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Ein Buch in der Hand

Abenteuerroman über die Flussschifffahrt im Stil des alten China

Die aufs Schiff Wartenden

Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11077 Zeichen · ca. 11 Minuten

Duan Qiushengs Bein nahm den Platz von zweien ein.

Bambusschienen fassten es, von unter dem Knie bis zum Fuß; darunter lag ein zusammengerollter, leerer Reissack, die Mündung zerfasert, ein paar alte Reiskörner in den Nähten verborgen. Die andern lagen, nur er saß halbaufrecht, der Rücken mit einem Stück Türblatt abgestützt. Als Onkel He eintrat, streckte er zuerst die Hand aus, das kleine Bündel neben sich wegzuschieben, und sagte, hier sei noch eine Fläche, die er sich nicht genommen habe, da sei zu sitzen.

Onkel He setzte sich nicht gleich, sondern zählte zuerst das Haus. An der Westseite sechs, drinnen fünf, an der Tür noch eine Reihe, und zwei saßen draußen unter der Traufe in der Sonne, die nassen Kleider schon gewechselt. Tao Si hatte ihn hergerufen, abzuschätzen, wie viele dicke Matten das Schiff mitmüsse; er hatte gedacht, ein Blick genüge — doch trat er ein, so suchten seine Füße zuerst zwischen den Gepäckstücken einen Weg, und die Zahl wurde nicht sicher.

„Vierundzwanzig, keiner fehlt“, sagte Duan Qiusheng. „Sorge nur, dass Tian Jius Decke nicht noch einen Mann extra für ihn mitrechnet.“

Der junge Mann unter dem Vordach hob den Kopf. Um seinen Hals lag ein Tuch, und er sagte verärgert, offenbar sei dem Rottenführer sogar eine größere Decke ein Dorn im Auge. Duan antwortete, ihm selbst nicht, wohl aber denen, die für sie kochten: Gestern Abend hätten sie auch der Decke eine Schale hingestellt. Wenn er wirklich zwei Schalen essen wolle, erspare er ihnen immerhin einen Gang. Im Haus lachte jemand. Tian Jiu trat die Decke ein Stück hinunter und zog sie dann selbst wieder herauf, weil er fürchtete, mit den Füßen den sonnenheißen Boden zu berühren.

Erst jetzt hockte Onkel He sich hin und fragte zunächst, ob das Bein sich beugen lasse. Duan sah ihn an, als wisse er nicht, ob er lachen oder sich ärgern solle, und zeigte auf die ringsum festgebundenen Bambusschienen. Onkel He sagte rasch, das sei eine törichte Frage gewesen. Sie wollten auf dem Boot Sitzplätze freihalten; wer sitzen könne, solle möglichst sitzen. Wenn alle lägen, reiche der Platz neben der Kanone wirklich nicht.

„Wer liegen muss, sitzt nicht etwa deshalb, weil es nicht hineinpasst“, antwortete jemand im Haus.

Der Mann trug den rechten Arm in der Binde, in der Linken ein kleines Holzkästchen, und stach gerade die Holzschnitzel aus der Fuge. Seinem Aussehen nach bald dreißig, hoher Brauenknochen, mageres Gesicht, am Mundwinkel eine Kruste. Er hob den Kopf, sah Onkel He an und sagte, er selbst könne sitzen, man solle ihn nicht zu den Liegenden rechnen; aber Duan müsse das Bein flach haben, ein einziges Rütteln, und der Schmerz wecke das ganze Haus — säße er eine Nacht, so halfe auch der härteste Mund des Unteroffiziers nicht über das Geschrei des Beins hinweg.

Duan Qiusheng streckte die Hand nach dem Schuh aus, tat, als wolle er nach ihm werfen, erreichte ihn nicht und zerrte stattdessen an dem Reissack unter sich; sein Gesicht wurde auf der Stelle weiß. Das bisschen Lachen im Haus stockte. Der Mann mit dem eingebundenen Arm stellte das Kästchen ab, hielt mit der Linken das Türblatt fest, hieß ihn sich nicht rühren, und erst als die Schmerzwelle vorbeigegangen war, fluchte er leise, der glaube wohl noch, er sei zum Exerzieren hier.

Onkel He sah Duan in die Augen. Der blickte zur Tür und wollte sich nicht zu ihm herüberwenden, doch der Schweiß stieg ihm am Hals Schicht um Schicht. Er fragte nicht noch einmal, ob er es aushalte, stand auf, holte unter der Traufe einen flacheren Schemel, legte die notierte Zahl der dicken Matten auf die Knie und begann von neuem zu fragen, ganz von der innersten Stelle an.

Sieben mussten gestützt oder auf einer Trage befördert werden. Auch unter denen, die gehen konnten, gab es geschwollene Knie, Verletzungen an den Handgelenken und wunde Füße. Ob sie den einen Schritt über den Einstieg schaffen würden, war fraglich. Einer wollte nicht sagen, dass ihm der Fußrücken wehtat. Onkel He bat ihn, tatsächlich einmal aufzustehen. Auf halber Höhe lachte der Mann selbst und sagte, eben habe er noch gedacht, mit dem Landgang sei er schon so gut wie zu Hause. Erst als sein Fuß den Boden berührt habe, habe er gemerkt, dass auch mit dem Boden nicht gut zu verhandeln sei.

Onkel He hörte vom Heimkehren, fragte Duan, ob Liuwan unterhalb von Weishi liege. Duan nickte und fragte, ob der Alte dort schon gewesen sei. He antwortete, zweimal vorgelegt; am Ufer stehe eine Reihe schiefer Weiden, und bei Regen sei es am schwersten, eine Traufe zu finden, die nicht lecke. Duan lachte darauf und sagte, inzwischen sei ein Zimmer ausgebessert, er selbst habe es erst ausgebessert und sei dann fort; falls es noch lecke, müsse er zuerst die Frau fragen, ob sie wieder Nägel herausgezogen und woanders eingebaut habe.

„Bis Weishi, und mit dem Strom ist man doch bald zuhaus“, sagte Onkel He.

Duans Lächeln stockte kurz. Der Mann mit dem Arm in der Schlinge hatte bereits das Wort ergriffen: Erst müsse die Übergabe erfolgen – wer zu welchem Lager gehöre, wo jemand verwundet sei und wer noch ärztliche Behandlung brauche. Solange das nicht geklärt sei, könnten sie nicht einfach einzeln von Bord gehen und verschwinden. Duan sagte, genau das meine er auch. Erst müssten die Kameraden ordentlich ans Ziel gebracht werden; nach Hause könne er auch ein paar Tage später. Liuwan habe schließlich keine Beine und werde nicht über Nacht noch zehn Li weiter flussabwärts laufen.

Der alte He merkte, dass Duan ihm aus der Verlegenheit half, und schwärmte nicht weiter davon, wie bald alle heimkehren würden. Von draußen kam eine Frau mit einem Topf Arzneisud herein. Tao Si hatte sie geholt. Sie wusste, bei wem die Verbände zu wechseln waren, und rief schon vor der Schwelle, Tian Jiu solle ein wenig zur Seite rücken. Als der junge Mann den großen Topf in ihrer Hand sah, fuhr er unter die Decke zurück und stieß mit der Armbeuge eine Schale um. Sie rollte auf dem Rand mit einem schrillen Ton über den Boden, und im Zimmer wurde es noch einmal still.

Die Frau hielt inne, ohne zu schelten. Sie stellte den Topf vor die Tür, hieß den Mann mit dem eingebundenen Arm zuerst die kleine Kelle holen und ging selbst mit leeren Händen hinein, hockte sich neben Tian Jiu. Dem Jungen glühte das Gesicht; die Lippen öffneten und schlossen sich, bis er herauspresste, er habe vorhin nicht gesehen, dass es Medizin gewesen sei — als könne, wer es nur deutlich genug sage, alle zugewandten Blicke sogleich von sich wenden.

Duan fragte, ob ihm heute etwa das Salz nicht bekomme, sagte, seine Schüssel sei die salzige, er solle sie mit der seinen tauschen und hergeben. Tian Jiu hob den Kopf und schalt, er müsse immer alles tauschen, und in dem Zorn war mit einemmal ein Stück echtes Leben. Die Frau nutzte es, solange er beim Antworten war, stellte die Schüssel mit den Verbänden neben ihn und fragte zuerst, ob es auf dieser Seite wehtue, wenn man daran käme. Er sah die Schüssel an und zog nach einer Weile die Decke selbst hinab.

Onkel He hockte sich vor die Tür und hob die Schüssel auf. Sie war nicht zerbrochen, am Boden klebte Asche; er trug sie zum Wasser und wusch sie, sah zurück auf den großen Topf und begriff erst jetzt, dass der Junge nicht den heutigen Schluck Medizin gefürchtet hatte. Er fragte nicht weiter, stellte die Schüssel gewaschen unters Fenster und sagte der Medizinfrau, auch auf dem Schiff müsse es einen festen Ort für den Topf geben, man müsse ihn nicht den ganzen Weg im Arm wälzen.

Die Frau antwortete, die Medizin werde abgekühlt mitgegeben; müsse sie wirklich warm werden, werde erst in Weishi aufgekocht, es sei nicht nötig, mitten in der Nacht zwischen einem Schiff voll Stroh und alten Segeln einen neuen Herd zu entfachen. Sie sprach schnell, die Hände ruhten nicht; als Onkel He zugehört hatte, fügte er mit der Kohle neben die Zahl der dicken Matten den Vermerk nicht auf dem Schiff kochen hinzu, und auf einmal kam ihm vor, was es auf dieser Fahrt zu lernen gelte, sei länger als die Messstäbe, die er bei sich trug.

Die Sonne wanderte zur Tür; ein paar Gehfähige rückten unter die Traufe und halfen, die alten Kleider zu Haufen zu legen. Der Mann mit dem eingebundenen Arm hieß Shi Jing; in dem Kästchen lag keine Medizin, sondern ein dünn abgenutztes Zimmermannsmaß und ein paar kurze Holzstücke, die er nicht über das Herz gebracht hatte wegzuwwerfen. Als er Onkel He sehen fühlte, schlug er es auf und zeigte es: die Tuschelinie des Stabs war ein wenig verblasst, darunter aber waren feine Kerben geschnitten, die man auch feucht noch erkennen konnte.

„Einer vom Schiffbau?“, fragte Shi Jing.

Onkel He antwortete, Lotse. Shi Jing sagte, dann werde man das Seine nicht für nutzlos halten; wohin das Schiff fahre, müsse gemessen werden, und wie groß eine Tür gerate, auch; er habe früher mit einem andern Schränke gebaut und gerade erst gelernt, eine Schublade zu machen, die nicht zwacke — und da habe seine eigene Hand schon nicht mehr mitwollen. Er hob den eingebundenen Arm ein wenig, der Mund lachte, aber die Linke hielt das Kästchen fest verschlossen.

Onkel He wollte sagen, mit der Zeit werde es schon; doch als er die Hand sah, die das Kästchen zuhielt, gab er ihr dieses Versprechen mit einemmal nicht. Er fragte nur, ob das Kästchen feucht geworden sei. Shi Jing sagte, ein wenig, die rechte Ecke habe sich geöffnet; mit einer Hand, der linken, könne er die Grate noch abnehmen, aber zum Festdrücken brauche er einen andern. Onkel He nahm das Kästchen an sich, stützte es auf dem Knie, drückte ihm die Ecke zurück an ihren Ort und hieß einen nebenan ein kurzes Stück Schnur holen.

Zweimal umwickelt, hielt die Schnur. Auch seine Hand war nicht schnell; beim Schließen des Knotens zuckte eine Fingerspitze. Shi Jing sah es, fragte nicht, streckte die Linke aus und drückte die Knotenwurzel nieder, damit der Alte das Ende gut durchführen konnte. So drückte der eine und wand der andere, bis ein kleiner Knoten saß, keiner von beiden nötig, des andern Hand vorab für ganz zu erklären.

Duan Qiusheng nebenan kramte in seinem kleinen Bündel. Außer Wechselwäsche lag darin ein abgenutztes Stäbchen aus Holz, der Kopf rund, am Ende eine Ecke ab. Onkel He hielt es auch für ein Werkzeug; er sagte, es gehöre der Frau zum Kämmen der Fäden; beim Abschied habe sie es ihm aufgedrängt mit den Worten, wenn er es sehe, solle er daran denken, im Brief nicht nur Wohlsein zu schreiben, sondern auch, was er gegessen habe und ob es nachts kalt sei.

„Hast du ihr geschrieben?“, fragte Shi Jing.

Duan sagte, das schreibe er; Shi Jing lachte, vermutlich schreibe er wieder nur Wohlsein. Duan fuhr auf, wozu er so viel von Beinschmerzen schreiben solle — säße die Frau nicht jenseits des Wassers und käme mit dem Faden herübergefahren, es ihm zu wickeln. Nach dem Lachen tastete er die eine Fehlecke ab, und nach einer Weile fragte er noch, ob auf Onkel Hes Rückkehr ans Nordufer jemand mitgehe, dessen Weg nach Liuwan führe.

Duan streckte das Stäbchen eine halbe Handbreit hin und sagte, sei es ein Bekannter, solle er ausrichten, er lebe noch und sei bereits an Bord — bei diesen Worten aber zog sich die Hand zurück. Er legte das Holzstäbchen zurück ins Bündel, band die Öffnung zu und sagte, das sage er erst, wenn er wirklich an Bord steige; spreche er es heute schon und liege das Schiff morgen noch am selben Fleck, müsse die Frau Tag für Tag zum Ufer hinabspähen.

Onkel He saß da und dachte an die Fünfzehn, die er vor ein paar Tagen auf die Rückseite des Briefs geschrieben hatte. Das Blatt trug er noch bei sich, er hatte es nicht fortgegeben; er hatte bloß gedacht, einen festen Tag halte man so etwas besser in der Hand. Jetzt, da er Duan einen halben Satz zurücknehmen hörte, kam ihm vor, als hätten die beiden Zeichen wieder ein wenig Gewicht angesetzt.

Tao Si kam ihn holen, sah den Hof voll Kleidung und sagte, man solle noch einen halben Tag sonnen; er habe das alte Stroh an Bord schon wechseln lassen und die Seite beim Geschütz freigeräumt. Duan Qiusheng hieß ihn, nicht nur die geräumig aussehenden Stellen freizumachen; über den Köpfen müsse etwas gegen den Tau sein, das Bein sei mit Medizin verbunden, und er wolle nicht, dass es über Nacht vom Flusswind wieder hart und trocken geblasen werde. Tao Si antwortete, gemerkt; Onkel He stand auf und gab ihm das halb beschriebene Blatt mit der Zahl der Matten.

Beim Abschied zog Duan vom Rand des Türblatts ein kleines Päckchen gerösteter Bohnen hervor und sagte, er selbst könne jetzt nicht viel davon essen, Onkel He könne darauf kauen, während er aufs Schiff warte. Der Alte nahm es; Shi Jing lachte daneben und sagte, noch einer, der sage, es tue nicht weh, und verstecke schon die Bohnen, damit niemand sie sehe. Duan gab zurück, er fürchte nur, dessen linke Hand werde wieder geschäftig und schaffe nicht einmal mehr die Schale ab; das Haus lachte von neuem, und unter der Traufe krümmte auch Tian Jiu kurz den Mund.

Onkel He trat hinaus, das Bohnenpäckchen drückte in der hohlen Hand. Hinter dem First zeigte sich die rote Flagge des neuen Schiffs stromaufwärts, bald lang, bald kurz. Er ging auf jene Seite zu, mit sieben Leuten im Sinn, die gestützt werden müssten; an der Weggabel kehrte er noch einmal um und sagte Tao Si, falls die geliehenen dicken Matten nicht reichten, solle er nicht eine Schicht dünnes Stroh darunterlegen und es gleich nennen — er solle ihn erst selbst kommen und probeliegen lassen.

· Ende des Kapitels ·

Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk und erweitert Du Fus 《江汉》 („Jiang und Han“) sowie die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《老马识暗滩》 („Das alte Pferd kennt die verborgenen Untiefen“). Figuren, Zeitrechnung, Flussabschnitte, Schiffsbauweisen und militärische Vorschriften sind frei erfunden; es handelt sich weder um eine Übertragung des Originalgedichts noch um eine Biografie des Dichters.

Inhaltsverzeichnis dieses Buches · 36 Kapitel
  1. Eine Hand, die nicht stillstehen will
  2. Die Rinne, die das Salzboot zuerst sah
  3. Der Satz, der im Brief fehlte
  4. Die rote Fahne am Mast
  5. Die aufs Schiff Wartenden
  6. Das Pferd fraß eine ganze Reihe Gemüse
  7. Über den alten Wasserrillen ein Weiß mehr
  8. Der Schemel, der nicht zu halten ist
  9. Der letzte Flussnagel
  10. Ein Zuhause, eine Wasserschicht entfernt
  11. Kein alter Schlamm in der Truhe
  12. Der Tag, den der Umweg mehr kostet
  13. Kein Wasserrauschen am Kopfkissen
  14. Die rote Weste voller Schlamm
  15. Der Knoten, den niemand zuerst lösen wollte
  16. Vier Stoffstreifen
  17. Die Nacht, in der vier Menschen nicht hinüberkamen
  18. Er nahm die Karte nicht an
  19. 树上那一道旧伤
  20. 刀不再压在炮上
  21. 树根吃住一条缆
  22. 还须卸去的一半
  23. 舵前留给另一个人
  24. 鱼脊石边的曲
  25. 天明以前的一碗水
  26. 交不全的军器
  27. 泥下的铜声
  28. 岸下那一点旧泥
  29. 一个月不能领的饷
  30. 十处水深
  31. 门里已经放了东西
  32. 一匹不知道田界的马
  33. 水尺上的冷手
  34. 屋顶漏下来的光
  35. 一张没有填满的图
  36. 给老马留一条路

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