Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Ein Tor in die andere Richtung
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 12033 Zeichen · ca. 11 Minuten
Zhou Jiping brachte keinen Schirm, sondern vier unbespannte Schirmgestelle. Er trug sie mit den Spitzen nach hinten über der Schulter und musste sich halb seitwärts drehen, um in die gepflasterte Ostgasse zu kommen. Gu Qing stand gerade vor dem Tor der Wens und sah zu, wie zwei Fuhrleute einen langen Balken wieder auf einen Wagen hoben. Wer auch zuerst Platz gemacht hätte, es hätte nicht gepasst. Sie duckte sich vor der Reihe der Schirmspitzen, doch Zhou Jiping war schon stehen geblieben, als hätte er für sie ein zusätzliches Auge.
„Hinten ragt noch ein halber Chi raus“, sagte er.
Gu Qing dachte, er meine ihren Rocksaum, und hob ihn rasch ein Stück an. Er lachte, zeigte auf die Schirmgestelle auf seiner Schulter und sagte, wenn sie keinen Platz mache, könne er diese halbe Elle auch nicht in seinem Arm verschwinden lassen. Erst da sah sie, dass das lange Holz ihm vorn den Weg versperrte und die Schirme hinter seiner Schulter wiederum ihr im Weg waren. Beide waren höflich, doch davon wurde kein Platz frei. Schließlich stellte der Kutscher das Holz hochkant, und erst dann konnten alle in den Hof rücken.
Wen Jichang bat ihn, sich die undichte Stelle im Nordzimmer anzusehen. Die alten Ziegel waren noch nicht ausgewechselt, und bei Regen konnte man das Dach nicht ständig offenlassen. Darunter sollte vorläufig ein Tuch aufgespannt werden. Lag es jedoch dicht am Balken, würde sich bei Wind Wasser sammeln. Zhou Jiping hatte große Schirmgestelle mitgebracht, um die Form auszuprobieren, und ließ den Gehilfen nicht mit der Armlänge schätzen. Er spannte vier Gestelle unter dem alten Gang auf. Als ein Windstoß hindurchging, klapperten die Bambusstreifen gemeinsam. Plötzlich war es, als hätten sich im Hof ein paar Vögel aufgerichtet, deren Federn noch nicht richtig gewachsen waren.
Gu Qing sah zu, wie er mit einer Schnur die Breite maß. Es erinnerte sie ein wenig ans Binden von Blumen, nur war alles viel gröber. Sie fragte, wie lange so ein Gestell halte. Zhou Jiping sagte, das komme darauf an, ob man daraus einen Schirm machen oder damit ein ganzes Haus schützen wolle. Er zeigte auf den gebrochenen Balken und sagte, für die Bambusstreben könne er einstehen. Wenn der Balken herunterkomme, werde er kein bisschen leichter, bloß weil er Schirmmacher sei. Wen Jichang runzelte die Stirn. Xu Tan dagegen sagte, das solle man lieber vorher klären, damit sie sich bei Regen nicht gegenseitig beschimpften.
Nachdem die Sache besprochen war, sah sich Zhou Jiping vom Tor aus den Fahrweg an. Sein erster Blick galt den beiden frisch ausgeschliffenen Radspuren. Dann ging er zum beschädigten Seitentor im Süden und löste die vertrockneten Ranken vom Torring. Das Tor war zur Hälfte zugemacht worden. Hinter den Brettern schimmerte das Licht aus der Gasse. Er fragte, ob die Kohlenwagen früher hier in das alte Anwesen eingefahren seien. Wen Jichang sagte, auf der Zeichnung sei es so zu sehen, an der Mauer lasse es sich nicht erkennen.
„Wenn das Tor sich zu dieser Seite öffnet, kann der Wagen der Gasse folgen und muss im Hof keinen ganzen Bogen mehr fahren“, sagte Zhou Jiping.
Gu Qing tat das Herz einen Sprung, und beinahe wäre sie ihm ins Wort gefallen. Sie dachte an den Kohlenwagen, den ihre Großmutter am Abend zuvor erwähnt hatte, und wollte sagen, sie habe gerade dasselbe fragen wollen. Dann fürchtete sie, es könnte aussehen, als wollte sie ihm die Idee streitig machen, und hielt sich zurück. Zhou Jiping ließ einen leeren Wagen an den Eingang der Gasse ziehen, ging selbst durch das kaputte Tor hinaus und zeichnete mit der Schuhsohle ungefähr ein, wo die Räder verlaufen konnten. Die Südgasse war breiter als die Dongshi-Gasse. Auf der Seite zum Wasser blieb auch noch ein Fußweg. Wenn der Wagen in dieser Richtung hereinkam, fuhr er tatsächlich nicht direkt auf die Ecke mit dem Pflaumenbaum zu.
Wen Jichang folgte ihnen hinaus und trat in eine Schicht feuchter Asche. Er fragte, ob man mit dem Tor auch das Regendach an den Südgang verlegen und in der bisherigen Südwestecke einen offenen Innenhof lassen könne. Zhou Jiping hielt eines der Schirmgestelle zum Vergleich hoch und sagte, das Dach lasse sich dort anschließen. Den Torsturz müsse man getrennt rechnen. Er könne ein Gestell bauen, aber keine Preise für den Maurer nennen. Erst jetzt hob Gu Qing den Kopf zum Pflaumenbaum. Das Ende eines Zweigs lag noch auf der alten Mauer. Bloß weil alle in eine andere Richtung blickten und redeten, war der Baum nicht aus dem Spiel. Es war vielmehr, als gebe es endlich einen Weg, der an ihm vorbeiführte.
Tante Chens Trockengestell stand quer über genau diesem Weg. Sie kam mit einem Becken voll frisch gewaschener Stoffe herüber. Als sie die Leute vor dem Tor stehen sah, blieb sie stehen. Zhou Jiping war mit der letzten Spurlinie noch nicht fertig, da fragte sie schon, ob er auch genau ausrechnen könne, wie die Räder über ihre Füße rollten. Wen Jichang sagte hastig, sie sähen es sich doch erst einmal an. Sie stellte das Becken am Wegrand ab und sagte, Leute, die sich erst einmal alles ansähen, gebe es viele. Wenn sie mit dem Anschauen fertig seien, falle ihnen oft erst ein, dass hier noch jemand Stoff zum Trocknen aufhänge.
Gu Qing fragte hastig, ob sie das Gestell zum Brunnen hin verschieben könnten. Tante Chen sah sie scharf an. „Am Brunnen ist nachmittags keine Sonne. Weißt du das nicht?“
Natürlich wusste sie es. In jenen Wintern hatte ihre Großmutter eine einzige Bettdecke oft dreimal anders ausrichten müssen, bis endlich auch die Ecken trocken waren. Gu Qing hatte zu hastig gesprochen und fand ihre Worte selbst unangebracht. Sie hockte sich hin, um Tante Chen den Stoff zu halten, der beinahe über den Beckenrand rutschte. Kaltes Wasser lief ihr vom Handgelenk in den Ärmel. Sie wollte aus der Sache eine Arbeit machen, die sie mit ihren Händen verrichten konnte. Tante Chen nutzte die Gelegenheit nicht für weitere Vorwürfe, sondern reichte ihr das Becken sicher und sagte, sie solle nicht mitten in den Radspuren stehen.
Auch die alte Liu, die am Straßenrand Bohnen verkaufte, kam herüber. Ihr Traggestell nahm jeden Tag eine kleine Ecke neben dem Südtor ein. Sie hatte dort zwar kein Dach aufgestellt, stand aber schon seit sechs oder sieben Jahren an diesem Platz. Wenn das neue Tor aufging, konnte sie ihren Topf mit den heißen Bohnen nicht mehr dort abstellen, wo Menschen und Wagen hindurchmussten. Wen Jichang sagte, am anderen Ende ließe sich ein Stück freimachen. Liu fragte zuerst, woher der Wind komme, und dann, ob die Kunden sie dort sehen könnten. Sie sprach leise, doch ihre beiden Fragen waren schwieriger zu beantworten, als ein Stück Platz freizuräumen. Gu Qing hatte gedacht, ein Tor in eine andere Richtung mache es allen leichter. Jetzt sah sie, dass die Erleichterung an einer Stelle anderswo neue Mühe verursachen konnte.
Zhou Jiping verwischte die Spurlinien auf dem Boden mit dem Fuß und zeichnete sie neu. Der leere Wagen wurde bis zur Gassenmündung beiseitegeschoben, die beiden Fuhrleute standen an der Mauer, und selbst das Maultier neigte wartend den Kopf zur Seite. Xu Tan drängte niemanden, sofort zuzustimmen. Erst ließ sie die alte Frau Liu ihre Traglast mit den Bohnen so aufstellen wie an jedem anderen Tag. Dann ließ sie einen Gehilfen zwei Bretter holen und unter Tante Chens Trockengestell legen, um abzuschätzen, wie viel Platz die herabhängenden Stoffbahnen tatsächlich beanspruchten.
Gu Qing machte einen Schritt nach vorn und stieß an den Rand der nassen Stoffbahn. Sie strich ihr übers Gesicht und hinterließ eine kühle Spur. Zhou Jiping hob sie mit einer Schirmrippe ein wenig an und ließ Gu Qing zuerst durch. Als sie aufsah, bemerkte sie an seinem Ärmel einen abgebrochenen Bambusspan, wie einen kümmerlichen Zweig, den ein Gärtner nicht wegwerfen mochte. Sie konnte sich nicht zurückhalten und zog ihn heraus. Er sagte aber, er könne ihn noch brauchen. Mit kurzen Spänen ließen sich kleine Schirme flicken. Man müsse nicht alles wegwerfen, was abgebrochen sei. Sie gab ihm den Span zurück. Eine Weile griff keiner von beiden den Scherz wieder auf.
An diesem Tag wurden sie sich nicht einig. Wen Jichang musste den Maurer fragen, wie viel der Torumbau zusätzlich kosten würde. Tante Chen wollte sehen, wie die Sonne am Nachmittag tatsächlich einfiel, und der alten Liu reichte die bloße Zusage nicht, man werde ihr dann schon Platz machen. Gu Qing fühlte sich trotzdem zuversichtlicher als bei ihrer Rückkehr von der Besprechung des Kaufvertrags zwei Tage zuvor. Wenigstens waren sie von dem weißen Kalkkreis weggegangen und hatten gesehen, dass der Hof mehr als eine Ecke hatte. Sie fragte von sich aus, ob sie sich am nächsten Tag den leeren Wagen der Wens noch einmal für eine Probe leihen könnten. Dann trug sie zuerst Tante Chens Trockengestell zurück, damit diese nicht allein aufräumen musste.
Als die anderen auseinandergingen, half Zhou Jiping ihr, die Bretter zu tragen. Sie fragte ihn, warum er bereit gewesen sei, einen halben Tag länger hierzubleiben. Er sagte, der Karren seiner Schirmwerkstatt fahre ebenfalls durch diese Gasse. Wenn das Osttor jeden Tag verstopft sei, müssten alle warten, die Waren brächten. Und wenn die Wens ihr Regendach ordentlich aufspannten, würden sie künftig auch Wachstuch bei ihm kaufen. Er helfe also nicht umsonst. Gu Qing hörte das und brauchte sich nicht weiter mit Danksagungen abzumühen. Sie fragte nur, wo sein Laden sei. Er deutete mit dem Kinn zur Flussbrücke und sagte, in der Straße, in der ihre Großmutter die Bambusschnur kaufe, zwei Häuser weiter hinein.
»Ich dachte, du wärst Tischler«, sagte sie.
„Manche denken auch, ein Schirmmacher könne den Regen kurz abstellen.“
Gu Qing lachte kurz auf und dachte an die Kunden, die fragten, warum ihre Seidenblumen nicht dufteten. Diesmal fühlte sie sich endlich nicht verspottet. Als Zhou Jiping sie lachen sah, fragte er, ob im Korb Blumen seien und ob er einen Zweig ansehen dürfe. Er betrachtete ihn aus nächster Nähe, hielt ihn aber nicht unter die Nase, sondern drehte das untere Ende um und sah nach, wie der feine Faden den Bambusstiel umwickelte. Gu Qing sagte, dort fasse man den Zweig an, wenn man ihn ins Haar stecke; die Stelle dürfe nicht rau sein. Er nickte und sagte, bei einem Schirmgriff sei es genauso: Beim Kauf sähen die Leute zuerst auf die Bespannung, und erst im Regen merkten sie, welche Stelle ihre Hand umschließe.
Als Gu Qing abends heimkam, waren Schuhe und Strümpfe durchnässt. Sie zog sie gleich am Herd aus und legte sie zum Trocknen hin. Shen Su sah den grauen Streifen in ihrem Gesicht, reichte ihr ein Tuch und fragte, ob sich das Tor anlegen lasse. Gu Qing sagte, das wisse sie noch nicht, und erzählte der Reihe nach von Tante Chen, der alten Liu, den Fuhrleuten und dem Regendach. Als die Großmutter hörte, dass sie Tante Chen vorgeschlagen hatte, ihr Trockengestell an den Brunnen zu stellen, lachte sie leise. Gu Qing sagte sofort, sie habe ihren Fehler später selbst gemerkt, die Großmutter solle nicht weiterlachen. Shen Su ließ das Lächeln ganz langsam vergehen. Die Hälfte blieb in ihren Augenwinkeln.
Sie erzählte auch von der halben alten Papierschablone. Frau Ji habe gesagt, sie selbst habe damals die Kerbe hineingeschnitten. Warum habe die Großmutter das nie erwähnt? Shen Su schob das Reissieb in ihren Händen nach vorn und sagte, Gu Qing solle erst die Steinchen herauslesen. Diesmal senkte Gu Qing den Kopf nicht sofort. Da sagte die Großmutter, die Kundschaft habe damals gedrängt, und es sei viel zu tun gewesen. Sie erinnere sich nicht an jede Kleinigkeit. Dann fügte sie hinzu, Frau Ji habe grob gearbeitet und sie selbst habe das meiste später ohnehin ausgebessert. Gu Qing hörte zu und wusste nicht, was die Alte wirklich vergessen hatte und woran sie bis heute festhielt.
Am zweiten Tag, als sie den Wagen ausprobierten, verkürzte Tante Chen zuerst ihr Trockengestell, und die alte Liu stellte die beiden Füße ihres Traggestells anders herum. Vor dem Südtor war endlich ein Stück frei. Doch an der beschädigten Schwelle blieben die Räder wieder hängen. Der Fuhrmann stemmte die Schulter dagegen, der leere Wagen schoss nach vorn und warf beinahe das Schirmgestell um. Zhou Jiping fing es mit einer Hand ab, und Gu Qing packte rasch das andere Ende. Einer links und einer rechts, traten sie mit dem unbespannten Bambusgestell bis unter den Pflaumenbaum zurück. Eine Zweigspitze streifte Gu Qings Scheitel, und eine kleine Blüte fiel herab und blieb genau an der nassen Stelle seines Ärmels hängen.
Wen Jichang hockte lange am Tor. Schließlich sagte er, die Schwelle müsse tiefer gelegt und ein kurzes Stück des südlichen Gangs abgerissen und neu gebaut werden. Mit ein paar Worten über Arbeitsersparnis war es hier nicht getan. Für den freien Weg, den sie zuvor auf den Boden gezeichnet hatten, würden sie Ziegel, Holz und Arbeitslohn bezahlen müssen. Als Gu Qing das Geld zur Sprache kommen hörte, zog sich ihr die Brust noch einmal zusammen. Das Schirmgestell ließ sie trotzdem nicht los. Neben ihr schrieb Xu Tan mit Kohle Zahlen auf. Kaum hatte sie sie notiert, wischte sie einen Strich mit der Fingerkuppe weg. Sie schien ebenfalls abzuwägen, was bleiben und was gestrichen werden sollte.
Am Nachmittag des zwanzigsten Tages kam He Fengqiu, um die Mauer anzusehen. Er klopfte mit einem kleinen Hammer gegen die alten Ziegel neben dem Baum und sagte, eine gerade Mauer sei am einfachsten zu setzen. Ein Bogen koste einen halben Tag mehr, und wenn der alte Graben bleiben solle, müsse er das Material für den Mauerfuß eigens aussuchen. Wen Jichang sah Gu Qing an und ließ den Rest unausgesprochen. Sie wusste, dass es beim Erhalt des Baumes von hier an um mehr ging als die Frage, ob sie ihn behalten wollte. Sie musste etwas beisteuern, das sie selbst nicht nach Belieben entbehren konnte.
Im Haus legte sie ihren ersten Pflaumenzweig aus Seide flach auf den Tisch und fuhr mit dem Finger über den feinen Fadenring am Stielansatz. Wie gut er auch gearbeitet war, ein Zweig war nur so viel wert wie ein Zweig. Erst zwanzig ergaben einen kleinen Haufen. Wenn sie dafür wirklich ein Stück gebogene Mauer bekommen wollte, musste sie zuerst die Zahlen klären. Shen Su rückte das Reissieb beiseite und machte ihr eine halbe Tischplatte frei. Keine von beiden sagte zuerst, was mehr wert war. Sie zogen gemeinsam die Kleidertruhe hervor und hörten darin, durch den alten Stoff gedämpft, die paar kurzen Münzschnüre leise gegeneinanderschlagen.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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