Roman über Handwerkskunst und gesellschaftliches Leben im Stil des alten China
Die zurückgeschickten Kisten
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11283 Zeichen · ca. 11 Minuten
Als der Bote an die Tür kam, wartete Gu Qing gerade auf Nachricht aus Yaos Laden. Er hielt nur eine blassgoldene Blume in der Hand, die an einem Knick schon eingerissen war. Frau Gu solle ebenfalls kommen, der Ladenbesitzer Yao warte auf sie. Die vier Kisten stünden noch im Laden. Was die Prüfung bestanden habe, sei bereits angenommen. Was abgelehnt worden sei, solle sie sich selbst ansehen. Sie wollte eben nach der Blume greifen, da reichte ihr der Bote noch ein kleines Papierpäckchen. Darin lagen die Blütenblattstücke, die bei der Prüfung abgefallen waren.
Gu Qing verbarg das Papierpäckchen im Ärmel, wechselte die Schuhe und zog die Bänder zu einem festen Knoten. Shen Su saß am Fenster und fragte nichts. Gu Qing ging bis zur Tür, kehrte noch einmal um und nahm eine rote Blume mit, deren Stärkeschicht am dünnsten war, als fürchte sie, die Leute hätten noch nie gesehen, dass sie auch gute Arbeit leisten konnte.
Im Hinterhof des Ladens der Familie Yao war es ruhiger, als sie erwartet hatte. Drei Frauen arbeiteten an je einem Tisch an ihren Blumen. Keine hielt inne, um Gu Qing anzusehen. Auf dem Holzgestell neben der Tür lagen vierundvierzig angenommene Zweige, die übrigen sechsunddreißig waren bereits wieder eingepackt. Frau Han hob einen Zweig auf und bog das nach außen gewölbte Blütenblatt ein wenig. Der weiße Knick sprang auf, und die Seidenfäden darunter kamen zum Vorschein. Gu Qing sagte zuerst: „Könnte es unterwegs vielleicht —“
Frau Han legte das Probestück aus dem Vorjahr daneben, stützte den Stiel und bog das Blütenblatt auf dieselbe Weise. Das alte Muster war etwas verblasst, doch das Blatt kehrte in seine ursprüngliche Lage zurück. Sie prüfte nicht weiter und legte die beiden Zweige nebeneinander. Gu Qing hielt die gute Blume, die sie mitgebracht hatte, noch immer in der Hand. Im Papier war es so feucht geworden, dass selbst der Stiel klamm war.
„Ich nehme vierundvierzig Zweige an, das macht zweihundertvierundsechzig Wen.“ Yao Liao schob ihr das Blatt mit den Zahlen hin. „Hundertsechzig hast du als Vorschuss bekommen, heute kommen noch hundertvier dazu. Diese sechsunddreißig nehme ich nicht. Material und Arbeit gehen auf deine Rechnung. Die Arbeit für den kurzfristigen Ersatz hier bezahle ich. Wenn die nächste Lieferung wieder so aussieht, kann ich sie nicht annehmen.“
Gu Qing legte den gelungenen Zweig auf den Tisch und sagte, sie könne Ersatz liefern. Yao Liao fragte, in wie vielen Tagen. Gu Qing wollte schon fünf sagen, dachte dann aber an den halben Schrank voller Blütenblätter, die noch nicht geöffnet waren, und an die nächste Lieferung am Monatsende und hielt inne. Eine Frau neben ihnen drehte die Sanduhr um und band weiter Stiele ab, ohne ihr aus der Verlegenheit zu helfen.
„Zehn Tage“, sagte sie schließlich.
„In zehn Tagen bekomme ich Ware von woanders. Für diese Lieferung brauche ich keinen Ersatz. Die übrigen hundertzwanzig Zweige kommen in zwei Partien, die vereinbarten Termine bleiben vorerst. Sag mir vor dem Fünfzehnten schriftlich, wie viele du schaffst. Wenn es weniger sind, sind es eben weniger. Sag es früh genug, dann suche ich jemand anderen.“
Als Gu Qing das Wort »kürzen« hörte, wurde es ihr heiß in den Augen. Auf dem Hinweg hatte sie gefürchtet, für zweihundert Zweige geradestehen zu müssen. Jetzt, da Yao Liao ihr gestattete, die Zahl zu verringern, fürchtete sie, der kleine Zettel mit Gu Qings Namen könnte aus dem Auftragsbuch gerissen werden. Sie fragte, ob es bei der ursprünglichen Menge bleiben könne. Yao Liao sah den gelungenen Zweig in ihrer Hand an, nahm ihn ihr ab und legte ihn zu den vierundvierzig anderen. »Du hast doch gute Stücke dabei. Du weißt selbst, welche gelungen sind. Warum hast du die andere Hälfte trotzdem hergebracht?«
Gu Qing brachte kein Wort heraus. Hätte sie es nicht gesehen oder nicht besser gekonnt, hätte sie noch einmal um Nachsicht bitten können. Sie hatte die Zweige auf den beiden Tabletts aber selbst ausgesucht und wusste noch, dass links vierundvierzig und rechts sechsunddreißig gelegen hatten. Sie zählte die hundertvier Wen zweimal. Beim zweiten Mal fehlte eine Münze. Yao Liao schob sie ihr von der Tischecke her zu. Sie war in eine Falte an Gu Qings eigenem Ärmel gerollt.
An jenem Tag ging sie nicht auf den Westmarkt. Sie trug eine Kiste voller zurückgegebener Blumen in den Armen und bat jemanden, die anderen drei auf dem Weg bei ihr abzuliefern. Sie ging immer schneller, bis sie am Eingang der Huai-Gasse Xiaoman begegnete. Xiaoman hatte heute keinen Korb bei sich, nur einen in Stoff gewickelten grauen Hut. Als sie ein wenig Hellgold aus der Kiste hervorschimmern sah, drückte sie ihr den Deckel zu. Gu Qing fragte unvermittelt: „Wo ist deine eine Blume, die du so gelassen hast?“
„Im Laden.“
»Leih sie mir zum Ansehen.«
Xiaoman sagte weder zu noch lehnte sie ab. Sie fragte: „Wenn wir jetzt anfangen, reicht die Zeit?“ Gu Qing hob den Kopf. Die beiden standen vor einem Stand mit Senfkohl. Der Händler drängte sie, Platz zu machen, damit die Leute hinter ihnen ans Gemüse kamen. Xiaoman trat zuerst zur Seite. Gu Qing ging mit der Kiste an den Rand der Gosse. Erst da bemerkte sie, dass sie sich die Kistenkante den ganzen Weg so fest gegen die Brust gedrückt hatte, dass es wehtat.
Zu Hause breitete Gu Qing alle sechsunddreißig Blumen auf dem Tisch aus. Manche Blütenmitten und Bambusstiele ließen sich herauslösen und wiederverwenden. Auf den Blütenblättern waren bereits weiße Spuren, und selbst wenn sie die Stärke auswusch, blieben die Knickstellen sichtbar. Shen Su nahm eine Blume, um sie auseinanderzunehmen, doch Gu Qing bat sie, sie erst einmal liegen zu lassen. Die Großmutter hielt inne, sammelte ihr aber die zerrissenen Papierstücke in einem kleinen Korb, damit der Wind sie nicht über den ganzen Hof verstreute. Diese Geste traf Gu Qing härter als das, was eben in Yaos Laden geschehen war.
Am Nachmittag kam Xiaoman wie vereinbart, um den Lohn für die letzten groben Arbeiten abzurechnen. Gu Qing schrieb auf, wie viele Einheiten sie in den letzten Tagen abgeliefert hatte, und rechnete ihr zwei Wen pro Einheit an. Die zwei Wen, die sie ihr noch für die Nacharbeit schuldete, schob sie gesondert zur Seite und hielt die Hand darauf. Damit sei sie damals schließlich zu spät gewesen, sagte sie. Xiaoman warf einen Blick darauf, stritt sich nicht darum und steckte erst einmal das übrige Geld ein.
»Morgen komme ich nicht mehr. Der Laden für Hutbesatz hat mir Arbeit für drei Tage gegeben, und danach muss ich auch wieder in die Färberei.«
„Danach kommen noch hundertzwanzig Zweige.“ Kaum hatte Gu Qing es ausgesprochen, hörte sie selbst, dass sie Xiaoman damit nicht zum Bleiben bat, sondern zur Arbeit drängte.
„Ich habe nur bis zu dieser Partie zugesagt. Das habe ich dir schon gesagt, als du gefragt hast.“
Gu Qing dachte an den Tag, an dem sie den großen Auftrag unterschrieben hatte. Xiaoman hatte von einem halben Tag gesprochen, doch sie hatte darin einen halben Tag gehört, auf den sie von nun an immer zählen konnte. Sie nahm die Hand von den zwei Wen, aber Xiaoman steckte sie nicht gleich ein. Nach einer Weile sagte Gu Qing: „Nimm die zwei Wen von damals auch. Ich habe dir den Knoten im Inneren damals nicht richtig gezeigt.“ Erst da griff Xiaoman danach und fädelte die beiden Münzen für sich auf eine kurze Schnur, getrennt vom Lohn für die jetzige Arbeit.
Vor dem Gehen nahm Xiaoman die blassgoldene Blume aus der Ärmeltasche und legte sie an den Rand des Arbeitstisches. Gu Qing sah sofort, dass sie unsymmetrisch war, und dachte tatsächlich als Erstes daran, sie zu korrigieren. Xiaoman sagte: „Du kannst sie dir zwei Tage ansehen. Übermorgen hole ich sie ab. Das Materialgeld wurde mir damals abgezogen. Diese Blume gehört immer noch mir.“ Danach packte sie ihre Nadeln ein, ohne auf Gu Qings Lob zu warten.
Gu Qing suchte eine feine, spitze Nadel aus der Schale und sagte, die dicke vom letzten Mal weite leicht die Löcher, sie könne diese hier mitnehmen. Xiaoman schüttelte den Kopf und zeigte ihr ein frisch gekauftes Päckchen. Im Papier steckten drei verschieden dicke Nadeln. Der Laden für Hutbesatz hatte sie selbst aussuchen lassen, bezahlt hatte sie die Nadeln selbst. Gu Qing legte die feine Nadel zurück. Sie wollte fragen, wie viel der Laden zahlte, hatte aber das Gefühl, die Antwort womöglich schlecht zu ertragen, und fragte nicht.
Als Xiaoman ging, kam Shen Su heraus, um sie zu verabschieden, und reichte ihr an der Tür ein halbes Päckchen saure Pflaumen. Sie wechselten ein paar Worte über den neuen Fladenstand in der Straße. Xiaoman lachte und sagte, beim nächsten Einkauf bringe sie der Großmutter welche mit. Drinnen nahm Gu Qing missratene Blumen auseinander. Als sie das Lachen hörte, zog sie so heftig, dass auch die noch brauchbare Blütenmitte zerriss. Sie drückte die Fetzen in ihrer Hand zusammen und ließ sie erst los, als es draußen still war.
Am neunten Tag fertigte sie zum ersten Mal alle groben Stiele, die ursprünglich Xiaoman hätte machen sollen, selbst an. Für drei Einheiten brauchte sie mehr als einen halben Tag, weil sie zwischendurch nach dem Feuer sehen und Garn kaufen musste und später eine Stelle wieder auftrennte, die sie schief umwickelt hatte. Sie zeichnete auf ihrem früheren Zeitplan nicht weiter. In der Dämmerung strich sie die ursprünglich angesetzten zweihundert durch. Unter die jeweils sechzig der beiden letzten Lieferungen schrieb sie dreißig, radierte die Zahl wieder aus und schrieb vierzig. Ob sie achtzig Zweige zuverlässig hinbekam, musste sie erst ausprobieren. Dass die Zahl auf dem Papier gut aussah, reichte nicht.
Sie brachte sechs neue Muster in Yaos Laden und bat Frau Han, sie so anzusehen, wie sie die Ware prüfen würde. Hin und zurück ging sie acht Li, ihre Hände froren, und eines der Muster wurde trotzdem zurückgegeben. Frau Han zeigte ihr, welche Lage zu straff umwickelt war, und sagte, sie solle sie zu Hause auftrennen. Diesmal versteckte Gu Qing das zurückgewiesene Muster nicht. Sie trug es offen durch den Laden. Ein Mädchen, das eine Haarnadel kaufen wollte, fragte, ob das ein neues Modell sei. Sie sagte: „Ein misslungenes Muster. Das kann ich noch nicht verkaufen.“ Das Mädchen sah sich daraufhin etwas anderes an. Es lachte sie nicht aus und versuchte auch nicht weiter, sie zu trösten.
In der Nacht zum Ende des elften Tages, als die Großmutter schlief, rechnete sie die Zeit für jeden Zweig noch einmal getrennt aus: was sie selbst machen konnte, wofür sie jemanden bitten musste und wo sie einfach warten musste. Die Spalte fürs Warten war die längste. Die Tinte verlief auf dem Papier zu einem Klecks. Früher hatte sie geglaubt, solange ihre Hände nie stillstanden, müsse alles andere Schritt halten. Jetzt wollte kein einziges Blütenblatt auf dem Tablett auch nur eine Viertelstunde früher trocken werden, bloß weil sie es eilig hatte.
Am nächsten Tag lieferte Gu Qing achtzig Stück. Sie wollte die beiden folgenden Lieferungen um je zwanzig kürzen und die Termine am fünfundzwanzigsten Tag des zweiten und des dritten Monats beibehalten. Yao Liao stimmte zu und schrieb die Kürzung neben ihren Namen. Vom ursprünglichen Auftrag über zwölfhundert Wen blieben einschließlich der schon abgenommenen vierundvierzig nur hundertvierundzwanzig Zweige, mit einem rechnerischen Warenwert von siebenhundertvierundvierzig Wen. Ihr entging der Verkauf von sechsundsiebzig Zweigen, und für sechsunddreißig davon hatte sie Material und Arbeit bereits aufgewendet. Yaos Laden hielt die frei gewordenen Plätze nicht länger für sie offen. Als Gu Qing ging, sah sie, wie Frau Han gerade jemanden von einem anderen Betrieb in den Hof rief.
Die sechzig Wen für Frau Ji hätten nicht bis heute offen bleiben dürfen. Die zehntägige Zahlungsfrist lief Anfang des zweiten Monats ab. Gu Qing hatte das Geld schon für die Rechnung beiseitegelegt, kaufte dann aber noch Kleister und Seide und stopfte damit das Loch, das sich gerade auftat. Am Zweiten bat sie um Aufschub. Frau Ji sagte zu, noch zehn Tage zu warten, verlangte für alle weiteren Materialkäufe aber sofortige Bezahlung. Damals dachte Gu Qing noch, mit dem Geld vom Achten würde sie die Rechnung mühelos begleichen können. Nun war das Geld wirklich da, reichte aber gerade, um das alte Loch zu schließen. Sie betrachtete es nicht länger als Kapital, das andere ihr zur Verfügung stellten.
Auf dem Heimweg gab sie Frau Ji den größten Teil der hundertvier Wen für die bereits fälligen sechzig Wen Materialschulden. Vom Rest kaufte sie Reis und Holzkohle nach. Frau Ji fädelte die Münzen einzeln wieder auf eine Schnur und zog erst dann einen Strich neben der alten Rechnung. Der alten Bekanntschaft wegen zog sie nichts ab, nach dem Grund fragte sie auch nicht. Sie rieb wie immer die mitgebrachten Stoffreste zwischen den Fingern, die Gu Qing eintauschen wollte, und nahm wie sonst nur die brauchbaren. Gu Qing bedankte sich und sagte erst an der Tür, dass sie in nächster Zeit weniger kaufen müsse. Frau Ji sagte: »Auch wer weniger kauft, muss essen. Wenn bei euch der Herd ausbleibt, komm und leg mir eine Handvoll Holz nach. Zu essen ist immer genug da.«
Gu Qing ging nicht zu diesem Essen. Sie dämpfte im eigenen Topf zwei Schalen Reis, schnitt etwas eingelegtes Gemüse und rief ihre Großmutter erst, als alles auf dem Tisch stand. Die hellgoldene Blume, die sie von Xiaoman geliehen hatte, stand in der leeren Vase, auf der einen Seite höher als auf der anderen. Der Abendwind kam durch den Türspalt, und eines der höheren Blütenblätter bewegte sich sacht, ohne zu knicken.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Wang Anshis 《梅花》 (Pflaumenblüten) und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《不卖春风》 (Den Frühlingswind verkaufe ich nicht) erweitert. Figuren, Handelsgeschäfte, Geografie und Zeitrechnung sind erfunden; es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters. Die zentralen Entscheidungen der Vorlage bleiben erhalten: den Baum zu bewahren, die Duftlosigkeit der Seidenblumen und den gemeinsamen Besuch von Großmutter und Enkelin bei den Lotosblüten.
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