Roman über Handelswege und Wiederbegegnungen im Stil des alten China
Bündel für Bündel zurückgeben
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11988 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am Dritten des sechsten Monats lagen im kühlen Lager fünf Bündel frisch eingetroffener Blätter. Ihr Duft war so frisch, dass Lu Yan in der Tür einen Augenblick stehen blieb.
Yu Erniang legte das Musterblatt des neuen Käufers neben eines ihrer eigenen. Er wollte schmalere Reiswickel machen. Die Blätter sollten lieber schmal und gleichmäßig sein, die größten herauszusuchen genügte nicht. Sie blätterte eine Weile darin, wurde plötzlich ungeduldig, legte ein zu breites Blatt beiseite und sagte, früher seien sie ihnen nicht groß genug gewesen, jetzt seien sie zu groß. Wenn den Leuten ihr Mundwerk selbst zu Blättern wachsen könnte, müsste sie sich nicht jede Saison wieder auf den Weg machen.
Liang Baishun saß neben dem Gestell und suchte mit der linken Hand Schnüre aus. Als er das hörte, lachte er und sagte, wenn den Leuten wirklich Blätter wüchsen, wäre sie bestimmt die Erste, die ihre nicht verkaufen wollte. Yu Erniang zeigte auf den Haufen neben seiner Hand und sagte, er solle beim Reden nicht wieder die kurzen Stücke darunter verstecken. Heute hielten die Bündel vielleicht, aber wenn beim Öffnen alles locker sei, müssten sie noch einmal von vorn anfangen. Lu Yan legte das Heft ab, nahm eine Schnur und ertastete einen Knoten. Tatsächlich waren kurze Stücke unter die alten Schnüre geraten. Liang hatte es nicht absichtlich getan. Mit seiner angeschlagenen rechten Schulter kam er einfach nicht richtig an den Haufen auf der anderen Seite heran.
Er vertauschte die beiden Haufen mit den langen und den kurzen Schnüren. Liang Baishun warf einen Blick darauf und sagte, so hätten sie es gleich machen sollen. Er sitze hier und sortiere, als müsse er Ameisen einen Weg aussuchen. Lu Yan lachte, tastete mit der Hand nach dem alten Frachtgestell und erinnerte sich an den Fuß, den er in jener Aprilnacht selbst festgehalten hatte. Auch jetzt nannte man ihn im Lager noch Verwalter Lu. In dem Buch hinter ihm durfte er aber nur die tatsächlichen Mengen nach der Prüfung durch das Handelshaus eintragen. Die ursprüngliche Ladeeinteilung lag bei Gehilfen Yan, und die vorgesehenen Plätze auf dem Schiff hatten die Beteiligten bereits überprüft.
Diese fünf Bündel sollten flussabwärts zu einem neu vereinbarten Laden für in Blätter gewickelten Reis gehen. Die folgenden Lieferungen für Gaoji waren bereits anderen vergeben worden. Wenn Yu Erniang davon sprach, ärgerte sie nur, dass der neue Einkäufer dort später noch einmal nach dem alten Preis gefragt hatte, als könne man nach einer Zeit ohne ihre Ware einfach wieder von vorn anfangen, sie herunterzuhandeln. Sie sagte wegen des neuen Kunden nicht, die alte Vereinbarung sei bedeutungslos gewesen, und sie betrachtete auch nicht schon jede künftige Bestellung des neuen Kunden als sicher gewonnen.
Lu Yan prüfte zuerst die äußere Verpackung. Als er das zweite Bündel öffnen wollte, sagte Yu Erniang, er solle warten, sie mache es selbst. Das Seil saß fest, im Knoten steckte etwas Feuchtigkeit, und als sie die äußeren Blätter anhob, waren die Knickstellen an den Rändern der obersten Blätter tatsächlich weiß. Er trennte sie mit der Hand von den übrigen und mischte sie nicht unter die guten. Liang Baishun zog daneben zischend die Luft ein und sagte, er habe gestern schon vor dem schmalen Seil gewarnt. Das Bündel sei verschnürt wie ein Reisigbündel.
Yu Erniang wurde ein wenig rot. Gestern sei es spät geworden, sagte sie. Sie habe gedacht, die äußere Hülle sei dick, wenn sie die Schnur etwas fester ziehe, lasse sich das Bündel leichter tragen. Sie las die geknickten Blätter aus und bat Lu Yan nicht, im Buch zu vermerken, sie seien unterwegs gequetscht worden. Von den fünf Bündeln öffneten sie nur dieses eine und legten es neu in breitere, weichere Hüllblätter. Lu Yan hielt das eine Ende nieder, während sie das andere glatt zog. Erst als alles sauber aufeinanderlag, ließ sie Liang Baishun das Bündel neu verschnüren.
Draußen zog ein Händler mit einer Tragstange voller heißer Fladen vorbei. Ihr Duft mischte sich mit dem Geruch der Blätter. Liang Baishun wollte ihn schon rufen, doch Yu Erniang fragte, ob er heute Morgen nicht schon gegessen habe. Er strich sich über den Bauch und sagte, gegessen zu haben sei eine Sache, und wie gut es jetzt rieche, eine andere. Lu Yan lachte, während er das Bündel festhielt. Kaum lockerte er die linke Hand, stand eine Blattecke hoch. Yu Erniang sagte, er solle mit dem Lachen warten und lieber weiter drücken. Er drückte hastig nach und konnte immer noch nicht aufhören zu lachen. Diesmal wusste sogar ein Blattbündel den richtigen Augenblick abzupassen, um ihm in die Quere zu kommen.
Nachdem das Bündel neu verpackt war, weitete Liang Baishun die Seilschlaufe und zeigte Lu Yan, wo man es anheben musste. Der Knoten lief auf einer Seite einmal öfter herum als üblich. So lag das Gewicht auf zwei breiten Seilstücken und zog sich nicht an einer Stelle zusammen. Lu Yan machte es nach. Beim ersten Versuch entstand eine zusätzliche Schlaufe. Liang sagte, er habe das Seil verkehrt herum gelegt. Er löste den Knoten und versuchte es noch einmal selbst. Sonst war er es gewohnt, anderen zu zeigen, wie man Krüge trägt und Holz unterlegt, aber an diesem Blattbündel hatte Liang das Geschick. Ein kurzes Lockern und Straffen mit den Fingern, und schon saß es weit besser, als Lu Yan es selbst hinbekommen hatte.
Yu Erniang sah eine Weile zu und brachte dann die Musterblätter nach vorn zu Gehilfe Yan, damit er sie prüfte. Sie blieb nicht daneben stehen, um jede ihrer Bewegungen zu überwachen. Lu Yan und Liang Baishun setzten sich an den Fuß des Gestells und brachten an den übrigen vier Bündeln je einen breiten Trageriemen an. Liang konnte den rechten Arm nicht hoch heben. Wenn er an eine Stelle nicht herankam, bat er Lu Yan, das Bündel zu drehen. Er streckte sich nicht mehr um jeden Preis, bis die Schulter schmerzte, nur um einmal weniger bitten zu müssen. Beim vielen Hin- und Herdrehen gerieten ihnen die losen Blätter vom Boden überall unter die Füße.
„Nimmt Fräulein Yao bei dir drüben immer noch nur Saures?“, fragte Liang Baishun unvermittelt.
Lu Yan hielt gerade die Schnur zwischen den Fingern. Als er den Namen Yao hörte, wurde seine Hand langsamer. Er sagte, sie gebe für sich selbst auch Zucker dazu. Liang Baishun lachte. Wer habe sich in jungen Jahren nicht gern etwas zugetraut? Früher habe er möglichst vor aller Augen zeigen wollen, wie scharf er essen konnte, und wenn er nachts heimkam und Wasser trank, habe er selbst das heimlich hinunterschlucken müssen. Er senkte dabei die Stimme. Lu Yan fragte, ob Yu Erniang davon wisse. Liang warf einen Blick zur Tür, senkte den Kopf und sagte, er solle leiser reden.
Lu Yan sah ebenfalls hin. Yu Erniang stand ganz in der Nähe, zwei frisch gekaufte heiße Fladen in der Hand. Sie hatte offensichtlich schon die Hälfte mitgehört. Sie legte einen neben ihren Mann und sagte, ob er wirklich glaube, sie sei damals nie mitten in der Nacht aufgestanden, um ihm Wasser aufzusetzen, wenn er heimlich getrunken habe. Er stutzte und lachte dann laut auf. Als sich dabei seine Schulter bewegte, sog er gleich darauf die Luft ein und hielt sie sich mit der linken Hand, ehe die anderen sich um ihn stellen und ihn ausfragen konnten.
Der Fladen war sehr heiß. Yu Erniang brach eine Hälfte für Lu Yan ab. Weil er die Hände voll hatte, zeigte Liang ihr eine trockene Stelle, an der sie sie ablegen konnte. Sie legte den Fladen hin und ging wieder nach vorn. Sie machte aus der halben Mahlzeit keine Gegenleistung dafür, dass er an einem weiteren Bündel mitarbeitete. Lu Yan knotete erst die Schlinge fertig und aß dann langsam. An der Bissstelle kam ein wenig Würzpaste zum Vorschein. Sie war so süß, dass er daran denken musste, wie Yao Jia bei den Pflaumen am siebenundzwanzigsten tatsächlich einen halben Löffel weniger Zucker genommen hatte als er.
Am Vierten schickte das Blattreis-Lokal einen ortskundigen Einkäufer. Er sah sich die fünf Bündel selbst an und bestätigte sie schriftlich hinter dem Eintrag für die ursprünglich angesetzte Fahrt am Fünften. Er war älter, als Yu Erniang erwartet hatte, und hatte einen scharfen Blick. Beim Durchsehen zog er absichtlich die zu breiten Blätter heraus. Sie redete sie ihm nicht schön. Die kämen in den Einzelverkauf, sagte sie. Für seine Lieferung gelte die Breite des Musters. Er nickte und fragte, wie viele Partien nach dem sechsten Monat noch herauskämen. Sie sagte, erst müsse sie sehen, wie die nächste Ernte ausfalle. Heute bestätige sie nur diese fünf Bündel.
Lu Yan schrieb daneben auf, was sie vereinbart hatten. Er las es einmal vor, und erst nachdem beide Seiten es bestätigt hatten, klappte er das Buch zu. Der Einkäufer hatte noch eine Ladung leerer Bambusrohre mitzunehmen und fragte, ob man sie zusammen abrechnen könne. Der Gehilfe Yan antwortete von der Tür aus, diese Ladung müsse gesondert gezählt werden. Nur weil alles demselben Mann gehöre, werde aus dem, was schon auf dem Gestell liege, und den Rohren kein einziges Bündel. Lu Yan schlug die nächste Seite auf und wartete mit dem Eintrag, bis die Rohre tatsächlich gezählt waren. Die Zusage für den Ladeplatz überließ er Yan.
Bei Tagesanbruch am Fünften wurde geladen. Die fünf Bündel waren leicht, nahmen aber viel Platz ein. Bei jedem Bündel mussten die beiden Träger seitwärts über das Landungsbrett. Liang Baishun blieb am Ufer und zeigte auf die Tragschlaufen. Das Schleppen überließ er den Jüngeren. Als er sah, dass ein Bündel nach unten kippte, rief er Lu Yan zu, kurz anzuhalten. Lu Yan griff mit der anderen Hand zu und merkte, dass ein Ende seines alten Gestells am Eisenring an der Bordwand festhing. Er ging einen halben Schritt zurück, bis sich das Bündel löste und er nicht vor lauter Eile Blätter und Schnur zugleich zerriss.
Yin Shunqing führte auf dieser Fahrt zufällig nicht das Boot. Die Leute, die am Kai blieben, trugen ein, was hier tatsächlich verladen wurde. Sie ließen erst die fünf Bündel an ihren Platz bringen, dann die Holzkäfige dahinter. Lu Yan hörte einen Käfig klappern und sah sich um. Eine Henne hatte den halben Kopf durch die Öffnung gesteckt und starrte mit scharfem Blick auf den Halm neben seinem Fuß. Der Käfigträger schob sie eilig wieder hinein und sagte lachend, heute Morgen habe sie sich noch satter gegessen als er selbst, und auf dem Fluss werde sie die Leute schon wieder anbetteln. Einige ringsum lachten mit. Das Boot legte trotz des Lachens vom Ufer ab.
Der Ladebeleg ging an Gehilfen Yan, und Lu Yan behielt eine eigene Abschrift mit den geprüften Mengen. Bis Yuepu waren es noch zwei Tage, und auch die Empfangsbestätigung brauchte für den Rückweg Zeit auf dem Wasser. Er hielt nur fest, wie die Ware heute verschnürt und verladen worden war. Ein „alles in Ordnung“ für einen Ort, den sie noch nicht erreicht hatte, setzte er nicht hinzu. Yu Erniang steckte das Exemplar für die Warenbesitzerin ein und sah zu, wie das Segel hochging. Ihre Schultern sanken langsam ein wenig. Dann wandte sie sich an ihren Mann und fragte, ob das Holzmännchen zu Hause nun eigentlich stehen könne.
Liang Baishun sagte, stehen könne es, beim Überschlag fehle noch ein bisschen. Sie erwiderte, sie habe nicht gefragt, ob noch ein bisschen fehle, und er solle heute bloß nicht wieder einen Fuß ganz wegschnitzen. Lu Yan ging hinter ihnen her und bekam bei diesen beiden Sätzen plötzlich große Lust, das Ding zu sehen, von dem schon seit Tagen die Rede war und das immer noch keinen Überschlag schaffte. Als Liang Baishun ihn lächeln sah, sagte er kurzerhand, er solle am Nachmittag des Sechsten, wenn er da sei, vorbeikommen und einen Blick darauf werfen. Das Holzstück von Zimmermann He helfe wirklich. Mittlerweile wisse er, dass es mit längeren Beinen allein nicht getan sei.
Als er am Sechsten kam, war das Holzmännchen bereits zwischen zwei dünne Schnüre gespannt. Liang Baishun zuckte mit der linken Hand, und tatsächlich überschlug es sich mit dem halben Körper. Der Kopf kam zuerst hinüber, die Füße aber blieben hängen. So verharrte es wie einer, der kopfüber hing und sich noch immer nicht geschlagen gab. Xiao Geng war auch gekommen. Er hockte tiefer als die Erwachsenen, sah lange hinauf und sagte plötzlich, so sei es auch gut. Wenigstens könne das Männchen sich so kein Essen in den Bauch stopfen.
Gao Jiang klopfte ihm auf den Rücken und fragte, wer ihm solchen Unsinn beigebracht habe. Er antwortete, den habe er sich selbst ausgedacht. Die Leute im Zimmer lachten, doch Liang Baishun wollte es dabei nicht belassen. Er änderte die Spannung der beiden Schnüre und versuchte es noch einmal. Diesmal überschlug sich das Männchen tatsächlich und landete auf der anderen Seite, doch seine Knie knickten wieder in eine seltsame Richtung. Yu Erniang hielt sich vor Lachen das Tuch vor den Mund und sagte, wenn aus ihm wirklich ein lebender Mensch werde, komme er als Erstes zu Liang Baishun und verlange seine Beine.
Lu Yan saß an der Tür und sah zu, wie das kleine Stück Holz auf den Linien der Handfläche immer wieder die Richtung wechselte. Sonst dachte er beim Anblick von Holz zuerst daran, wie viel Gewicht es abstützen oder was es vor dem Zerbrechen schützen konnte. Dieses dünne Stück Holz war diesmal bloß dazu da, ein paar Leute zum Lachen zu bringen, und doch konnte man lange dabei sitzen und wollte gar nicht aufstehen. Liang Baishun fragte, ob es das Bambussteckenpferd der Lus von früher noch gebe. Lu Yan sagte, es stehe bei den Yaos hinter der Tür, zum Reiten tauge es nicht mehr. Xiaogeng erklärte sofort, es brauche Räder, und sah dann wieder gebannt zu dem kopfüber hängenden Männchen.
Es war heiß. Yu Erniang öffnete die Tür weit, und vom Eingang der Gasse zog Wind herein, der etwas Feuchtigkeit von der Tuchwäsche auf der anderen Straßenseite mitbrachte. Lu Yan hatte die Schnur noch nicht richtig gewickelt. Als er es selbst versuchte, fiel das Männchen zuerst auf den Bauch. Liang Baishun lachte, er könne rechnen, aber keine Purzelbäume schlagen. Lu Yan lachte auch, wickelte die Schnur wieder ab und legte sie neu zwischen seine Finger. Draußen vor dem Hof rief jemand, die Körbe sollten später eingesammelt werden. Yu Erniang antwortete und stand auf, um sich darum zu kümmern. Drinnen schlug das Holzmännchen weiter einen Purzelbaum nach dem anderen, bis ein winziger Span von der dünn geschnitzten Stelle neben seinem Ohr auf Lu Yans Knie fiel und sacht an seinem frisch gewaschenen Gewand hängen blieb.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk und erweitert Li Bais 《长干行二首》 („Zwei Lieder aus Changgan“) sowie die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《青梅旧账》 („Alte Rechnungen aus der Zeit grüner Pflaumen“). Figuren, Handelshäuser, Preise, Geografie und Zeitrechnung sind frei erfunden; bewahrt werden die Kerngedanken des Originals: alte Schulden vollständig zu klären, Handwerk und Arbeit neu zu würdigen und als Erwachsene den künftigen Umgang miteinander neu zu vereinbaren. Es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters.
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