Abenteuerroman über die Flussschifffahrt im Stil des alten China
Er nahm die Karte nicht an
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 10814 Zeichen · ca. 10 Minuten
Als das Tau an die Banyanwurzel gebracht war, verlangte Xun Dacheng von A-Shuan die Karte.
Er sah am Heck zu, ob die zwei Matrosen Fuß fassen konnten; zu sehen waren nur die Laterne und ein Stück Bambus, nicht aber, welcher Stein durchgehend hart war und welche Stelle, einmal betastet, gleich wieder zurückgenommen werden musste. Gäbe es die alte Karte – selbst wenn sie nur eine Seite verzeichnete –, könnte man sie mit dem abgleichen, was Onkel He jetzt sah, und das ersparte, dass vorn am Ufer einer die eine Frage stellte und das Heck noch einmal die andere.
A-Shuan stand da und rührte sich nicht sofort.
Onkel Hes Kahn lag noch außen an der Wurzel; Qian Liu hielt die Bootswacht, Ma Jie hockte halb und probierte den ersten festen Stand, die Hand immer am Tau, nie wirklich los. Der Alte hörte oben das Verlangen nach der Karte, warf einen Blick zurück und sagte A-Shuan, er solle sie herausholen und zuerst Xun geben; er selbst komme herüber und erkenne sie mit ihnen.
A-Shuan ging zum Schiffskasten.
Die kupferne Schnalle der Kastenöffnung war sehr hell; als er sie tastete, zogen sich die Finger zuerst einmal zurück, als könnte, wenn man nur dieses eine Mal öffne, die alte Karte darin wirklich wieder nachwachsen. Er hob den Deckel und sah sein kleines Papier: die Linie der Weidenwurzeln noch dick, daneben die Eintragung von heute, der Tiefgang des ganzen Schiffs; das Kleidbündel war sauber, und auch der Streifen Holzfläche, an dem die alte Karte gelegen hatte, war sauber. Er nahm das Papier heraus, stand unter der Laterne und wandte sich lange nicht um.
Xun fragte zuerst, was los sei.
Er antwortete, eine Gesamtkarte gebe es nicht. Die Stimme war zu leise, das Wasser rauschte vorbei, und alles war fort; Xun runzelte die Stirn – wie, nichts? Er halte doch etwas in der Hand. A-Shuan schlug das kleine Papier auf und hielt es dem anderen vor: Das Blatt war nicht groß, mit einem Blick bis zum Ende; Außenhafen, Seitenbucht und der Tiefgang des Schiffsbodens standen darauf, aber nicht die alte Krümmung von Luokou und erst recht nicht der Stein, in den der Schiffsbau heute Nacht biss.
„Und die von Meister He?“, fragte Xun weiter.
A-Shuans Mund stand offen; ein Satz wie „in die falsche Kassette gelegt“, der es hätte mildern können, kam nicht mehr heraus. Er sagte, er habe sie am Ufer weggeworfen; sie habe außen am Kleiderschrank Lehm abbekommen, er habe sie für schmutzig gehalten, sie herausgenommen und nie zurückgelegt. Und er fügte hinzu, unter der alten Verdeckplane, in dem Bereich, wo die Zimmerleute ihr Zeug ablegten – wenn jetzt jemand zurückginge, finde er sie an der Stelle vielleicht noch.
Für einen kurzen Moment war es still an Deck.
Der Mann mit dem weißen Tuch am Ohr lachte zuerst einmal, ein hässliches Lachen, und fragte, ob es die Karte sei, die ausdrücklich sagte, hier dürfe man nicht fahren. A-Shuan sah ihn an und nickte; der andere lachte wieder und fragte, ob man sie auch deshalb, weil man diesen Wasserlauf für einen schmutzigen Umweg gehalten habe, kurzerhand mit allen auf die saubere Seite gelegt habe – hierher, wo sie lägen und sich nicht regen könnten.
„Nein“, sagte A-Shuan.
Die Stimme kam schnell heraus, und einige neben ihm blickten herüber. Er wusste, dass dieses eine „Nein“ gerade reichte, die Bosheit abzustreiten, nicht aber, klarzumachen, was er getan hatte. Er legte das kleine Papier auf den Kasten, die Handfläche darauf, und sagte langsam weiter: Der Meister habe gesagt, die alten Linien dürfe man nicht einfach befahren, daran erinnere er sich; hätte er damals alles Cen gesagt, hätte man nicht unbedingt in diese Mündung einbiegen müssen, und es hätte auch nichts gegeben, das unbedingt mit einer Nacht hätte ausprobiert werden müssen.
Cen stand am Geschütz, und jenes bisschen Anspannung in seinem Gesicht löste sich nicht.
Er sagte vor allen, dass auch er die Abkürzung gewollt habe und Yu Shuan damit nicht allein gewesen sei. Als er das gesagt hatte, ließ er den jungen Mann aber nicht auf die Ausrede ausweichen, man habe ihn eben gedrängt. Er hatte gefragt, ob Ashuan alles vermessen hatte. Das hatte Ashuan nicht. Vom kleinen Boot hatte er gesprochen, aber nicht klargemacht, dass er für die schweren Schiffe nicht gemessen hatte. Keiner von beiden konnte seinen halben Satz aus den Worten des anderen herauslösen.
Onkel He hörte es von unten.
Das Ruder in seiner Hand schlug hörbar an eine Spante. Qian Liu wandte den Kopf. Onkel He legte das Ruder flach hin, sein Gesicht erstarrte und schien für einen Augenblick kälter als das nächtliche Wasser. Die alte Karte war kein Gold. Regen konnte sie verderben, ein Wischen konnte die Kohlestriche verblassen lassen. Sechsunddreißig Jahre hatte er sie bei sich getragen und selbst zwei Striche durch eine Korrektur verdorben. Nun hatte sie jemand wegen eines kleinen Schlammflecks die Böschung hinuntergeworfen. Nicht einmal zeigen konnte er damit noch, an welcher Stelle die Fahrt unsicher geworden war.
„Das ist kein Ding, um Kleider damit zu beschweren“, sagte er.
Die Stimme war nicht sehr laut, doch A-Shuan war, als bekäme er vor allen Menschen im Schiff einen Schlag. Er wollte antworten, fürchtete aber, zu schnell zu antworten – es klänge nur wie das „gewusst“ von früher am Ufer. Onkel He wartete nicht, sondern hieß ihn, sein kleines Papier gut zu verwahren: Nur weil die Karte nicht groß genug sei, solle er nicht gleich eine wirklich selbst vermessene Stelle mitzerknüllen.
Dann hieß der Alte Qian Liu, den Kahn festzuhalten, und streckte sich selbst, umgewendet, die Hand zum hohen Schiff hinauf.
A Shuan kam sofort, um ihn aufzufangen. He Bo fasste sein Handgelenk und setzte den ersten Fuß auf den bisherigen Tritt. Sein Bein war steif; er musste einen Atemzug warten, ehe der andere Fuß folgen wollte. A Shuan wollte ihn ganz hinaufheben, doch der Alte schüttelte den Kopf. Stützen genüge, sagte er; er solle ihm nicht gleich beim Erreichen des Decks ins Gesicht stoßen. Der junge Mann nahm seine Kraft zurück und hielt ihn sicher. Erst als die alten Füße wirklich auf den Planken standen, ließ er langsam los.
Die zwei Matrosen blieben im kleinen Kahn. Sobald Onkel He das Deck betrat, bebte der Holzleib wieder leicht, und die Schräge unter den Füßen war steiler, als sie von außen ausgesehen hatte.
Onkel He hielt sich zuerst an einem Pfosten fest und sah zur Luke, zur Kanone und zu der Stelle, an der der verwundete Soldat lag. Von hier drinnen sah es doch etwas anders aus als von draußen. Er bat Ashuan, Kohle zu holen und ein möglichst trockenes Brett sauber zu wischen. Er wollte nur den Schiffsrumpf und den Felsen vor ihnen zeichnen, nicht den ganzen Fluss. Qian Liu wollte heraufkommen und helfen, aber Xun wies ihn an, weiter das kleine Boot zu sichern. Wenn das Seil sich löste, hatten die anderen wieder keine Möglichkeit zurückzukommen.
A-Shuan holte Kohle und wollte zuerst mit seiner roten Weste die Planke abwischen.
Shi Jing schob die Schachtel mit dem Werkmaß beiseite, zeigte ihm unter die Segelverpackung und sagte, dort sei ein trockenes Eck; er solle nicht ausgerechnet jetzt ein Stück dünnen Stoffes zerren und hinterher sagen, es werde nicht sauber. Der Ton blieb unfreundlich, aber die Sache lag wirklich dort, wo er sie sagte. A-Shuan zog ein Eck vom alten Segel, wischte die Planke, die Handfläche darauf, damit sie auf der Schräge nicht glitt – erst dann hockte sich Onkel He nieder.
Die Kohlespitze brach beim ersten Strich ab.
Der Alte sah das kurze Ende an, drehte es um und zeichnete weiter: die Länge des Schiffsbauchs, und die schräge Schulter der schwarzen Klippe, die er vom Kahn aus selbst gesehen hatte, wanderte nach links unten. Das Geschütz in die Mitte, die Kisten in zwei Reihen; A-Shuan zeigte die eine, die heute Morgen gerückt war, und Onkel He änderte entsprechend mit – nicht weil er es aufzeichnete, verlangte er schon, dass alles Ungesehene ebenfalls an seinem Platz liege.
Xun ging auf die andere Seite, sah eine Weile und sagte, der Bug habe eben zurückgeschwenkt; die Spitze jenes Steins müsse ein Stück weiter vorn stehen – er habe es hinter dem Ruder gespürt, zuerst das Anstoßen, dann das Klemmen. A-Shuan hörte zu und legte die Reihenfolge der beiden Ruderkommandos von damals klar: ein wenig nach rechts, dann das hastige Zurückrichten; das zweite Mal habe Xun nicht selbst falsch gesteuert, sondern er selbst habe es mit der Hand gewiesen.
Die Kohle des Alten hielt einen Atemzug inne und fügte an der Stelle, die der andere nannte, noch eine kurze Linie hinzu.
Diese Linie ließ ihn sehen, wie das Schiff aufgesessen war, und auch, welches Ende man nicht zuerst hart zerren durfte, wenn es sich schräg lösen sollte. Onkel He hieß A-Shuan, die Stange zu holen und diese Stelle auf der Planke gegen den wirklichen Stein da draußen zu halten – man solle die Kohlelinie nicht für ein Ufer halten, auf dem man schon stehen könne. Der junge Mann tat es; beim Aufstehen streifte er Cens Fuß, ging selbst zuerst beiseite, und der Schiffsherr rückte auch einen halben Schritt, ohne den Säbel weiter zwischen die beiden zu legen.
„Die Ausmündung rechts – ist es diese Seite?“, fragte Xun.
Onkel He zeichnete mit der Kohle bis zu der Stelle, wo der Fischgrat erreicht würde, und die Linie blieb auf halbem Weg liegen. Am Siebenten hatte er vom kleinen Kahn aus an der Innenseite Wasser gesehen; wie breit das heute Nacht Brauchbare wirklich sei, müsse erst wieder gesondert werden; wie viel höher das Schiff nach der Entlastung liege, sehe man erst, wenn es wirklich schwamm – man könne hier nicht dem Ruder schon eine Straße vorschreiben, die unter keinen Umständen geändert werden durfte.
Jenes Ende ließ er leer.
Xun nickte, drückte den Finger auf eine Stelle am Bug und sagte, der kleine Leitanker sei noch da; könnte man ihn zuerst auf den harten Grund rechts bringen und ein Stück hinüberwinden, dann folge das Heckruder danach mit dem Wasser, und man brauche nicht mit ein paar Stangen hart zu schieben. Onkel He sagte, zuerst den Grund ansehen; wenn die Leute links das Geschütztau festmachten, dürfe man diesen rechten Anteil nicht schon für erledigt halten – getrennt ansehen, getrennt Leute hinschicken.
Cen fragte, woher die Leute für die beiden Enden kämen.
„Wir brauchen keine Leute dazu“, antwortete Xun. „Erst links, dann zurück ins Boot und rechts erkunden. Wer wo stehen muss, merken wir uns selbst.“
A-Shuan hockte und hörte zu. Qian Liu und Ma Jie warteten unten; bewegte sich der kleine Kahn, mussten sowohl der Bootshalter als auch das zum Ufer gebrachte Seilende jemanden haben, der sie kannte; griffe er selbst, weil er sich schämte, nach etwas, das gerade ein anderer hielt, müsste wieder einer zuerst loslassen, um ihn zu retten. Er rückte die Planke ein wenig nach innen, damit Duan Qiushengs unbeweglicher Fuß nicht für ihn weichen musste, stand auf und kehrte die Kohlenkrümel vom Laufweg auf.
Der Mann mit dem weißen Tuch ums Ohr hielt ihn auf.
A-Shuan stand fest; der andere starrte auf sein rotes Gewand, lange, und sagte, er wolle kein „du wirst es gut aufbewahren“ mehr hören. Er wolle lebend hinaus und morgen zuerst eine Schüssel Wasser trinken, ohne den Schiffsumschlag fürchten zu müssen; außerhalb davon habe er im Augenblick keine Muße, daran zu denken, wie ihm zumute gewesen war, als er die Karte wegwarf. Der junge Mann antwortete nur „verstanden“ und wischte mit dem Gewandzipfel die Kohle von der Handfläche.
Onkel He legte die Kohle auf das trockene Segeltucheck; als er aufstand, gab das Knie einen Moment nach.
A-Shuan stützte ihn, wartete diesmal zuerst, bis die Füße feststanden, und hob nicht hastig den ganzen Menschen empor. Die Handfläche des Alten lag auf dem Arm des Lehrlings; durch den Stoff fühlte sie jene frisch gescheuerte rote Stelle, hielt einen Atemzug inne und wanderte dann zur Stütze; er hieß ihn, oben zu bleiben und auf die paar Untransportierbaren zu achten, nicht mit in den Kahn zu kommen und ein Gewicht mehr hineinzupressen.
„Ich gehe“, sagte A-Shuan.
Onkel He wandte den Kopf. Der junge Mann hatte rote Augen und sagte, die drei harten Stellen kenne er selbst; auch beim Probieren am Baum könne er mit anpacken – viele der Fehler von eben seien seine. Bis hierher gesprochen, berührte seine Hand schon das Festmachttau, als könnte er, stieg er nur zuerst hinab, einen Moment weniger in den Blicken dieser Leute stehen.
„Sag Qian Liu, was du eben ertastet hast“, sagte der Alte. „Wo unten viel Schlamm ist, wo man noch einmal stoßen muss. Erst klar sagen.“
A-Shuans Hand hielt langsam inne.
Er blickte zum kleinen Kahn: Qian Liu, das Gesicht gehoben, wartete, die Hand noch am Seilstück, das ans Ufer sollte, und zog den Kahn ein wenig näher an die Stelle, wo man Menschen aufnehmen konnte. Der junge Mann hockte sich an die hohe Bordwand und zeigte die erste bis zur dritten Stelle einzeln; alles, was er sagte, waren Orte, die die Bambusstange heute Nacht wirklich getroffen hatte. Onkel He hörte zu, hielt sich selbst an der Stütze fest und setzte langsam den anderen Fuß zurück in die Mitte des kleinen Kahns.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk und erweitert Du Fus 《江汉》 („Jiang und Han“) sowie die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《老马识暗滩》 („Das alte Pferd kennt die verborgenen Untiefen“). Figuren, Zeitrechnung, Flussabschnitte, Schiffsbauweisen und militärische Vorschriften sind frei erfunden; es handelt sich weder um eine Übertragung des Originalgedichts noch um eine Biografie des Dichters.
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