Anspruch zu nehmen. Tante Chen sagte, auch wenn sie vor Ablauf der sechs Wochen zurückkämen, bleibe es bei der vereinbarten Summe. Sie habe zugesagt und werde deshalb keine anderen Aufträge annehmen, die sich damit überschnitten. Gu Qing war einverstanden. Sie nahm die dreißig Wen aus der Reisekasse für Unvorhergesehenes, die sie getrennt vom Geld für zu Hause beiseitegelegt hatte, und machte zwei kleine Päckchen daraus. Fünfzehn zahlte sie sofort aus, die restlichen fünfzehn gab sie Tante Chen zum Aufbewahren und zur vereinbarten Verteilung am Ende. So musste niemand bis zu ihrer Rückkehr auf die zweite Hälfte warten.
Als das Geld übergeben wurde, warf Shen Su einen Blick darauf und nickte leicht. In den ursprünglich veranschlagten zwölfhundert Wen hatten Großmutter und Enkelin den Posten schon berücksichtigt. Nach Abzug der dreißig blieben elfhundertsiebzig, ohne dass in der Rechnung etwas fehlte. Gu Qing strich die Worte für die Baumpflege auf ihrem Zettel ab. Die dreihundert Wen für zu Hause blieben, wo sie waren. Als Frau Ma das Geld nahm, sagte sie, sie übernehme die Arbeit und habe damit nicht den Baum gekauft. Sollte es wirklich schlechte Blätter geben, werde sie erst den Wens Bescheid sagen und sich dann die Sache ansehen. Sie wolle nicht warten, bis die beiden zurückkämen, damit sich alle zusammen entschuldigten.
Erst bei dem Wort „Verzeihung“ merkte Gu Qing, wie ernst ihre Miene immer wurde, wenn sie über solche Dinge sprach. Sie lächelte und sagte zu. Drinnen an der Tür hinterließ sie einen Zettel in großen Schriftzeichen. Darauf stand nur, an welchem Tag die Betreuung wechselte, welches Stück des alten Grabens zu prüfen war und dass bei feuchter Erde vorerst nicht gegossen werden sollte. Sie schrieb nicht alle umständlichen Anweisungen des Gärtners ab, damit beim Lesen die Angst nicht immer größer wurde. Sie kannte nur wenige Schriftzeichen, schrieb aber selbst und zeigte Shen Su die misslungenen. Die Alte deutete auf eines, das wie eine Hühnerkralle aussah, und fragte, ob das „Baum“ oder „Hand“ heißen sollte. Gu Qing zog es noch einmal nach. Tatsächlich sah beides fast gleich aus.
Tante Chen fragte, ob sie bei Regen den seidenen Pflaumenzweig unter dem Fenster weiter nach drinnen rücken dürfe. Gu Qing musste erst darüber nachdenken. Mit dem Schlüssel, den sie ihr gegeben hatte, kam Tante Chen zwar ins Haus, aber Gu Qing hatte ihr noch gar nicht gesagt, was sie dort anfassen durfte. Sie mochte es ohnehin nicht, wenn andere ihre Muster anrührten, und hielt die Schubladen mit dem Material fest verschlossen. Bei Tante Chens Frage zögerte sie. Als Tante Chen das sah, sagte sie geradeheraus, wenn sie nichts anfassen dürfe, werde sie bei Regen eben nur das Fenster schließen und den Tisch stehen lassen. Sie habe auch keine Zeit, sich jedes Mal den Kopf zu zerbrechen.
Gu Qing führte sie hinein, legte die feuchtigkeitsempfindlichsten Papierschablonen in eine Holzkiste und ließ die flachen Schälchen und den alten seidenen Pflaumenzweig, die man bewegen durfte, am Fenster. Wenn Wasser hereinspritze, sagte sie, genüge es, die Sachen einen halben Chi nach innen zu schieben. Sie brauche sie ihr nicht wieder zurechtzustellen. Shen Su zeigte noch auf ihr Bambusrollo. Bei Sonne brauche es nicht ganz geschlossen zu sein, das alte Bett dahinter müsse auch lüften. Frau Ma wartete vor der Tür und fragte, ob die Bettdecke in die Sonne müsse. Die Alte sagte, das sei nicht nötig. Sie habe sie für diese sechs Wochen nicht darum gebeten, ihr ganzes Leben für sie noch einmal zu führen. Tante Chen lachte und sagte, hätte sie den Satz früher gehört, wäre ihr schon früher halb so schwer ums Herz gewesen.
Gu Qing öffnete und schloss die Haustür noch einmal, stellte sich nach draußen und versuchte sich vorzustellen, wie jemand hereinkam, der ihre Gewohnheiten nicht kannte. Plötzlich sah sie lauter Hindernisse, die für sie gewöhnlich einfach zur Hand waren: den Garnkorb auf dem Boden, das hochstehende Brett hinter der Tür, den kleinen Hocker am Brunnen, der auch dann stehen blieb, wenn ihn niemand brauchte. Sie rückte eines nach dem anderen weg. Sie richtete für den Besuch keine bloß zum Schein aufgeräumte Stube her und ließ nur einen schmalen Weg frei, auf dem man sicher gehen konnte. Tante Chen ging mit dem Eimer hindurch, ohne mit den Füßen irgendwo anzustoßen. Erst dann reichte Gu Qing ihr den Ersatzschlüssel.
Auch die Wens mussten wissen, dass andere Leute im Hof ein und aus gehen würden. Als Xu Tan alles gehört hatte, bat sie die Frauen, mit dem Eimer nicht gerade dann durch den Innenhof zu laufen, wenn Kunden zur Musterschau kamen. Sie könnten einfach das eigene Tor der Gus benutzen. Wenn sie nach den Zweigspitzen auf Wens Seite sehen wollten, würde A-Chun ihnen am Nachmittag die kleine Tür öffnen. Frau Ma solle nicht selbst eine Warenkiste heranschieben und daraufsteigen. Gu Qing wollte erst sagen, sie kämen doch wegen des Baumes und nicht wegen der Ware. Dann fiel ihr ein, dass der Stamm tatsächlich auf Wens Seite stand und man auch bei der Baumpflege das Lagerhaus nicht wie den eigenen Hinterhof behandeln konnte. Also ging sie mit Frau Ma die Wege noch einmal ab.
Achun zeigte ihnen den Türriegel und führte vor, von welcher Seite man ihn öffnete. An den Händen trug er noch seinen neuen Fingerschutz aus Hanf. Inzwischen konnte der Junge die Hälfte der Waren selbst durchzählen und musste den anderen nicht mehr bloß Wasser tragen. Shen Su sagte anerkennend, wie groß er geworden sei. Er lachte und beugte sich herunter, um zu fragen, wann Großmutter zurückkäme, damit er wisse, wann er mit Reisküchlein aus Nanpu rechnen könne. Gu Qing sagte, die würden hart, sobald sie kalt seien. Er meinte, das wisse er, er habe es nur so dahingesagt. Shen Su wollte es sich wirklich merken. Da winkte Achun rasch ab und sagte, seine Familie werde ihm auch welche schicken, sie müsse kein zusätzliches Päckchen schleppen.
In jener Nacht stand die Alte doch noch einmal auf, um nach dem Baum zu sehen. Gu Qing hörte die Tür, zog sich etwas über und folgte ihr hinaus. Sie standen zu zweit am Brunnen. Das Laub war schon dichter, und das Mondlicht, das hindurchfiel, warf weniger scharfe Schatten als die kahlen Winterzweige. Shen Su fragte, wer daran denke, mehr zu gießen, wenn es im Sommer heiß und trocken werde. Gu Qing sagte diesmal nicht einfach, sie könne ganz beruhigt sein. Sie erklärte der Reihe nach, wann Frau Ma Tante Chen ablöste, wie viel schon bezahlt war und zu welchen Zeiten Xu Tan das Tor zu öffnen versprochen hatte. Die Alte hörte zu, sah noch eine Weile hin und ging dann wieder hinein.
Sie nahm den Geldbeutel nicht aus dem Reisegepäck. Am nächsten Morgen wickelte sie sogar das Schächtelchen mit dem grauen Lotus fester ein und legte es neben die zusammengerollte Decke. Als Gu Qing das sah, konnte sie allmählich wieder aufatmen. Der gerettete Baum band die Großmutter nicht an seinen Schatten, und um fortzufahren, musste sie nicht erst beweisen, dass ihr nichts mehr an ihm lag. Die Alte stellte weiterhin ihre Fragen, und danach packte sie noch ein Paar weiche Schuhe ein.
Am fünften Tag kam Tante Chen, um das Abschließen auszuprobieren. Sie steckte den Ersatzschlüssel ins Schloss, doch der Riegel klemmte: Der Türrahmen der Familie Gu war nach dem Regen etwas aufgequollen; hob man die Tür nicht einen halben Zoll an, passte er nicht. Gu Qing hob sie seit jeher beiläufig an und hatte sich nie etwas dabei gedacht. Tante Chen setzte ihre Kraft anders ein und verdrehte den Schlüssel beinahe. Gerade brachte Zhou Jiping Bambusstützen vorbei. Gu Qing bat ihn, etwas von dem aufgequollenen Holz abzuhobeln, und zahlte ihm zwei Kupfermünzen. Danach ließ sie beide noch einmal probieren; erst jetzt drehte sich der Schlüssel zuverlässig.
Nach der Probe band Frau Ma sich den Schlüssel innen am Gürtel fest, damit er nicht gegen den Messinghaken ihres Handkarrens schlug. Sie fragte, ob sie der Großmutter und ihrer Enkelin nach deren Rückkehr über die alte Liu etwas ausrichten lassen könne, wenn die beiden nicht zu Hause seien. Gu Qing nickte und schilderte auch Liu in groben Zügen ihre Reiseroute. Als die Bohnenverkäuferin Nanpu hörte, meinte sie, Gu Qing könne ihr auf dem Rückweg eine Prise Saatbohnen mitbringen, falls sie gute sehe. Gleich darauf nahm sie es zurück. Sie wollte anderen keine Besorgung aufbürden, wenn sie auf Reisen gingen. Gu Qing lachte darüber, wie schnell sie sich anders entschied, und merkte sich doch die Rücksicht, die darin lag.
Am siebten Tag säuberte Gu Qing den Graben ein letztes Mal. Tante Chen stand am unteren Ende, Frau Ma in der Mitte, um aufzufangen, was zu ihr kam. Das Wasser stand nicht hoch, doch sie blieben zu dritt auf den Plätzen, die sie beim letzten Mal verteilt hatten, und prüften den Graben Abschnitt für Abschnitt. Shen Su saß an der Tür und wollte helfen, aber die Sonne machte sie träge. Also pulte sie eine kleine Schale frische Bohnen aus, während sie auf die drei wartete. Als die Bohnen gar waren, bekam jede ein wenig davon. Wegen der Schale Bohnen gab keine ihren Lohn zurück.
Am Abend reichte der Schatten des Baums bis auf die Steine. Gu Qing räumte den leeren Papierumschlag, in dem das restliche Geld gewesen war, in den Schrank. Als ihre Großmutter sie zuerst gefragt hatte, wer den Baum im Sommer gießen solle, war ihr nur eingefallen: »Das sehen wir dann.« Aus diesem Satz waren nun zwei Schlüssel, dreißig Wen und ein Weg geworden, den sie schon abgegangen waren. Shen Su wischte die alte Schere sauber und gab sie ihr für das Nähkästchen, das zu Hause blieb. Für die Reise reichte die kleine Schere, die sie eigens bereitgelegt hatten. Die alte blieb daheim und wartete darauf, dass sie zurückkamen und mit ihr mürbe Fäden abschnitten. Für eine einzige lange Reise brauchten sie nicht alles zu erneuern.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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