Historischer Gesellschaftsroman
Ein warmes Zimmer ist keine Arznei
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11129 Zeichen · ca. 11 Minuten
Die Lauchzwiebeln unter dem Südfenster waren einen halben Fingerbreit gewachsen. A Sui hatte sie morgens einmal gegossen. Nachmittags tastete sie noch einmal am Topfboden. Die Erde war immer noch feucht. Sie hielt sich mit dem Gießen zurück, setzte sich daneben und wartete auf Gu Qin. Vorgestern hatten die beiden verabredet, bei gutem Wetter zusammen zum Fluss zu gehen und sich die neue Theaterbühne anzusehen. A Sui hatte Schuhe mit weichen Sohlen angezogen, ihr Knie warm eingewickelt und sogar den kleinen Geldbeutel schon in den Ärmel gesteckt. Die Sonne war bereits über die Mauer gewandert, und vor dem Hoftor waren noch immer keine Schritte zu hören.
Zweimal ging sie hinaus, um nachzusehen. Fang Xiao fragte, ob sie auf Xu Shen warte. Sie sagte nein, mit einem Anflug von Stolz, den sie selbst nicht bemerkte. Das Kind machte „Oh“ und stocherte weiter mit einem Stock im Ameisenloch am Boden. A-Sui stand am Ende der Gasse, der Frühlingswind fuhr ihr in den Kragen, und plötzlich merkte sie, dass sie noch weniger als beim Warten auf ihren Sohn wusste, wohin mit ihren Händen.
Gu Qin kam erst am Nachmittag, mit zwei Bündeln unverkaufter Stoffstreifen auf der Schulter. Am Fluss hatte sie Stammkunden getroffen und ihnen eilig passendes Garn zusammengesucht, dann einem alten Mann lange bei der Wahl einer Schnur zum Netzflicken geholfen. Erst als sie ihren Stand abbaute, fiel ihr die Verabredung wieder ein. A-Sui hatte sagen wollen, es mache nichts. Was herauskam, war die Frage, warum sie keine Nachricht geschickt habe. Gu Qin wischte sich den Schweiß ab und stutzte. Dann sagte sie zuerst, sie habe es vergessen, und fragte, ob sie noch gehen wollten.
A-Sui wusste plötzlich nicht mehr, wohin mit ihrem Ärger. Sie hatte gedacht, Gu Qin werde erklären, dass sie vom Stand nicht wegkönne, und den Ausflug für heute gleich absagen. Dann hätte sie sagen können, dass ihr ohnehin nichts daran liege. Doch Gu Qin legte den Stoff in den Korb, den Guiniang ihr zum Abstellen geliehen hatte, richtete sich auf und wartete, bis A-Sui ihren Stock geholt hatte. Als die beiden aus der Gasse gingen, rief Fang Xiao ihnen nach, sie sollten unbedingt nachsehen, ob jemand einen Affen spiele. Gu Qin drehte sich um und sagte, die Affen wollten nicht, heute seien die Menschen dran.
Die Theaterbude war klein. Ein paar Bambusstangen umgrenzten eine freie Fläche. Gespielt wurde die Geschichte zweier Brüder, die den Hausstand aufteilten. Der alten Mutter blieb ein leerer Krug, den keiner der beiden haben wollte. Erst als sie hörten, es könne Silber darin sein, stritten sie darum, wer ihn tragen dürfe. Asui runzelte die Stirn und fragte, wo es so dumme Söhne gebe. Man müsse den Krug doch nur schütteln, um zu wissen, ob Silber darin sei. Gu Qin sagte, die Figuren im Stück seien den Zuschauern immer einen Schritt hinterher. Was solle man sonst noch spielen?
Auf der Bühne schüttelte die alte Mutter den Krug tatsächlich. Drinnen rasselte es, und die beiden Söhne fielen auf die Knie und klammerten sich an ihre Beine. Doch aus dem Krug kamen trockene Bohnen, und ringsum brachen die Zuschauer in Gelächter aus. Auch Asui lachte. Mitten im Lachen fiel ihr der Balken im alten Haus ein, und etwas zog sich leise in ihr zusammen. Sie tastete nach ihrem Ärmel. Der Geldbeutel saß sicher an seinem Platz. Es gab keinen Krug, und niemand kniete davor und stritt darum.
Neben dem Theaterstand verkaufte jemand kleine Vögel aus Teig. A-Sui gefiel einer, der den Kopf schief hielt, und sie fragte, ob sie ihn mit weniger roten Flügeln haben könne. Das Kind am Stand reichte ihr einen anderen. Gu Qin neckte sie und fragte, ob sie ihn Huangdou zeigen wolle. Der Hund würde den Teig riechen und ihm gleich den halben Kopf abfressen. Da gab A-Sui den Vogel zurück und sagte, sie habe ihn für Fang Xiao gewollt. Dabei wusste sie, dass Fang Xiao diesen Vogel nie gesehen hatte und nur sie selbst so lange zwischen den beiden hin und her geschaut hatte.
Auf der Bühne vergaß der Darsteller des jüngsten Sohnes plötzlich seinen Text und bat seine alte Mutter, für ihn weiterzusprechen. Die Darstellerin der Mutter nahm den Krug in den Arm und sagte mit der Stimme einer alten Frau, sie sei schon alt und wisse es nicht mehr. Wo er denn gerade stehen geblieben sei? Das Publikum lachte wieder, und der junge Sohn fiel vor Lachen aus der Rolle, hielt sich den Bauch und konnte lange nicht weitersingen. A Sui schlug sich lachend aufs Knie, traf die schmerzende Stelle und sog scharf die Luft ein. Gu Qin stützte sie sofort, doch A Sui hielt sie fest und wollte nicht gehen. Sie sollten warten, bis die Szene vorbei war.
Noch ehe das Stück zu Ende war, musste Gu Qin zu ihrem Stand zurück. Sie hatte heute wenig verkauft. Wenn sie noch einen ganzen Nachmittag untätig blieb, müsste sie das Geld für die Nadeln übermorgen aus dem Grundkapital nehmen. A Sui war etwas enttäuscht, sagte aber nicht wieder, nun seien sie doch schon so weit gekommen. Gemeinsam gingen sie zum Brückenkopf, dann Gu Qin nach Osten, sie selbst nach Westen. Auf dem Fluss lag ein kleines Boot mit Krügen. Der Fährmann rückte die leeren Krüge einen nach dem anderen um; es klang wie eine Gruppe leise hustender Menschen.
A-Sui ging noch eine halbe Straße weit am Fluss entlang und sah jemanden, der Stoffreste verkaufte. Ihr gefiel ein blaues Stück, heller als Xu Shens Winterhemd und leuchtender als ihr altes Nadeltuch. Sie maß es nach. Es reichte gerade für zwei neue Ärmelbündchen. Achtzehn Wen sollte es kosten, sie handelte auf siebzehn herunter, aber der Händler ging nicht darauf ein und schüttelte das Stück auseinander, um ihr die unversehrte Webkante zu zeigen. Sie feilschte noch eine ganze Weile und zahlte schließlich doch den verlangten Preis. Als sie den Stoff in der Hand hielt, war ihr Gesicht noch wärmer als eben beim Theater.
An der Gassenmündung suchte Xu Shen schon nach ihr. Er war heute früher heimgekehrt, nachdem er bei einer Familie die Schranktüren fertiggestellt hatte. Als er den Stock seiner Mutter nicht fand, hatte er gedacht, ihr Knie tue wieder weh und sie sei allein zur Apotheke gegangen. A Sui hob den blauen Stoff hoch, damit er ihn ansah. Er sah zuerst den Schlamm an ihren Füßen und sagte, am Fluss wehe ein starker Wind. Warum habe sie niemand begleitet?
„Mich hat dort keiner zurückgelassen“, sagte sie. Xu Shen stutzte. A Sui steckte den Stoff ins Gewand und stieg selbst über die Schwelle. Ihr Knie tat tatsächlich weh, weil sie bei der Aufführung so lange gestanden hatte. Mitten im Schritt musste sie sich an der Tür festhalten. Xu Shen reichte ihr die Hand, und sie wies ihn nicht ab. Als sie sicher saß, holte sie den Stoff trotzdem wieder hervor und breitete ihn vor ihm aus.
Xu Shen sagte, die Farbe sei schön. Die Mutter fragte, ob sie für Ärmelaufschläge nicht zu jugendlich sei. Er verneinte und fügte gleich hinzu: Wenn sie ihr gefalle. A Sui warf ihm einen Blick zu; er rede wie jemand im Laden, der Stoff verkaufen wolle. Sie drehte ihm die Ärmelaufschläge ihres alten Hemdes hin. An den durchgescheuerten Stellen lag Flicken auf Flicken. Früher hatte man noch einen darübernähen können, inzwischen fühlten sie sich wie zwei starre Ringe um die Handgelenke an.
An jenem Abend war ihr Knie stärker geschwollen als am Vortag. Xu Shen kochte Wasser und wechselte ihr die warmen Umschläge. Die Tücher kühlten rasch ab, und seine Hände wurden vom Wasser ganz weiß. Asui fürchtete, er werde wieder sagen, sie hätte nicht ausgehen sollen. Also sagte sie zuerst, sie sei heute kaum gelaufen, nur die Aufführung habe so lange gedauert. Xu Shen saß am Bett, betrachtete die schief abgelaufene Seite ihrer alten Schuhsohle und erwiderte nichts. Im Hof fragte Fang Xiao, ob der Affe gesungen habe. Als seine Mutter das hörte, lachte sie als Erste laut auf.
Auch am nächsten Tag sagte der Arzt Qi nur, es sei das alte Leiden. Ein warmes Zimmer sei gut, weil sie dort weniger friere, doch die Abnutzung vieler Jahre lasse sich so nicht rückgängig machen. Fang Guiniang sagte, ihrer älteren Schwester gehe es ebenso, drei Tage gut und zwei Tage schlecht. Am besten gehe man nicht gleich weit fort, sobald es einem besser gehe. Früher hatte A-Sui nichts mehr gefürchtet, als dass man sie zu den Kranken zählte. Jetzt hielt sie zwei Päckchen Arznei für zwölf Wen in der Hand und war plötzlich nur noch müde. Zum Widersprechen fehlte ihr die Kraft.
Du Yin wusch ihr den neuen Stoff und hängte ihn an einer windgeschützten Stelle auf. A-Sui sagte, die Ärmelabschlüsse mache sie selbst. Damit brauche sich sonst niemand Arbeit zu machen. Du Yin lieh ihr die Schere und gab ihr eine Nadel mit großem Öhr. Die Arbeit ließ sie ihr in der Hand. Zweimal versuchte A-Sui vergeblich, den dünnen Faden einzufädeln. Da griff sie zu dem dicken Faden, den Chen Sheng in der Schneenacht eingefädelt hatte. Beim dritten Stich franselte er am Nadelöhr schon aus.
Draußen rückte das Sonnenlicht Zoll um Zoll weiter. Sie schnitt erst den rechten Ärmel zu, dann den linken, und schnitt ihn spiegelverkehrt zu. Als sie die beiden Stoffstücke übereinanderlegte, fehlte an der ohnehin schmalen Seite ein halber Fingerbreit. Ganz gleich ließen sich die Ärmel nicht mehr einsetzen. Sie saß lange da, zog schließlich den Faden heraus und schnitt die rechte Seite ebenfalls etwas schmaler. Dafür musste ein Streifen des blauen Rands weg. Diese Farbe hatte sie selbst ausgesucht, und so blieb ihr nur, mit eigenen Augen zuzusehen, wie sie sie abschnitt.
Du Yin stellte ihr einen kleinen Teller angemachter Bohnensprossen hin. A-Sui kostete und fand, es sei zu viel Essig daran. Du Yin nahm selbst einen Bissen und sagte, genau so esse sie sie gern. Beide taten sich je die Hälfte in ihre Schale. A-Sui gab einen kleinen Löffel warmes Wasser dazu, dann schmeckten ihre milder. Erst wollte sie der Jüngeren raten, weniger Saures zu essen. Nach kurzem Überlegen behielt sie es für sich, zeigte auf den Stoffrand und fragte, ob sie hier noch Platz für zwei weitere Stiche lassen solle. Du Yin legte die beiden Ärmel aufeinander, um es ihr zu zeigen, und nutzte die Gelegenheit nicht, den Teller mit den Sprossen zurückzuschieben.
Als Xu Shen am Abend heimkam, war der Tisch voller Fadenreste, und er wollte die Lampe näher rücken. Sie sah auf und fragte, ob er ihr die Arbeit schon wieder abnehmen wolle. Er sagte, ein Tischler könne immer noch keine Ärmel nähen. A-Sui schimpfte, als ihm als Kind die Hose im Schritt gerissen sei, habe er die Stelle mit einer Schnur zugebunden, sodass sie wie ein kleiner Beutel aussah. Bei der Erinnerung daran konnten beide nicht mehr aufhören zu lachen. Ihr kamen die Tränen, und als sie sich die Augen reiben wollte, hielt ihr Sohn sie rasch zurück. Sie hatte die Nadel noch zwischen den Fingern.
Die Ärmelabschlüsse waren nicht gleich. Als sie das Kleidungsstück anzog und die rechte Hand hob, schaute rechts ein schmaler Streifen mehr vom blauen Stoff hervor als links. Du Yin sagte, man könne es noch ändern. A-Sui überlegte und sagte, fürs Erste bleibe es so. Fang Xiao lief um sie herum und sagte immer wieder, wie schön die neuen Ärmel seien. Dann fragte sie, ob sie den schmalen blauen Reststreifen haben könne. Sie wollte der Katze, die sie auf den Boden gezeichnet hatte, ein Halsband machen. A-Sui behielt ein kleines Stück und gab ihr den Rest. Das Kind freute sich, als hätte es wirklich eine Katze.
Zwei Tage später war das Knie abgeschwollen. A Sui ging nicht gleich wieder zum Fluss. Sie legte den Fuß auf den niedrigen Hocker und hörte Gu Qin draußen rufen. Diesmal ging Gu Qin Nadeln einkaufen. Sie sei in einer halben Stunde wieder da, sagte sie, und fragte, ob A Sui ihr Geld für eine Nadel mitgeben wolle. A Sui sagte, sie habe noch genug Nadeln. Sie fragte dafür, ob Gu Qin ihr auf dem Rückweg sagen könne, ob das Theaterzelt an der Brücke schon umgezogen sei. Gu Qin sagte zu und eilte davon, ihre Stoffschuhe klatschten auf die Steine.
A-Sui setzte sich ans Fenster und sah zu, wie das Grün der Frühlingszwiebeln halb in der Sonne und halb im Schatten stand. Früher hatte sie immer gedacht, mit dem Umzug in die Stadt werde das Zimmer wärmer und das Knie von selbst besser. Nun war das Zimmer wirklich warm, und das Knie tat ihr wirklich weh. Wenn ihr Sohn nicht da war, hatte sie deshalb keinen Zoll weniger Platz zum Sitzen als irgendjemand sonst. Nur wenn die Sonne sank, musste sie das Bein noch immer selbst zu sich heranziehen.
Mittags hatte Xu Shen ihr eine kleine Schüssel Reis mit etwas Grünzeug gebracht. Beim Gehen sagte er, er werde abends vielleicht noch einmal bei den Lius die letzten Holzreste wegräumen. Sie hatte zugestimmt, doch gegen Abend deckte sie den Reis unwillkürlich zu und wollte nicht vor ihm essen. Der blaue Ärmelaufschlag lag am Schüsselrand und wurde vom Dampf ein wenig dunkler. Sie dachte an den leeren Bohnenkrug im Theaterstück, schob plötzlich mit den Stäbchen das Tuch von der Schüssel und aß doch nur zwei Bissen, ehe sie sie wieder zudeckte.
Huangdou schlief im Licht am Fenster, seine Nasenspitze zuckte immer wieder. Heute hatte er nicht aufgefressen, und der Brei, der am Boden der Schale geblieben war, zog langsam eine Haut. A-Sui rückte die Schale ein Stück weg, damit sie keine Ameisen anzog, und kraulte ihn hinter dem Ohr. Er öffnete die Augen und sah sie an. Ein leichter grauer Schleier lag über seinen Augen, doch die Hand erkannte er noch. Er legte das Kinn auf ihren frisch genähten blauen Ärmel. Sie ließ ihn liegen.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Liu Changqings Gedicht „Bei Schnee beim Herrn vom Furong-Berg übernachten“ und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website „In der Schneenacht bleibt die Tür offen“ erweitert. Figuren, Kreisstadt, Wege und Handlung sind frei erfunden und in einer von der Tang-Zeit geprägten Welt angesiedelt; das Buch ist weder eine Übersetzung des ursprünglichen Gedichts noch eine Biografie des Dichters.
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