Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Der dritte Geldbeutel
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 12390 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am Zweiundzwanzigsten des vierten Monats legte Gu Qing drei Geldbeutel auf den Tisch. Der für den Haushalt war der älteste, seine unteren Ecken waren blank gerieben. Um die Öffnung des Beutels fürs Betriebskapital liefen zwei Reihen Faden. Der Reisebeutel war noch neu, die Großmutter hatte ihn eigens aus grauem Stoff genäht. Gu Qing schüttete das Geld nicht gleich aus. Zuerst breitete sie das Blatt mit den Auskünften vom Anleger aus und hielt die Pinselspitze lange neben den beiden Schriftzeichen für Hin- und Rückfahrt. Dass sie hinkamen, hieß noch lange nicht, dass das Geld für die ganze Reise beisammen war.
Hin und zurück kosteten die ausgewählten Liegeplätze auf der Innenseite des Passagierboots für zwei Personen insgesamt sechshundertvierzig Wen. Die Mehrkosten für das Umsteigen auf einzelnen Abschnitten waren in der Reserve vorgesehen. Die Wagenfahrt zwischen Nanpu und Heze, Essen und Unterkunft unterwegs, heißes Wasser und ein paar zusätzliche Tage Aufenthalt würde ihnen keiner erlassen, nur weil sie aus derselben Gegend kamen. Sie schrieb eintausendzweihundert auf. Shen Su konnte die große Zahl in einem Stück nicht lesen und bat sie, die Hunderter einzeln vorzuzählen. Erst am Ende sagte sie, dass all die Kleinigkeiten also noch mehr Geld verschlangen als die Bootsfahrt für zwei.
Auch Gu Qing fand die Summe hoch. Sie wollte erst achtzig aus der Reserve streichen und zog schon einen Strich, da fielen ihr das heiße Wasser und die harten Bretter in jener Nacht in Luwan ein. Ihre Großmutter sagte, man müsse das Geld ja nicht aufbrauchen. Was sie zurückbrächten, sei immer noch Geld. Also radierte Gu Qing den flüchtigen Strich aus und ließ die Summe stehen. Für zu Hause mussten Reis und das Material für die erste Lieferung nach der Rückkehr bezahlt werden. Dafür legte sie insgesamt dreihundert beiseite, die nicht mit aufs Schiff kamen. Sollte unterwegs das Geld knapp werden, würden sie zuerst den Aufenthalt kürzen. An dieses Päckchen würden sie nicht gehen.
Ende des zweiten Mondmonats hatten sie zu Hause knapp vierhundert Wen Bargeld. Die Einnahmen und Ausgaben vom dritten Mondmonat bis heute hatte Gu Qing auf mehr als ein Dutzend alte Papierstreifen geschrieben, manche Zeichen groß, manche klein, und oft drängten sich Zahlen und Nadellöcher auf derselben Stelle. Für die letzten vierzig Zweige des Ladens der Yaos standen 240 Wen, für die drei bereits gelieferten Partien von Luo Yi 600 und für die erste Lieferung an den Kunden für Kopfschmuck und Gürtel 220. Dazu kamen die Einnahmen aus einzeln verkauften Kamelien und Hutblumen. Material, Arbeitslohn, Mustergeld, die dreitägige Miete, Reis und Gemüse sowie Licht und Feuerung zog sie Posten für Posten ab. Sie trennte das bereits eingenommene Geld von den ausstehenden Zahlungen. Die 400 Wen für Luo Yis zwei noch nicht gelieferten Partien und die 220 für die ausstehende Partie des anderen Kunden zählte sie vorerst nicht zum Bargeld.
Die Großmutter zählte für sie. Da sie nicht scharf sah, ertastete sie die Ränder der Kupfermünzen und fädelte jeweils fünfzig zu einer kurzen Schnur auf. Mitten beim Zählen bemerkte Gu Qing, dass sie eine Gutschrift für zurückgegebenes Material als Einnahme verbucht hatte, und zog sie hastig ab. Danach starrte sie wie erstarrt auf die eine Schnur, die ihr nun fehlte. Shen Su versuchte nicht, ihr die Lücke schönzurechnen, sondern legte die Schnur zurück neben den Zettel über das ungenutzte Material. Geld, das man noch nicht in der Hand halte, sei etwas anderes als eine Materialrechnung, die man nicht in voller Höhe bezahlen müsse.
Die letzten Lieferungen waren noch nicht abgerechnet, und fürs Erste reichte das Geld tatsächlich nicht. Gu Qing ging nicht zu den Wens, um zu fragen, ob der Auftrag für vierhundert Wen noch zu haben sei, sondern zeigte Frau Ji zuerst die rauchviolette und die mondwasserfarbene Seide. Frau Ji nannte den Preis, zu dem sie den Stoff jetzt weiterverkaufen konnte. Sie ging weder vom alten Kaufpreis aus, noch rundete sie wegen ihrer langen Bekanntschaft großzügig auf. Gu Qing fand das Angebot zu niedrig und trug die Seide noch einmal nach Hause. Dort lag sie einen halben Tag ausgebreitet. Gu Qing wollte einen besseren Preis erzielen und fürchtete zugleich, jemanden warten zu lassen, der den Stoff gebrauchen konnte. Die Großmutter redete ihr nicht zu. Sie sagte nur, sie solle noch in anderen Läden fragen.
Der zweite Händler fand die Farben sogar altmodisch und wollte nur das Rauchviolett herausnehmen und kaufen. Den Rest hätte er als Stoffreste berechnet. Erst als Gu Qing vor dem Stoffladen stand und das hörte, begriff sie, dass Frau Ji ihren Preis nicht absichtlich gedrückt hatte. Zu Hause erzählte sie es ihrer Großmutter. Shen Su lachte, Gu Qing messe die Preise an der Gunst der Leute, und sobald sie sie vergleiche, wisse sie, wer der Böse sei. Gu Qing wollte das nicht gelten lassen und fragte, ob ihre Großmutter damals beim Verkauf ihrer eigenen mondwasserfarbenen Seide Verlust gemacht habe. Ja, antwortete die Alte, aber dafür habe sie Geld für den Alltag bekommen. Heute erinnere sie sich vor allem daran, dass der Stoff danach nicht mehr am Boden der Truhe begraben gewesen sei.
Am fünfundzwanzigsten gab Gu Qing die drei Stücke ungenutzter Seide ab und bekam insgesamt 198 Wen. Auch von den kleinen Musterstücken behielt sie keines mehr zurück. Frau Ji bat sie, selbst nachzumessen und darauf zu achten, wo sie einen Cun mehr zurückbehielt, denn der wurde dann auch weniger berechnet. Sie maß nach der üblichen Regel. Der Stoff glitt durch ihre Finger, grau, rauchviolett und kühl hellbraun, und jedes Stück wurde so zusammengerollt, wie andere es brauchten. Das Geld nahm in ihrer Hand weniger Platz ein als der Stoff. In der Reisetasche wog es umso schwerer.
Auf dem Heimweg kaufte sie noch einen schmalen Streifen hellgrüner Seide, den sie gleich brauchte. Sie zahlte nur für die Menge, die an diesem Tag nötig war. Altes Material zu verkaufen und neues zu kaufen sah nach einem überflüssigen Umweg aus. Diesmal aber schnitt sie das Hellgrün zu, kaum dass es im Haus war, und hielt es für keinen Großkunden zurück, der vielleicht irgendwann kommen würde. Sie schnitt langsam. Als ein fingerbreiter Rest übrig blieb, faltete sie ihn seiner Größe entsprechend wieder ins ursprüngliche Papier. Zwei Lieferungen mussten vor der Reise noch fertig werden. Die ließen sich nicht allein aus lauter Vorfreude schnell erledigen.
Am Dreiundzwanzigsten wurde Luo Yis vierte Lieferung bezahlt, am Sechsundzwanzigsten die zweite für den Händler mit Kopfschmuck. Gu Qing nahm die Zahlungen wie vereinbart an und zahlte zuerst Xiaomans Lohn für die jeweilige Lieferung. Vorarbeit, Farbwahl, Anbringen der Verschlüsse und probeweises Abnehmen hatten je ihren eigenen Tag. Sie machte nicht mehr alles an einem einzigen. Wenn Xiaoman nicht kam, fertigte die Großmutter gelegentlich ein paar grobe Stiele, und Gu Qing zahlte ihr nach Stückzahl. Ging die Alte zu den Chens, blieben die groben Stiele einen halben Tag länger liegen. Dafür wurde keine Zeit bei der Feinarbeit am Lampenlicht abgezwackt. An zwei Tagen arbeiteten sie länger als sonst. Als Gu Qing das Handgelenk wehtat, sortierte sie am nächsten Morgen nur. Sie rechnete mit sich selbst nicht mehr wie mit einem Bambusstiel, der nie müde wird.
Die letzten zehn Blüten für die Schachteln wurden erst am neunundzwanzigsten abgeholt. Bis dahin ging der Kleinverkauf von zu Hause aus weiter. Nachbarn kauften Blumen, und alte Kunden vom Westmarkt kamen wieder. In ein paar Tagen kam gerade eine kurze Münzschnur zusammen, acht Wen hier, gut zehn dort. Im dritten und vierten Mondmonat zusammen verkaufte sie mehrere Dutzend gewöhnliche Blumen einzeln. Viele davon entstanden zwischen Innenhof, Herdfeuer und den Wegen hin und zurück. Auf keinem schönen großen Auftrag standen sie, doch nach und nach deckten sie Reis, Gemüse und die zusätzlich benötigte Holzkohle. Erst jetzt wurde Gu Qing klar, dass ihr das Geld für den Alltag längst ausgegangen wäre, wenn sie immer nur auf das Papier mit den tausend Wen geschaut hätte.
Am Abend des Siebenundzwanzigsten holte Shen Su ihr kleines Päckchen hervor. Diesmal schüttete sie es aus und ließ Gu Qing nicht nur fühlen. Darin lagen über sechzig alte Münzen, dazu der jüngste Lohn fürs Umwickeln der groben Stiele und das, was sie beim Einkauf von Bohnen und Gemüse zurückgelegt hatte. Zusammen waren es achtzig. Wenn diese achtzig mit auf die Reise gingen, wolle sie sie auch selbst ausgeben, sagte sie. In Nanpu werde sie, bevor sie sich für eine Unterkunft oder etwas zu essen entscheide, erst genau nach dem Preis fragen. Sie werde sich nichts aufschwatzen lassen und auch nicht jedes Mal darauf warten, dass Gu Qing für sie entscheide.
Gu Qing hatte den Beutel eigentlich wieder weglegen wollen, als kleines Erspartes, das der Alten Sicherheit gab. Als sie es sagen wollte, fiel ihr die Zugschnur des Bambusrollos ein, an die ihre Großmutter selbst herankam. Also legte sie den kleinen Beutel neben das Reisegeld. »Was du unterwegs bezahlst, schreiben wir zusammen auf. Wenn du dir eine Kleinigkeit kaufen willst, nimmst du das Geld erst einmal aus diesem Beutel.«
Shen Su nickte ernst, zog dann eine Münze von den achtzig ab und sagte, die habe einen Riss am Rand. Sie nehme sie nicht mit und tausche sie gegen eine gute aus. Gu Qing lachte, weil sie sogar darauf achte, wie das Reisegeld aussehe. Die Alte sagte, darum gehe es ihr nicht. Beim Auffädeln schneide so ein Rand leicht die Schnur durch. Sie legten die gesprungene Münze beiseite und fädelten die guten sicher auf. Das kleine Säckchen trug Shen Su weiter selbst dicht am Körper. Es wurde nicht in Gu Qings großen Beutel geleert.
Am Neunundzwanzigsten holte Luo Yi die letzte Partie ab. Fünf Lieferungen zu je fünfzig Blüten, insgesamt tausend Wen, waren vollständig bezahlt. Bei der letzten Partie war eine Blüte etwas zu straff befestigt; sie wurde vor ihren Augen neu aufgefädelt und erst dann in die Schachtel gelegt. Auch die vierhundertvierzig für die zwanzig Blüten an Kopfputz und Bändern waren vollständig eingegangen. Gu Qing beglich Material und Arbeitslohn, besorgte Reis und Gemüse bis zur Abreise und prüfte noch einmal sämtliche Belege. Ohne das gesondert verwahrte Geld aus dem Seidenverkauf standen aus ihrem eigenen Haushalt eintausendzweihundertzweiundzwanzig Wen für diese Reise zur Verfügung. Mit den einhundertachtundneunzig für die alte Seide und den achtzig der Großmutter waren es genau eintausendfünfhundert. Davon blieben dreihundert zu Hause; eintausendzweihundert waren die Summe, mit der die beiden aufbrechen würden.
Diese eintausendzweihundertzweiundzwanzig Wen hatte sie nicht alle neu verdient. Darunter war Geld, das sie seit dem elften Mondmonat zurückgelegt hatte, Geld aus einzelnen Verkäufen und der Überschuss aus großen Aufträgen. Was die misslungenen Blüten und die verspätete Arbeit gekostet hatten, war verloren. Gu Qing schrieb auf die Rückseite des Blatts zwei Zeilen, eine für den Seidenverkauf und eine für den Beitrag ihrer Großmutter. Später sollte sie in der Freude nicht wieder glauben, das letzte Geschäft allein habe ihre Reise in den Süden ermöglicht. Sie schrieb langsam. Als sie mit den zwei Zeilen fertig war, stand das Öl in der Lampe schon ein gutes Stück tiefer.
Gu Qing hob die Münzschnüre für die Reise an, und ihr Handgelenk sank sofort nach unten. Die vier Schriftzeichen für die Reisekosten auf dem Papier hatten mehr Gewicht als eine ganze Kiste fertiger Blumen. Sie hatte das Geld in ihre Kleidung einnähen wollen. Als sie das Kleidungsstück probeweise anzog, schlug ihr schon nach zwei Schritten der Saum gegen die Beine. Shen Su lachte, sie sehe aus, als hätte sie sich lauter kleine Waagen umgehängt. Also trennte Gu Qing alles wieder auf, behielt Kleingeld für unterwegs griffbereit und legte die Anzahlung fürs Schiff beiseite. Zum Anleger würde sie gehen, sobald die Pflege des Baumes geregelt war. Die übrigen langen Münzschnüre verpackte sie an zwei verschiedenen Stellen, damit sie sich nicht mit trockener Kleidung und Arzneipäckchen zu einem Knäuel verwickelten, aus dem nichts mehr herauszubekommen war.
Auch den Beutel mit den achtzig Wen band die Großmutter neu zu, diesmal mit einem frischen Faden. Sie hob ihn probehalber selbst an und fand, dass sie ihn tragen konnte. Also ließ sie Gu Qing ihn nicht für sich nehmen. Die beiden versuchten, nacheinander das Geld, die trockenen Kleider, die Fußstütze und die dünne Decke ins Gepäck zu legen. Die dicke Unterlage, die sie zuvor ausgesucht hatten, passte tatsächlich nicht hinein. Gu Qing nahm sie schweren Herzens beiseite. Shen Su ersetzte sie durch das weiche Kissen, auf dem sie schon gesessen hatte, und erst dann ließ sich das Bündel schließen. Kein Bündel konnte alle Bequemlichkeiten von zu Hause mitnehmen. Gu Qing trug es zur Tür, ging zweimal hin und her und wickelte noch eine Lage Stoff um die einschneidende Tragschlaufe.
Nach dem Probepacken räumten sie alles wieder einzeln an seinen Platz. Die feucht gewaschenen Knieschoner mussten trocknen, und das Geld konnte nicht die ganze Nacht offen auf dem Tisch liegen. Shen Su stülpte den hellbraunen Hut über die kleine Schachtel mit der grauen Lotusblüte. So werde sie beim Packen nicht plattgedrückt. Gu Qing maß mit der Hand nach und ließ eine Faustbreit Platz. Zum ersten Mal dachte sie dabei nicht daran, dass dort noch zwei verkäufliche Blumenstiele hineinpassten.
Als die drei Beutel gepackt waren, lag noch eine Münze auf dem Tisch, Wechselgeld vom Gemüsekauf. Gu Qing beschwerte damit das Blatt mit dem Reiseplan, das der Wind angehoben hatte. Shen Su sagte plötzlich, in ein paar Tagen brauche der Baum mehr Wasser, sie solle nicht vergessen, Qingniang Bescheid zu sagen. Gu Qing antwortete, sie werde morgen fragen, was sie dafür bekomme. Die Alte sah kurz zu den Geldbeuteln und sagte nicht mehr, dass erst die Baumpflege geregelt sein müsse, ehe sie ans Aufbrechen denken könnten. Es war, als hätte sie im Kopf schon ein kleines Boot, auf das Geld und Gepäck langsam verladen wurden.
Sie verstauten die Taschen. Unter dem Fenster schimmerte der erste Pflaumenzweig aus Seide noch immer blassweiß, obwohl die Spitzen der Blütenblätter schon gelblich waren. Gu Qing holte eine weiche Bürste, fegte einmal den Staub ab und legte sie wieder weg. Die Farbe frischte sie nicht auf. Sie mussten noch die Betreuung des Baums vereinbaren und dann am Anleger die Anzahlung für das Schiff leisten. Nach der Rückkehr mussten sie wieder den Herd anheizen und Seide zuschneiden. Die alte Blume musste ihnen nicht beweisen, dass die Reise sich bestimmt lohnte. Sie blieb einfach in ihrer Ecke am Fenster. Am Stielende hatte sich ein Faden gelockert. Gu Qing wickelte ihn wieder fest und ließ es dabei.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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