Historischer Gesellschaftsroman
Die Verabredung vor dem Drachenbootfest
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11418 Zeichen · ca. 11 Minuten
An dem Tag, an dem das von Du Yin bestellte Kästchen fertig wurde, stellte Xu Shen es auf die Fensterbank und klappte den Deckel über zwanzigmal auf und zu. Innen hatte es drei Fächer, zwei für Fingerhüte und eines für das aufgerollte Maßband. Der Klappdeckel brauchte keine Zugschnur und ging mit einem leichten Griff auf. Er schnitzte keine Blätter hinein. Nur die Kante, an die ihre Hand am häufigsten kommen würde, schliff er leicht rund. Nachdem er sie abgetastet hatte, prüfte er sie mit einem alten Lappen. Erst als kein Faden hängen blieb, fegte er die Späne weg.
Du Yin kam spät zurück, ein kleines Bündel Seide aus Shikou in der Hand. Kaum stand sie unter der Lampe, fragte sie, wie schwer das Kästchen sei. Xu Shen hatte gedacht, sie würde zuerst sehen wollen, ob es ihr gefalle. Als sie nach dem Gewicht fragte, nahm er es in die Handfläche und hielt es ihr hin. Sie steckte es in ihr Reisebündel, prüfte den verbleibenden Platz und sagte lächelnd, es passe genau. So müsse sie unterwegs keine Angst mehr haben, dass die Fingerhüte in die Schuhe rollten.
Sie wollte verreisen, allerdings nicht nach Shikou. Die ältere Schwester von Frau Lu wollte im Kreis Yuchuan eine Reihe von Frühlingshemden anfertigen lassen. Zwei erfahrene Näherinnen sollten gemeinsam hinfahren und die Arbeit in gut zehn Tagen schaffen. Sie würden bei der Auftraggeberin wohnen und essen und pro Stück bezahlt. Du Yin wollte am sechsundzwanzigsten Tag des dritten Monats aufbrechen und am sechsten Tag des vierten zurück sein. Der Weg führte über Shikou und von dort noch achtzehn Li nach Nordosten. Insgesamt waren es rund vierzig Li von der Stadt.
Als Xu Shen die achtzehn Li hörte, legte er die Hand auf den Deckel und schloss ihr das Kästchen. Du Yin fragte, ob das eine Fach zu flach sei. Er verneinte. Erst nach einer Weile fragte er, ob sie die Familie kenne, wie viele mitgingen und wo sie nachts unterkämen. Sie beantwortete ihm alles der Reihe nach. Er fragte trotzdem noch, was sie bei Regen tun wolle und was, wenn der Auftraggeber den Lohn nicht auszahle.
„Auch in der Stadt begegnet man Leuten, die einen nicht bezahlen“, sagte sie. Xu Shen fiel ein, dass er selbst einmal hundertzwanzig Wen schuldig geblieben war, und sein Gesicht wurde etwas heiß. Zugleich fand er, man könne die beiden Dinge nicht in einen Topf werfen. Er nahm das Kästchen aus dem Beutel, schob vor, den Rand des Deckels noch schleifen zu müssen, und stellte es neben sich. Du Yin warf einen Blick darauf und nahm es nicht wieder an sich. Am Abend brachte er es ihr so zurück, wie es gewesen war, und erwähnte den Zeitpunkt ihrer Abreise nicht mehr.
Am nächsten Tag kam Frau Lu in den Hof, um Stoff abzuliefern, gerade als Xu Shen draußen einen Drehzapfen ausbesserte. Sie erzählte Guiniang vom Essen in Yuchuan. Dort gebe man im Frühling gern ein bestimmtes grünes Blatt an die Mehlspeisen. Auf der Zungenspitze schmecke es zunächst leicht bitter, dann werde es süß. Xu Shen überlegte lange und mischte sich schließlich ein. Die Schuhe von Du Yins Vater seien noch nicht fertig geändert, und ihre Herkunftsfamilie komme wohl auch kaum ohne sie aus. Ob Frau Lu vielleicht eine Stickerin finden könne, die etwas mehr Zeit habe.
Frau Lu stutzte und fragte, ob das Du Yins eigener Wunsch sei. Xu Shen sagte, Du Yin habe nicht gesagt, dass sie nicht mitkomme, er habe nur selbst gedacht … Frau Lu antwortete nicht, nahm den Stoff an sich und ging ins östliche Zimmer zu Du Yin. Hinter der Tür wurde sehr leise gesprochen. Xu Shen verstand nichts, und der Türzapfen unter seinen Fingern wurde beim Schnitzen immer dünner. Als er merkte, dass etwas nicht stimmte, blieb ihm nur, ihn beiseitezulegen und ein neues Stück Holz zu suchen.
Nach dem Mittagessen kam Du Yin zur Tür des südlichen Zimmers. A-Sui erkannte ihre Schritte und wollte aufstehen, um ihr einen Platz anzubieten. Du Yin winkte ab und sagte, sie wolle nur Xu Shen sprechen. Sie gingen in den Hof. Du Yin fragte ihn nicht, warum er für sie gesprochen hatte. Sie nahm zuerst das Kästchen heraus und stellte es mit den vereinbarten fünfzehn Wen neben seine Hand. Das bisschen Geld wog kaum etwas. Trotzdem hatte er, als er die Hand sinken ließ, das Gefühl, das Holzkästchen würde ihm entgleiten.
„Hat Onkel Du dich gebeten, mich für ihn hierzubehalten?“, fragte sie. Xu Shen schüttelte den Kopf. Sie fragte weiter, ob sie je gesagt habe, dass sie Angst vor der Reise habe. Er schüttelte wieder den Kopf. Du Yin sah ihn an. In ihren Augen lag kein großer Zorn, eher ein wenig Müdigkeit, als hätte sie mehrere Nächte lang feine Stiche gesetzt und müsste ausgerechnet für den letzten Stich die Nadel neu einfädeln.
Er sagte, er mache sich nur Sorgen. Sie hob den Deckel des Kästchens an und zeigte ihm die flache Rundung am Rand. „Wenn du das fertig machst, werde ich es benutzen. Wenn du glaubst, mir werde auf der Reise etwas zustoßen, dann sag nicht, mein Vater könne nicht ohne mich auskommen.“ Xu Shens Kehle zog sich zusammen. Er hatte fragen wollen, was sie täten, wenn etwas passierte. Schließlich hörte er selbst, wie er sie mit diesen Worten schon im Voraus wegen eines Unglücks festhielt, das noch gar nicht geschehen war.
Du Yin sagte, ihr Vater wisse längst Bescheid. Vorgestern Abend habe er sogar jemanden fragen lassen, ob sie ihm ein wenig Gärstarter für den Wein aus Yuchuan mitbringen könne. Er brauche seine Tochter nicht unbedingt zum Hüten seiner Stiefel. Dann nahm sie das Kästchen zurück, ging in die östliche Kammer und schloss die Tür, ohne sie zuzuschlagen. Dieses leise Geräusch machte Xu Shen verlegener, als ein Tadel es vermocht hätte. Er legte die fünfzehn Münzen auf den Tisch und rührte sie den ganzen Abend nicht an.
A Sui fragte, was passiert sei. Er sagte, er habe zu viel geredet. Seine Mutter wollte zu Du Yin hinübergehen, um die Sache zu glätten. Er hielt sie zurück: Es seien seine Worte gewesen, sie müsse nicht noch ihre eigenen hinzufügen. Als er das sagte, wusste er noch nicht ganz, wie er es wiedergutmachen sollte. Er wusste nur: Ließe er die Mutter wieder gehen, stünde zwischen ihm und Du Yin nicht mehr bloß eine Tür, sondern Schicht um Schicht von Menschen, die glaubten, es gut mit ihr zu meinen.
Am nächsten Tag suchte er Frau Lu auf. Im Hof hingen Frühlingsjacken zum Trocknen. Der Wind hob ihre schmalen Bänder an wie eine Schar weicher Flügel. Frau Lu sah ihn und bat ihn nicht herein. Also sagte er an der Tür, er habe gestern nicht im Auftrag von Du Yin gesprochen. Für den Aufbruch gelte, was sie selbst gesagt habe. Frau Lu sah ihn eine Weile an und sagte, die Arbeit sei schon vereinbart. Sie habe ohnehin nicht vorgehabt, einen Schreiner für eine Stickerin um Urlaub bitten zu lassen.
Xu Shen stand draußen vor dem Hof und wollte lachen, brachte es aber nicht fertig. Er fragte, ob er sich den Weg dorthin vorher ansehen müsse. Sie sagte, ihre Reisegefährten seien ihn schon zweimal gegangen, das sei unnötig. Auf dem Rückweg machte er einen Bogen durch die Weidenbrunnengasse. Du Ji hockte gerade vor der Tür und nahm einen alten Schuh auseinander. Als Xu Shen seine Tochter erwähnte, sagte er, sie könne den Gärstarter mitnehmen, wenn es gehe. Der kleine Vorrat dürfe ihr bloß nicht die Kleiderstoffe zerdrücken. Xu Shen sagte zu und fand tatsächlich keinen Satz mehr, der besser gepasst hätte.
Zhang Rong, die Stickerin, die sie begleiten sollte, kam zuerst in den Hof, um gemeinsam die Musterkleider durchzusehen. Hinter ihr ging ihr Mann mit einem langen Korb für die Stoffe im Arm. Er wollte etwas aus dem Korb nehmen, um ihn leichter zu machen, doch Zhang Rong zog aus seinem Ärmel zwei Paar ihrer dicken Socken. Er hatte sie heimlich hineingesteckt, damit seine Frau unterwegs keine kalten Füße bekam. An den Sohlen klebte noch Holzasche. Die beiden schimpften gleich lachend miteinander. Zhang Rong schüttelte die Asche ab, behielt ein Paar und sagte ihm, das andere solle er wieder mitnehmen und waschen.
Der Mann fragte, was er tun solle, wenn die Hühner abends nicht in den Stall gingen. Sie sagte, er solle sie wie immer von der Südmauer her treiben und bloß nicht wieder den Hahn der Nachbarn mit einsperren. Er sagte, er wisse Bescheid, wandte sich dann aber an Du Yin und fragte, ob sie darauf achten könne, dass seine Frau nicht zu viel Rohes und Kaltes esse. Du Yin lachte und sagte, darauf habe sie selbst auch Lust. Endlich hörte er auf mit seinen Ermahnungen, nahm den leeren Korb und ging. Erst am Hoftor fiel ihm ein, dass der Korb dableiben sollte, und er brachte ihn mit rotem Kopf zurück. Xu Shen hörte das Lachen drinnen und musste mitlachen. Danach legte er das große Stück Fladen, das er in Du Yins Gepäck hatte stecken wollen, wieder auf den Tisch.
Am Fünfundzwanzigsten lüftete Du Yin ihr Reisegepäck im Hof. A Sui bemerkte ein paar in Stoff gewickelte Fingerhüte und ging hinüber. Sie wollte ihr sagen, sie solle sich wegen des vielen Gepäcks keine Gedanken machen und mehr zu essen einpacken. Doch über die Lippen kam ihr nur die Bitte, sich unterwegs Zeit zu lassen. Du Yin bedankte sich und fragte plötzlich, ob A Sui beim Aufbruch auch immer das Gefühl habe, alles aus dem Zimmer mitnehmen zu wollen. A Sui lachte und sagte, beim Umzug in die Stadt hätte sie am liebsten sogar die kaputte Schöpfkelle auf den Wagen gepackt.
Du Yin zeigte ihr das Reisebündel. Darin lagen nur zwei Garnituren zum Wechseln, ein Päckchen mit Nadel und Faden und das Holzkästchen. A-Sui sah darin das biegsame Maßband, dessen Ende sich blank gerieben hatte. Auf einmal kamen ihr die vierzig Li, die die junge Frau vor sich hatte, noch ein wenig weiter vor als die achtzehn Li, die sie selbst vom alten Haus bis in die Stadt gezogen war. Sie ging hinein, schnitt zwei Scheiben eingelegten Rettich ab und fragte, ob Du Yin sie mitnehmen wolle. Die sagte ja, nur nicht zu viel, von dem Salz bekomme man leicht Durst.
Am Abend räumte Du Yin ihre Fingerhüte in die neue Schatulle. Ein kleiner rollte Xu Shen vor die Füße. Er hob ihn auf und versuchte, ihn sich über den Finger zu ziehen, aber er passte einfach nicht. Beide lachten. Er legte ihr den Fingerhut zurück in die Hand. Auf ihrer Handfläche war ein roter Punkt von einer feinen Nadel. Er betrachtete ihn einen Moment zu lang. Du Yin schloss die Hand und fragte, ob er noch Maß nehmen wolle. Seine Ohren wurden heiß. Er sagte, er brauche nicht zu messen. Er habe die Schatulle nach dem Fingerhut gefertigt, den sie schon benutzt hatte. Sie senkte den Blick und öffnete den Deckel. Tatsächlich passte er genau hinein. Sie lobte sein Geschick nicht noch einmal und legte den Fingerhut, den sie am häufigsten brauchte, zuerst in das Fach, das am besten zu erreichen war.
Am Abend stellte Xu Shen einen Gehstock neben die Tür des Ostzimmers. Das Hartholz war bei der Reparatur eines Schemels übrig geblieben. Er hatte nur die Splitter abgeschnitzt und von sich aus keinen Namen eingeschnitten. Er stellte den Stock hin, nahm ihn wieder an sich, klopfte und fragte, ob sie ihn gebrauchen könne. Du Yin öffnete die Tür, probierte die Länge und sagte, er sei ein wenig zu lang. Er kürzte ihn dort, wo es zu ihrem Griff passte. Das abgeschnittene Stück fiel genau zwischen ihre Schuhspitzen.
Sie ging probehalber zwei Schritte, sagte, der Stock passe, und fragte, was er koste. Er wollte sagen, sie müsse nichts zahlen, hielt kurz inne und sagte dann, das Holz sei ein Rest aus seinem eigenen Vorrat, für die Arbeit rechne er vier Wen. Sie holte das Geld hervor, er nahm es, und dabei wurde ihm weniger kalt ums Herz als damals beim Verkauf des Kästchens. Wenn sie den Stock nicht brauchte, konnte sie ihn ablehnen. Und er musste seine Zuneigung nicht länger in Dingen verstecken, die sie annehmen musste.
Am Tag der Abreise lief Xu Shen ihr nicht bis zum Stadttor nach, um sie zu verabschieden. Er hatte Mo Ying für den Morgen zugesagt, das Gestell zum Wasserholen zu richten. Das Holz war an einer Seite gerissen, und wenn er erst nachmittags kam, musste sie einen halben Tag länger warten, bis sie das Bettzeug waschen konnte. Er arbeitete im Hof und hörte Du Yin mit der Stickerin lachen, die sie begleitete. Er hörte auch Fang Xiao fragen, ob sie ihr einen Vogel aus Yuchuan mitbringen könne. Du Yin sagte, Vögel hätten ihre eigenen Flügel und wollten in ihrer Tasche nicht mitreisen.
Beim Aufbruch blieb Du Yin neben ihm stehen, legte kurz die Hand auf das neue Kästchen und fragte, ob er warten könne, bis sie wieder da sei, und dann mit ihr an dem Stand am Fluss Nudeln essen gehe. Xu Shen sah auf und hätte ihre Worte beinahe als eine Art Versprechen aufgefasst. Erst nach einer Weile sagte er ja. Sie fügte hinzu, bis zum Drachenbootfest müssten sie nicht warten. Wenn sie es am sechsten Tag zurückschaffe, gingen sie am siebten. Falls sie unterwegs aufgehalten werde, könnten sie nach ihrer Rückkehr darüber reden.
Er sah ihr nach, wie sie zur Tür hinausging. Eine Weile hielt er das Stemmeisen noch erhoben, dann legte er es beiseite. A-Sui saß am Fenster und sagte nichts dazu, ob das nun gut sei. Sie hielt einen neuen Faden zwischen den Fingern und brauchte lange, bis er durchs Nadelöhr ging. Als sie aufsah, blickte ihr Sohn noch immer zur Tür hinaus. Da sagte sie ihm, das Gestell zum Wasserholen müsse etwas höher werden. Mo Yings Eimer sei größer als ihrer.
Am Nachmittag drückte er die Füße des Gestells fest an. Mo Ying kam mit einem vollen Eimer Wasser, um es auszuprobieren. Das Holzgestell wackelte nicht. Sie stellte den Eimer ab, atmete aus und sagte, endlich müsse sie heute nicht mehr mit dem Knie dagegenhalten. Xu Shen nahm den Lohn, der ihm zustand. Auf dem Rückweg in sein Zimmer sah er, dass das Fenster des Ostzimmers halb geschlossen war. Auf dem Sims lag ein kleines Stück blauer Faden. Er hob es auf, steckte es aber nicht in seine Tasche. Er legte es hinter Du Yins Türschwelle, damit der Wind es nicht fortwehte.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Liu Changqings Gedicht „Bei Schnee beim Herrn vom Furong-Berg übernachten“ und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website „In der Schneenacht bleibt die Tür offen“ erweitert. Figuren, Kreisstadt, Wege und Handlung sind frei erfunden und in einer von der Tang-Zeit geprägten Welt angesiedelt; das Buch ist weder eine Übersetzung des ursprünglichen Gedichts noch eine Biografie des Dichters.
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