Roman über Handelswege und Wiederbegegnungen im Stil des alten China
Das Fach, in dem der Platz nicht reichte
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 11452 Zeichen · ca. 11 Minuten
Der trockene Laderaum war schmaler, als er Lu Yan vom anderen Ufer aus erschienen war. Am Fünfundzwanzigsten im vierten Monat stieg er hinunter und hielt sich am Landungsbrett fest. Kaum hatte er die Schultern durch die Luke gedreht, stieß er sich die Stirn an einem Querbalken. Yin Shunqing lachte unten und sagte, ein paar Tage in der Heimat, und schon sei der Verwalter Lu gewachsen. Er rieb sich die Stirn und richtete erst einmal den Rücken auf. In der Mitte ging das durchaus, doch sobald er zur Seite trat, musste er sich bücken. Die niedrige Decke ließ einen seine Körpergröße deutlich spüren.
Die beiden inneren Reihen waren schon mit schwerer Fracht belegt. Außen standen auf einer trockenen Fläche niedrige, zerlegbare Holzgestelle. Lu Yan maß die Stelle mit der Fußspitze aus. Zwölf kleine Krüge in zwei Reihen müssten dort so Platz finden, dass gerade noch jemand durchkam. Bevor er etwas sagen konnte, legte Yin Shunqing einen langen Bambusstreifen quer über die Stelle und sagte, diese Gestelle seien für die Blätter vorgesehen. Nur weil noch nichts darauf liege, seien sie nicht frei. Die Blattbündel müssten flach liegen, oben und unten brauche es Luft. Auf die Gestellkanten könne man nicht noch eine Lage Krüge setzen, und die Ladeluke lasse sich auch nicht einfach anheben, wenn die Fracht höher werde.
Lu Yan hockte sich hin und tastete an den Füßen des Gestells entlang. Er fragte, ob es stabil bliebe, wenn sie die kleinen Krüge darunter und die Blätter obenauf stellten. Der Schiffer antwortete nicht gleich und ließ ihn erst einen leeren Holzkäfig probeweise anheben. Der Käfig war am Eingang zu hoch. Wenn er ihn abstellte und das Blattgestell noch darüber setzte, würde es oben am Querbalken anstoßen. Wer sich daneben umdrehte, blieb leicht an der Schnur hängen. Lu Yan versuchte es einmal und konnte den Arm kaum wieder herausziehen. Er musste sich seitlich drehen und den Käfig wieder hinausschieben. Er kannte sich damit aus, schwere Fracht tief im Boot zu stauen. So viele kleine Einzelstücke brachte er sonst selten in diesem winzigen trockenen Laderaum unter. In das eine Fach, das auf dem Papier noch frei gewesen war, passte in Wirklichkeit kaum eine Hand.
Fei Shao kam hinterher herunter. Diesmal hatte er den endgültigen Frachtzettel dabei. Er reichte Lu Yan das gefaltete Original der Warenbesitzerin und zeigte ihm ein paar ältere Einträge. Für Yu Erniang war längst der Achtundzwanzigste als Abfahrt vorgesehen, ihre Blätter sollten vor dem Abend des Neunundzwanzigsten bei Gaos Festküche in Yuepu sein. Kontorleiter Wen hatte den Zettel vor ein paar Tagen geprüft. Fei Shao würde die Angaben noch einmal mit der Warenbesitzerin abgleichen, dann wurde nach Liste geladen. Verschieben ließ sich, was noch niemandem zugesagt war. Die Plätze für diese Gestelle waren längst reserviert.
„Und das nächste Schiff flussabwärts?“, fragte Lu Yan.
„Es fährt am ersten ab und kommt am Abend des zweiten an“, sagte Fei Shao. „Wenn deine beiden Kunden länger warten können, kannst du ihnen heute noch Bescheid sagen. Oder du suchst ein kleines Boot, das in Yuepu anlegt. Nach der Fracht musst du dann neu fragen. Die zweiundsiebzig gelten dafür nicht.“
Lu Yan sah auf den neunundzwanzigsten. Sein Blick blieb so lange daran hängen, dass die Zahlenreihe auf dem Papier größer zu werden schien. Gestern hatte er Yao Jia den dreißigsten aufgeschrieben. Sie hatte den kleinen Zettel sehr sorgfältig entgegengenommen und zuvor noch gefragt, ob er ihr heute Bescheid sagen könne, falls es doch nicht klappe. Damals hatte er gemeint, sie müsse nicht wegen einer noch unfertigen Ladeliste wieder sprachlos vor ihren Kunden stehen. Jetzt war die Liste eindeutig, und er wusste als Erster nicht mehr, welchen Satz er zurücknehmen sollte.
Yin Shunqing ging an ihm vorbei und sagte, wenn es wirklich eilige Fracht gebe, solle er erst mit dem ursprünglichen Warenbesitzer reden. Sei der mit dem Geld und dem Termin einverstanden, werde geladen, sofern sich bei der Prüfung zeige, dass an Bord Platz sei. Das war die übliche Regel. Lu Yan blieb vor allem das Wort „reden“ im Ohr. Früher im Kontor hatte er, wenn Fracht verspätet war und die Leute es eilig hatten, auch schon kurzfristig Plätze getauscht, alte Hanfsäcke unter Krüge gelegt und zwei Ladungen durch ein kaputtes Türbrett getrennt. Kontorleiter Wen hatte ihm danach auf die Schulter geklopft und gesagt, zum Glück habe er nicht bloß dagestanden und gewartet. Lu Yan faltete den ursprünglichen Frachtzettel wieder zusammen. Vielleicht war es auch diesmal noch nicht zu spät, sich etwas einfallen zu lassen.
Nachdem er an Land gegangen war, suchte er allein Yu Erniang auf. Die Familie Yu hatte hinter dem Lagerhaus eine halbe dunkle Stube gemietet. Liang Baishun wechselte gerade die abgenutzte äußere Umhüllung der Blattbündel aus. Yu Erniang hockte da und prüfte einige geknickte Blätter; die guten legte sie gesondert ab. Als sie Lu Yan in der Tür stehen sah, bat sie ihn zuerst, beim Anheben eines leichten Gestells zu helfen. Sie fassten je ein Ende, Liang Baishun zog unten den untergelegten Stein heraus, und die Gestellfüße kamen auf festen Boden. Erst als alles stabil stand, fragte sie, was er wolle.
Er erwähnte die Familie Yao zunächst nicht und fragte nur, ob die Blattware unbedingt am Neunundzwanzigsten da sein müsse. Ob es, wenn sie ein oder zwei Tage später komme, einen anderen Abnehmer gebe, der sie gleich gebrauchen könne. Yu Erniang sah ihn an. Das Lächeln, das sie eben beim Anheben des Gestells noch im Gesicht gehabt hatte, erlosch langsam. Bei Gao gebe es am Ersten das Festessen des Schiffertreffens, antwortete sie. Am Neunundzwanzigsten müssten sie die Blätter prüfen, am Dreißigsten damit einwickeln. Kämen sie später, seien sie für dieses Festessen nicht mehr zu gebrauchen. Sie habe die Ladung extra früh für diese Fahrt angemeldet, damit in der Küche niemand auf Blätter warten müsse. Wenn Verwalter Lu mit etwas anderem in Eile sei, solle er erst schauen, wer schon gewartet habe.
Lu Yan sagte hastig, er wolle ihren Platz nicht haben, er wolle sich nur vergewissern. Sie breitete die paar gefalteten Blätter vor ihm aus und sagte, die Ware sei leicht, ein Bündel sei vielleicht nicht viel wert. Wenn die Blätter aber zum nötigen Zeitpunkt in der Küche fehlten, würden sie für ein paar Wen mehr auch nicht plötzlich am Flussufer wachsen. Er senkte den Kopf und sah hin. Die Blattflächen waren biegsam und zäh, am Rand lief eine feine Reihe von Knicken entlang. Tatsächlich konnte man sie nicht wie Stoff nach Belieben noch ein paarmal falten. Er zog die Hand zurück und sagte, er habe sich den Neunundzwanzigsten gemerkt.
Yu Erniang fragte nicht weiter, welche Ware er eigentlich mit auf das Boot bringen wollte, und holte stattdessen das Mittagessen. Im Bambuskorb war ein kleines Schälchen mit eingelegtem Gemüse. Liang Baishun gab ihr die Hälfte und aß selbst die härteren Stiele. Lu Yan erkannte an der Schnittart, dass es von den Yaos war. Yu Erniang sah seinen Blick und sagte, so habe Xin es früher gemacht, und ihre Tochter mache es weiter. Es schmecke ihr besser als anderswo. Früher hätten sie einmal gemeinsam eine Partie gemacht, die Zutaten seien günstig gewesen, und alle hätten beim Verkauf etwas davon gehabt. Später hätten die Läden unterschiedliche Kundschaft bekommen. Heute sei es nicht mehr so lebhaft wie damals.
Als er Xins Namen hörte, fiel ihm ausgerechnet das neue Blatt ein, auf dem die Arbeit nicht als eigener Posten aufgeführt war. Yao Jia hatte gesagt, was sich nach all den Jahren nicht mehr genau klären ließ, wolle sie nicht gewaltsam zu einer neuen Rechnung machen. Die anderen konnten aber nach wie vor davon essen und zugleich davon sprechen, wie günstig es für sie gewesen war. Lu Yan sah zu, wie Yu Erniang das Gemüse in ihren Reis schob, und hatte das Gefühl, dass diese alte Straße der Familie Yao immer etwas mehr schuldete, als Yao Jia niederzuschreiben bereit war. Der Gedanke gab seiner Verlegenheit nach der eben erlittenen Abfuhr ein wenig Halt. Er sprach ihn nicht aus und verabschiedete sich von ihr.
Fei Shao wartete vor dem Lager und fragte, ob er es geklärt habe. Lu Yan erwiderte, die Ware werde tatsächlich am Neunundzwanzigsten gebraucht. Fei Shao sagte, dann solle er diese Stelle erst einmal streichen, statt ständig an dasselbe Gestell zu denken. Lu Yan wusste, dass er zustimmen sollte, hörte sich aber sagen, sie hätten noch einen Tag, er werde sich anderswo umsehen. Fei Shao warf ihm einen Blick zu. Er nahm ihm den Pinsel nicht weg, sondern klemmte nur die ursprüngliche Liste unter den Bambusstreifen an der Wand. Die ursprünglich gebuchte Fracht stehe vollständig hier, sagte er. Für jedes Stück, das er umplane, müsse er den ursprünglichen Eintrag abgleichen. Er dürfe den Schiffer nachts nicht bloß mit dem Satz abspeisen, es sei schon alles abgemacht.
Am Vormittag des Sechsundzwanzigsten sah Lu Yan sich noch einmal zwei kleine Boote an, die flussabwärts fuhren. Das erste fuhr nur bis zur Hälfte, danach musste man die Leute abholen und weiterbefördern. Das zweite konnte direkt bis Yuepu fahren. Der Schiffer verlangte hundertvierzig für die Fahrt und wollte, dass man die Leute früh ans Südufer brachte. Lu Yan rechnete am Ufer nach. Ursprünglich zweiundsiebzig, mit dem anderen Boot achtundsechzig mehr. Er konnte das durchaus vorstrecken. Doch erst vor ein paar Tagen hatte Yao Jia ihm das große Paket zurückgegeben, das er ihr aus Zuneigung geschickt hatte. Wenn er ihr jetzt wieder sagte, er übernehme die Mehrkosten, würde aus dem frisch aufgesetzten Papier, das nach ernsthafter Zusammenarbeit aussah, wohl wieder etwas, das er mit seinem Geld für sie regelte.
Der Schiffer fragte, ob er buchen wolle. Lu Yan sagte, er sehe sich noch um. Der andere drängte ihn nicht und ging seinerseits andere Fracht annehmen. Lu Yan blieb stehen, bis die Sonne ihm über die Schulter fiel. Schließlich ging er fort. Auf dem Flussschiff änderte sich jeden Tag noch etwas an der Kleinfracht. Vielleicht musste er sich also nicht schon heute auf die teurere Lösung festlegen. Je weiter er zurückging, desto leichter fiel ihm das alte Türbrett ein, mit dem man früher einmal behelfsmäßig Ladung getrennt hatte, und desto weniger sah er die beiden Termine, die auf den Zetteln in seiner Hand bereits festgeschrieben standen.
Als er an der Hintertür der Yaos vorbeikam, half Gao Jiang gerade, die kleinen Krüge zu waschen. Alle zwölf standen kopfüber. Von den Tonhenkeln tropfte Wasser in eine flache Rinne. Yao Jia hatte die Ärmel hochgeschlagen und einen kleinen weißen Staubfleck am Haaransatz. Sie hatte nicht eigens auf ihn gewartet. Als sie ihn sah, hob sie nur den Kopf und sagte, einer der neuen Krüge habe einen feinen Riss gehabt. Sie habe ihn ausgetauscht, er komme nicht aufs Boot. Er hatte sagen wollen, dass an Bord nicht genug Platz war. Sein Blick fiel jedoch zuerst auf den halben Hof voller Arbeit, die sie dafür schon erledigt hatte.
Gao Jiang fragte, ob das Handelshaus ebenfalls verlange, dass sie jeden einzelnen Krug so prüften. Natürlich, sagte Lu Yan, besonders den Rand der Öffnung. Wenn sie erst nach dem Befüllen merkten, dass etwas durchsickerte, sei es zu spät. Sobald es um die Warenprüfung ging, sprach er mit geübter Sicherheit. Er ging in die Hocke, drehte einen Krug um und zeigte ihnen, wo der Ton heller oder dunkler war. Yao Jia hielt die andere Seite, und ihre Hände hoben von beiden Seiten zugleich an. Er sah, wie sich ihre Stirn entspannte, als sie sich sicher fühlte. Da fiel es ihm noch schwerer, ihr zu sagen, dass die Ware auf ein anderes Boot musste.
Am Nachmittag zeigte sie ihm Gao Jiangs Arbeitsaufstellung. Gao Jiang reinigte und verpackte die Gefäße wie vereinbart und ging zur vereinbarten Zeit. Zwölf neue Krüge waren kein Grund, ihr den ganzen Tag abzuverlangen. Lu Yan nickte und las das Blatt, konnte sich dann aber doch nicht verkneifen zu sagen, wenn es mit dieser Lieferung gut gehe und die beiden Läden künftig regelmäßig bestellten, könne auch das Dach früher ausgebessert werden. Yao Jia lächelte. Erst einmal solle diese Lieferung ankommen. Er müsse doch nicht alle, die noch gar nicht da seien, auf einen Schlag ins Haus bitten. Er lächelte ebenfalls, blieb in Gedanken aber noch eine Weile bei diesem »künftig«.
Sie fragte, ob die Antwort schon da sei. Er sagte, noch nicht. Für das Boot am ersten Tag werde ebenfalls nach einer anderen Einteilung gefragt. Ihre Hand hielt plötzlich inne. Sie sagte, wir fahren doch nicht erst am ersten Tag. Lu Yan sagte sofort, das wisse er, im Kontor gebe es noch andere Fracht, er habe nicht von ihrer gesprochen. Sie sah ihn einen Augenblick an, senkte dann den Kopf und rollte weiter einen Büschel Stroh zusammen. Innen war es ganz weiß und außen ein wenig gelb. Er half ihr, es glatt zu streichen. Keiner von beiden erwähnte den ersten Tag noch einmal.
Am Abend kehrte er ins Haus seiner Vorfahren zurück. Die Skizze für die Hausreparatur auf dem Tisch war noch immer mehr als halb leer. Ursprünglich hatte er erst eine ordentliche Bleibe haben und dann alles zurückzahlen wollen, was er von früher noch schuldig war. Nun waren die alten Schulden beglichen, und vielleicht brauchte das Haus gar keine große Instandsetzung, doch das zusätzliche Geld in seiner Hand machte ihm das Sprechen erstaunlicherweise nicht leichter. Er zählte achtundsechzig Wen aus seinem Geldbeutel, legte sie an die Tischecke, starrte eine Weile darauf und steckte sie dann Münze für Münze zurück. Draußen ging jemand mit einer Traglast Blätter vorbei. Die verschnürten Enden streiften die Wand, das Rascheln zog unter dem Fenster davon. Er hob den Kopf und lauschte. Selbst als es längst nicht mehr zu hören war, stand er noch immer nicht auf.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch ist ein mit KI-Unterstützung verfasstes Originalwerk und erweitert Li Bais 《长干行二首》 („Zwei Lieder aus Changgan“) sowie die ursprüngliche Kurzgeschichte dieser Website 《青梅旧账》 („Alte Rechnungen aus der Zeit grüner Pflaumen“). Figuren, Handelshäuser, Preise, Geografie und Zeitrechnung sind frei erfunden; bewahrt werden die Kerngedanken des Originals: alte Schulden vollständig zu klären, Handwerk und Arbeit neu zu würdigen und als Erwachsene den künftigen Umgang miteinander neu zu vereinbaren. Es handelt sich nicht um eine Biografie des Dichters.
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