Historischer Gesellschaftsroman
Schmelzwasser sickert in die Südwand
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11746 Zeichen · ca. 11 Minuten
Das Erste, was Xu Shen sah, war ein Paar Schuhe, die noch nicht trocken waren. Sie standen neben der alten Schublade am Fußende des Betts. Außen war kein Schlamm daran, doch innen waren sie so feucht, dass sie beim Zusammendrücken keine Form hielten. Die Mutter hatte vorgestern gesagt, sie sei nicht am Fluss gewesen. Er hob die Schuhe hoch und fragte, warum sie schon wieder nass seien. A-Sui blickte kurz hinunter und sagte, vielleicht habe Huangdou es mitten in der Nacht nicht mehr halten können.
Als der Hund seinen Namen hörte, hob er den Kopf und legte ihn wieder hin. Xu Shen fühlte an dem Tuch, auf dem er lag. Sogar die Wand dahinter war kalt. Er zog die Bettkante von der Wand weg. A Sui griff sofort danach, konnte ihn aber nicht aufhalten. Das alte Tuch am Fuß der Wand rutschte herab und gab eine Wasserspur frei, die sich von oben bis unten zog. Mutter und Sohn verstummten gleichzeitig, als hätte sich hinter dem Bett etwas verbergen sollen, das noch weniger fürs Tageslicht bestimmt war.
„Seit wann ist das da?“
„Seit zwei Tagen“, sagte A-Sui. „Am Anfang war es weniger.“
Xu Shen glaubte ihr nicht. Er fuhr mit den Fingern an der Wand entlang, und schon löste sich etwas Putz. Er stand so rasch auf, dass er den Schemel umstieß. Huangdou erschrak, kroch unter das Bett und knurrte leise. Xu Shen ließ den Schemel liegen und fragte erst einmal, warum seine Mutter nichts gesagt habe, wenn sie es doch wusste. A-Sui sah den Schemel am Boden an und wurde nun selbst wütend. Hatte er nicht gleich beim Eintreten davon gesprochen, wie viel in der Werkstatt zu tun und wie teuer das Holz sei? Wenn sie ihm jede Stelle nannte, an der etwas nicht stimmte, wuchs ihm davon etwa ein zweites Paar Hände?
All das sagte sie nicht. Sie meinte nur, sie wollten ja keine hundert Jahre hier wohnen. Man müsse es bloß trocknen lassen. Xu Shens Miene verfinsterte sich noch mehr. Ihm war, als hielte ihm seine Mutter die kurze Mietzeit nur entgegen, um ihm zu widersprechen. Als er bezahlt hatte, hatte er nach dem Licht und der Schwelle gefragt und sogar die Schritte vom Herd zum Bett abgezählt. Nur hatte er nicht gefragt, unter welchem Ziegel der Schnee hereinkommen konnte. Seine Mutter hatte das Wasser verdeckt, als fürchte sie einzugestehen, dass auch er für das Falsche Geld ausgeben konnte. Umso weniger wollte er so tun, als wäre nichts.
Fang Guiniang kam herein, sah das weggerückte Bett und runzelte zuerst die Stirn. Warum hier alles so durcheinander sei. Noch ehe sie ausgeredet hatte, drückte Xu Shen ihr ein feuchtes Stück Stoff in die Hand. Sie fühlte an der Wand und mäßigte ihren Ton ein wenig, sagte aber weiter, das Zimmer habe eine Weile leer gestanden. Im ersten Jahr, in dem wieder jemand darin wohne, werde es eben feucht. Man müsse nicht beim ersten Wasser gleich annehmen, dass alle Dachziegel kaputt seien. Als A Sui das hörte, fiel ihr auf, dass die Vermieterin ihr gerade genau dasselbe sagte, was sie eben ihrem Sohn gesagt hatte.
Xu Shen zeigte ihr, dass das Wasser von oben kam und nicht aus dem Boden aufstieg. Fang Guiniang hob den Kopf und sah nach. Nach einer Weile ging sie hinaus, um eine Leiter zu holen. An der Tür drehte sie sich noch einmal um und sagte, der Dachdecker habe vor Neujahr viel zu tun und werde vielleicht nicht auf den ersten Ruf kommen. Xu Shen fragte ihr nach, wie lange sie warten müssten. Sie sagte, sie sei keine Dachdeckerin, woher solle sie das wissen? Ihre Stimmen wurden lauter. Im Hof verstummte sogar das Reisstampfen für eine Weile. Du Yin hatte im östlichen Zimmer gerade einen Faden abgeschnitten und hielt die Hand mitten in der Bewegung still.
A Sui wollte ihn zurückziehen und sagte, er solle es gut sein lassen, damit die Nachbarn es nicht hörten. Xu Shen zog seinen Arm weg. Da fiel ihr ein, wie er sich als Kind, wenn man ihn wegen seiner langsamen Hände ausgelacht hatte, genauso losgerissen und allein abseits hingestellt hatte. Damals hatte sie ihn in Schutz genommen. Heute wusste sie nicht einmal, an wessen Seite sie sich stellen sollte. Das Bett war tatsächlich nass, und ihr Sohn wohnte dort tatsächlich nicht umsonst. Doch sobald sie stritten, war ihr, als würde nun auch dieses kleine Stück guten Lebens, das ihr der Umzug in die Stadt gebracht hatte, dem Spott der Leute preisgegeben.
Schließlich stieg Fang Guiniang als Erste auf die Leiter. Xu Shen hielt sie unten fest, während Fang Guiniang mit einer Hand in der Dachrinne tastete und einen Klumpen fauler Blätter mit Eis erwischte. Dazwischen steckten feine Halme von den Matten, die man vor dem Haus zum Trocknen ausgelegt hatte. Als sie den Klumpen herauszog, schoss am anderen Ende das Wasser herunter und hätte ihm beinahe den ganzen Kopf durchnässt. Du Yin brachte eine Schüssel, um es aufzufangen. Nach einer Weile wurde ihr der Arm lahm. Sie sagte ihm, er solle nicht immer nur hinaufstarren, sondern ihr erst einmal die Schüssel abnehmen.
Die verstopfte Rinne war nur ein Teil des Problems. Seitlich hatten sich auch zwei Dachziegel gelockert. Fang Guiniang wollte sie mit der Hand zurechtrücken, doch Xu Shen hielt sie zurück. Wenn sie einen zertrat, würde die Reparatur schwieriger. Sie sollten auf den Dachdecker warten. Bei seiner Holzarbeit konnte er sicher in der Höhe stehen. Er wusste aber nicht, welcher Ziegel unter welchem lag, und versuchte diesmal nicht, sich vor seiner Mutter zu beweisen. Er hielt die Leiter fest, bis Fang Guiniang wieder unten war, und hob erst dann den Klumpen verrotteter Blätter auf die Kehrschaufel.
An der Wandseite des Bettes konnte vorerst niemand schlafen. Xu Shen wollte seine Mutter mit in die Werkstatt nehmen. A Sui schüttelte sofort den Kopf und fragte, ob sie im Holzschuppen schlafen solle oder Meister Ren etwa wieder ein Zimmer freimachen müsse. Er schwieg. Darauf wollte sie das Bett zurückschieben, es genüge doch, wenn es auf der Innenseite etwas weniger feucht sei. Du Yin hatte genug davon. Sie deutete auf die Mitte der Wand und schlug vor, das Bett quer zu stellen, erst einmal weg von der nassen Wand. Der Durchgang würde schmaler, aber immer noch besser, als mit dem Bettzeug hin und her zu laufen.
Noch während sie sprach, machte sie sich daran, die Truhe zu verschieben. A Sui sah fünf Stücke neuen Stoff hinter der Tür des Ostzimmers und sagte rasch, in der Ecke sei es trocken, da könne vorerst ihre Truhe hin. Du Yin hielt sie jedoch zurück. Dort müsse der Stoff der Kundschaft zum Trocknen hin, da dürfe nichts mehr abgestellt werden. Im Hof stehe schon überall etwas herum, das aus dem Weg geräumt worden sei. Nur weil ein Platz gerade frei sei, heiße das nicht, dass ihn niemand brauche. Als sie ausgesprochen hatte, merkte sie selbst, wie hart sie geklungen hatte. Sie wurde etwas sanfter und holte für A Sui ein trockenes Tuch, das sie unter das Bettbein legen konnte.
Diesmal dachte A Sui bei Du Yin nicht wieder daran, was für eine tüchtige Hausfrau sie abgeben würde. Für alles, was die junge Frau mit ihren Händen tat, gab es jemanden, der es brauchte. Ein Tuch konnte sie hergeben, deshalb konnte sie noch lange nicht das ganze Zimmer freimachen. A Sui wischte die Ecke der Truhe sauber und schob sie unter ihr eigenes Bett. Da fiel ihr ein, dass heute wohl nicht einmal ein schmaler Durchgang geblieben wäre, wenn sie den alten Schrank wirklich aus den Bergen mitgebracht hätte. Zwischen dem nassen und dem trockenen Boden vor ihr wog es plötzlich längst nicht mehr so schwer, dass sie sich damals kaum von ihm hatte trennen können.
Der Dachdecker hatte erst am sechsundzwanzigsten Zeit. In den zwei Nächten dazwischen schlief seine Mutter auf der Seite des Betts, die zur Zimmermitte lag. In der ersten Nacht blieb Xu Shen bei ihr, in der zweiten musste er das Feuer im Auge behalten, an dem das Türholz trocknete, und konnte nicht bleiben. Vor dem Gehen fragte er dreimal, ob noch etwas feucht sei. A-Sui wurde ungeduldig, zeigte auf die Hundedecke unter dem Bett und sagte, wenn es diesmal feucht werde, könne man wenigstens nicht wieder alles auf den Hund schieben. Da lächelte Xu Shen endlich und rückte den Schemel gerade, den er beim Streit am Vortag schief getreten hatte.
Ein Dach auszubessern war mit ein bisschen Klopfen nicht getan. Der Dachdecker bat die Leute im Haus zuerst, alles wegzuräumen, worauf sich Staub setzen konnte. Auch Fang Guiniangs Reissäcke mussten fort. Sie sah die ganze Reihe neben dem Herd an, seufzte, bückte sich und fing selbst an zu tragen. Die alte Frau im Südraum rief sie nicht noch einmal. Xu Shen kam hinzu und hob einen Sack an einer Ecke an. Unten klebten Reiskleie und feuchter Lehm daran. Er war viel schwerer, als Xu Shen sich vorgestellt hatte, solange er meinte, als Hausherr brauche er bloß zu zahlen.
Als Wei Ce aus der Werkstatt kam, um zur Eile zu mahnen, waren die beiden gerade dabei, die Säcke zu tragen. Er blieb an der Tür stehen, sah Xu Shens staubige Ärmel und sagte, Meister Ren frage, ob das Holz wieder feucht geworden sei und ob sie übermorgen die Türzapfen herausarbeiten sollten. Xu Shen wollte ihn gleich mit der Antwort zurückschicken, dass er sofort komme. Doch er war mit dem Reissack erst auf halbem Weg. Also stellte er ihn sicher ab und bat den Jungen, einen Augenblick zu warten. Wei Ce sagte nichts weiter, griff nach einem leichteren Sack und verlangte auch hinterher für diese Viertelstunde keinen Lohn.
A-Sui erkannte in ihm den Jungen, der den kleinen Kamm schnitzte. Ihr fiel ein, dass ihr Sohn gesagt hatte, er sei bei der Arbeit nicht bei der Sache. Eigentlich hatte sie das bei der ersten Begegnung zur Sprache bringen wollen. Jetzt aber, da er zuerst den Reis mitgetragen hatte, brachte sie es nicht über die Lippen. Der Junge wusste nichts von der kleinen Verhandlung, in der sie ihn innerlich schon beurteilt hatte. Er grüßte sie nur höflich mit „Tante“ und nahm das Wasser, das sie ihm reichte, mit beiden Händen entgegen. Unter seinen Fingernägeln saß überall feiner Holzstaub.
Sie bat Wei Ce, sich etwas zu setzen, und fragte, wie alt er sei und wie viele Menschen zu seiner Familie gehörten. Wei Ce sagte, neunzehn, zu Hause habe er eine jüngere Schwester. Danach sah er zu Xu Shen hinüber, aus Angst, sein älterer Werkstattbruder könnte es hören und ihn wieder mit dem kleinen Kamm necken. Xu Shen war in Gedanken bei der eiligen Arbeit und lachte diesmal nicht. Er schickte ihn zuerst zurück in die Werkstatt: Er solle bei der Türvorlage auf die beiden langen Kanten achten und nicht gleich den Meißel ansetzen, nur weil er Blüten sehe. Wei Ce sagte zu. Als er die Schale abstellte, tat er es noch behutsamer als bei seiner Ankunft.
Auch nachdem das Dach ausgebessert war, trocknete der Boden nicht gleich. Du Yin lieh ihnen ein altes Bambusgestell, das sie selbst ausrangiert hatte, damit die Kleider erst einmal vom Boden wegkamen. Asui legte ein Bündel Nähzeug darauf. Es war, als hätte sie sich hinter dem Herd ihres alten Hauses noch ein Stück vertrauten, trockenen Platz ausleihen können. Sie wollte der jungen Frau eine Schale Suppe kochen, doch im Topf war nur genug für sie und Xu Shen. Während sie noch zögerte, kam Du Yin mit einer Handvoll gerösteter Rettichstreifen herüber und sagte, sie könnten alles zusammen wärmen und bräuchten kein neues Feuer.
Als Xu Shen mit seiner Arbeit fertig war und zurückkam, nahmen sich alle drei ein paar Rettichstreifen. Die Suppe schmeckte süßer als sonst. Beim Essen musste Asui immer wieder zu ihrem Sohn und Du Yin hinübersehen. Xu Shen hielt den Kopf gesenkt und fischte eine dicke Wurzelfaser vom Schalenrand. Er blickte nicht auf, was sie ein wenig enttäuschte. Du Yin stand nach dem Essen als Erste auf. Mo Ying komme morgen früh die fünf Stücke abholen, sagte sie, und eine Öffnung müsse sie heute noch versäubern. Sie nahm auch ihre Schale mit, um sie selbst abzuwaschen.
Erst als Mutter und Sohn allein im Zimmer waren, fragte A Sui, ob er sich nicht gern mit anderen unterhalte. Xu Shen stutzte und fragte zurück, ob für heute Abend noch nicht genug geredet worden sei. Lachend schalt sie ihn, er solle sich nicht dumm stellen. Er war aber wirklich zu müde, um noch danach zu fragen, was hinter jeder solchen Dummheit steckte. Er trank die restliche Suppe aus und bat sie, morgen beim Lüften der Decke nicht mit aller Gewalt bis ganz nach oben zu greifen. In zwei Tagen komme er wieder.
Sie fragte nicht weiter. Beim leisen Klappern der Schüsseln im Hof erinnerte sie sich daran, wie sie am Abend des Dreiundzwanzigsten die nasse Stelle zugedeckt hatte. Sie hatte allen eine Sorge ersparen wollen, und nun hatten sie drei Tage lang das Bett und die Säcke hin und her gerückt. Fast hätte sie sogar noch dem Hund die Schuld gegeben. Hätte ihr Sohn am Morgen nicht nach den Schuhen gesehen, hätte sie die kalte Wand vielleicht immer noch für etwas gehalten, das die Sonne trocknen konnte. Bei dem Gedanken wusch sie den alten Lappen aus, mit dem sie die Wasserspur verdeckt hatte, und hängte ihn ans Fenster, statt ihn wieder unters Bett zu stecken.
Vor dem Gehen tastete Xu Shen den ausgebesserten Fensterwinkel ringsum ab. Fang Guiniang räumte die Leiter weg. Als sie sah, dass er immer noch Bedenken hatte, sagte sie, auch wenn er es diesmal nicht selbst repariert habe, könne er dem Dachdecker ein wenig vertrauen. Er hörte den kleinen Stachel heraus, gab aber nichts zurück, nickte und sagte, er verstehe. Erst draußen vor dem Hoftor fiel ihm auf, dass er den ganzen Tag mit dem Zimmer seiner Mutter beschäftigt gewesen war. Der Entwurf für die Apothekentür steckte noch zusammengerollt in seiner Werkzeugtasche. Die Feuchtigkeit hatte eine Ecke wellig gemacht.
Als er in die Werkstatt zurückkam, hatte Ren Quan die Tür schon halb geschlossen und fragte, ob Xu Shen morgen nun endlich in Ruhe mit dem Zuschnitt anfangen könne. Xu Shen sagte ja und schob die halb geschlossene Tür weiter auf, damit er das Holz hineintragen konnte. Er wollte die Sache mit der Wand seiner Mutter nicht noch einmal erklären und auch nicht sagen, wann er an diesem Tag tatsächlich etwas versäumt hatte. Er breitete den Entwurf für die neue Tür aus, beschwerte die Falte mit einem Stück Holz und dachte, wenn ihm nur diese Tür gut gelänge, würden all diese kleinen Unruhen nach und nach weniger werden.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk, das Liu Changqings Gedicht „Bei Schnee beim Herrn vom Furong-Berg übernachten“ und die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website „In der Schneenacht bleibt die Tür offen“ erweitert. Figuren, Kreisstadt, Wege und Handlung sind frei erfunden und in einer von der Tang-Zeit geprägten Welt angesiedelt; das Buch ist weder eine Übersetzung des ursprünglichen Gedichts noch eine Biografie des Dichters.
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