Reise- und Gesellschaftsroman im Stil des alten China
Die zurückgezogene Aufführung
Ku Wuji · Mit KI verfasst · 12516 Zeichen · ca. 11 Minuten
Am zweiten Tag des sechsten Monats, bei Niedrigwasser, kamen am Hinterfluss keine sauber gesetzten Pfostenfüße zum Vorschein, sondern Ringe aus ausgespültem schwarzem Schlamm. Qin Xiaoman stieg hinter Meister Yu hinunter. Ihr Schuh blieb gleich stecken, und erst mit Mühe zog sie ihn heraus und trat auf das alte Holz. Von oben hatte die Bühne breit ausgesehen. Von unten war sie wie ein Tisch, der sich nur von vorn sehen lassen wollte. Auf seiner Rückseite musste man sich alles erst neu erschließen.
Meister Yu schob eine lange Stange neben dem Pfeiler in den Grund. Als er sie herauszog, haftete unten nur ein wenig loser Sand. Er klopfte zwei Stellen ab und rief Gao Shoucheng herbei. Ein Stück des Holzes war bereits weich und würde auch dann keine Last tragen, wenn man die Deckbretter fester annagelte. Für einen sicheren Betrieb brauchte es neue Stützen und einige neue Querbalken, und auch unter dem Schlamm musste gearbeitet werden. Arbeit und Material zusammen würden mindestens eintausendsechshundert Wen kosten, womöglich mehr, sobald die schadhaften Stellen freigelegt waren.
Gao Shoucheng fragte zuerst, ob die Stützen wenigstens für diese paar Nächte reichen würden. Meister Yu wurde ernst. Seine Arbeit sei, die Bühne so abzustützen, dass sie halte, sagte er, eine Zusage auf Wunsch gehöre nicht dazu. Xiaoman wusste, wie schroff das klang. Aber weil er sich bereit erklärt hatte zu kommen, konnte sie ihm kaum vorwerfen, dass er ihnen nicht nach dem Mund redete. Der Besitzer des Holzplatzes beharrte darauf, dass hier auch in den vergangenen Jahren gespielt worden sei. Da schlug der Meister das kurze aufgeweichte Stück Holz auf und ließ ihn selbst fühlen. Der Besitzer zog die Hand zurück und sagte, die Platzmiete schließe schließlich keine neue Bühne ein.
Sechzehnhundert Wen waren mehr als eine Zeile auf einem Holzplättchen. Xiaoman hatte ein paar alte Ersparnisse, A-Zhao nahm Bootsmiete ein, und Gao Man hatte Geld für Material zurückgelegt. Wenn sie es tatsächlich zusammenlegten, kämen sie der Summe vielleicht näher. Doch damit setzten mehrere von ihnen ihren Lebensunterhalt und ihre Reisekosten für die Zeit danach auf diese paar Nächte. Außerdem hatte Meister Yu gesagt, dass es Zeit brauche, das Material zu beschaffen, das Holz auszuwechseln und alles im Schlamm zu sichern. Wenn sie heute das Geld hinlegten, konnten sie morgen noch lange nicht so tun, als wäre nie etwas kaputtgegangen.
Gu Ming stand oben und fragte, nachdem er alles gehört hatte, ob man vielleicht eigens jemanden einladen könne, sich seinen Teil anzusehen, wenn er nur am trockenen Ufer spielte. Lu Heniang sagte, er könne das natürlich versuchen, doch sie könne in diesem Kostüm keine zwei Doppelstunden im Schlamm am Fluss stehen, wenn es nirgends einen Platz zum Umziehen gab. Sie fuhr ihn schroff an. Dass er einen Ausweg suchte, nahm sie ihm nicht übel. Doch bei diesen Worten sah sie schon das Geld für ihr Zimmer schwinden. Jeder von ihnen suchte nach etwas, das sich noch retten ließ, und so sah es aus, als wolle keiner zuerst zurückstecken.
Gao Shoucheng schickte sie nicht auf der Stelle auseinander. Zurück in der Südhalle schloss er für eine Weile die Zimmertür. Die anderen warteten im Hof, und selbst das Essen wurde nicht gleich verteilt. Xiaoman hatte gedacht, sie würde bloß Erleichterung empfinden. Als sie sich wirklich hinsetzte, wurde ihr zuerst das Bündel mit dem neuen Futterstoff für ihr Kind schwer in der Hand. Sie hatte ihn nur zu kaufen gewagt, weil diese Reihe von Vorstellungen bevorstand. Wenn sie ihn jetzt zurückgeben konnte, würde sie es tun. Wenn nicht, musste sie das Kleidungsstück trotzdem nähen. Nur weil die Aufführung ausfiel, machte der Alltag keine Pause.
Gao Man legte zuerst das Geld für die acht im Voraus verkauften Karten beiseite, insgesamt achtzig Wen, und tat es zurück in das ursprüngliche Röhrchen. Für die halbtägige Prüfung des Unterbaus hatte Meister Yu schon zwanzig bekommen. Die Änderungen am Programm und das Tragen der Sachen hatten ebenfalls ein paar Wen gekostet. Das Geld war weg. Wenn die Vorstellung ausverkauft gewesen wäre, so hatten sie gerechnet, wären nach allen Abzügen etwa sechshundert Wen geblieben. Jetzt war davon kein einziger Wen eingegangen. Sie schuldeten niemandem sechshundert Wen, doch mehrere hatten das Geld in Gedanken längst verplant.
Als die Tür wieder aufging, sagte Gao Shoucheng, sie würden am hinteren Flussarm nicht spielen. Niemand klatschte. Lu Heniang fragte zuerst, ob sie im nächsten Monatsdrittel zwei kleine Privatvorstellungen ansetzen könnten. Gu Ming fragte, was er den Leuten sagen solle, die er längst eingeladen habe. Ein anderer Schauspieler, der vorübergehend dabei war, sagte, ohne diese Abende im sechsten Monat müsse er sich anderswo Arbeit suchen. Bei diesem letzten Satz veränderte sich Gao Shouchengs Miene wieder. Er habe die Truppe doch noch gar nicht aufgelöst. Warum denke einer nach dem anderen schon ans Gehen?
Der Schauspieler erwiderte, es gehe ihm nicht darum, die Truppe zu verlassen. Zu Hause müsse schließlich auch der Herd angehen. Mit dem Essen könne er nicht warten, bis die Herbstaufführungen feststünden. Xiaoman sah, wie er mit beiden Händen den Saum seines Gewands umklammerte. Er war offensichtlich nicht gekommen, um Streit anzufangen. Also fragte sie zuerst, wann er den geliehenen Kopfschmuck und das alte Gewand zurückgebe, damit beim Aufbruch nichts fehle. Er sagte sofort, er werde noch am Abend alles durchgehen. Nachdem sie das Gespräch so aufgegriffen hatte, konnte Gao Shoucheng ihn nicht länger als jemanden hinstellen, der nur die Vorteile mitnahm und keine Last tragen wollte.
Gu Ming nutzte die Gelegenheit nicht, um seine Kiste zu packen. Er sagte, er wolle im Osten der Stadt einen ebenen Platz ausleihen und den Leuten erst einmal die Passage zeigen. Auch wenn es kein ganzes Stück gebe, könne er nicht alles wieder einpacken, was er geübt habe. Er wusste, dass die Truppe ihm das Fahrgeld vielleicht nicht zahlen würde, und bat auch nicht darum. Er nahm selbst die Hälfte von dem Geld, das er diesen Monat hatte fortschicken wollen. Xiaoman sah ihn an, ein wenig ungehalten und zugleich mit ein wenig Verständnis. In ihrer Jugend war sie genauso gewesen. Sie hatte sich nicht vom Leben aller anderen im Hof festhalten lassen wollen.
A-Zhao stand an der Kostümtruhe und sagte die ganze Zeit kein Wort darüber, dass ihr das Wasser schon beim ersten Hinsehen bedenklich vorgekommen war. Sie holte nur die Liste der erledigten kleinen Änderungen heraus und fragte, ob diese noch angerechnet würden. Gao Shoucheng wollte offenbar zunächst sagen, dass doch die ganze Vorstellung ausgefallen sei. Dann sah er, dass Gao Man die fertigen Stücke schon von den Probemustern getrennt hatte, und sagte, das Fertige werde angerechnet. Über das noch nicht Abgegebene müssten sie reden. Der Ausfall sollte nicht mit einem einzigen Wort die Arbeit aller auslöschen. Seine Stimme klang müde. Auch sein Versprechen hieß nicht, dass das ganze Geld schon da war. Sie mussten die Posten noch einzeln durchgehen.
Xiaoman sagte, wie viel sie schaffen konnte, ohne jede Nacht einzurechnen, die sie hätte durcharbeiten können. Wenn sie immer mehr annahm, wurden ihr nach ein paar Tagen die Hände so steif, dass sie keinen Faden mehr einfädeln konnte. Auch das Singen würde darunter leiden. Gao Shoucheng sah sie an, als finge nun selbst diese alte Gefährtin an, auf Abstand zu gehen. Schließlich sagte er nur, sie solle zuerst das fertig machen, was man im letzten Monatsdrittel anziehen könne. Ein ganz neues Kostüm solle sie sich nicht auch noch aufladen, wenn sie jetzt schon wisse, dass sie nicht dazu komme.
Am Nachmittag kamen drei Leute, um ihre Karten zurückzugeben. Gao Man erstattete ihnen den vollen Betrag. Selbst der Mann, der gesagt hatte, er würde sich das Stück auch am Hinteren Fluss ansehen, musste vorerst sein Geld zurücknehmen. Einer der Gäste war verärgert. Nächstes Mal sollten sie sich erst festlegen und dann Karten verkaufen, sagte er. Die Gäste könnten nicht jedes Mal für den Eifer einer ganzen Truppe zusätzliche Wege machen. Xiaoman hörte zu und konnte den Einwand nicht als mangelndes Verständnis für ihre Schwierigkeiten abtun. Die freie Zeit, die sich die Leute früh dafür aufgespart hatten, war dahin. Zehn Wen zurückzubekommen brachte sie ihnen auch nicht wieder.
Das Essen im Hof fiel einfacher aus. Das für heute gedachte Fleisch hatten sie nicht gekauft, im Topf waren Bohnen und Gemüse. Nach zwei Bissen fragte A Sheng, ob es von nun an keine Aufführungen mehr gebe. Sie sagte, doch, zunächst würden sie das spielen, was möglich sei, und nicht auf jene große Bühne gehen. Das Kind fragte weiter, ob es trotzdem wie bisher schreiben lernen könne. Xiaoman wollte zuerst natürlich sagen, erinnerte sich dann aber an den versprochenen kleinen Tisch, und ihr stockte das Herz. Sie behauptete nicht, das verspätete Holzstück sei schon unterwegs, sondern sagte nur, den neuen Tisch könnten sie noch nicht kaufen, erst müssten sie sich anders behelfen.
Abends zog sie das leere Trommelgestell unter A-Zhaos Bett hervor. Der Stoff um die Holzfüße war schon dünn gescheuert. A-Zhao dachte, sie habe nachts wieder etwas kaputtgestoßen, und stand gleich auf, um ihr zu helfen. Xiaoman winkte ab und sagte, mit ihr habe das nichts zu tun. Sie wolle sehen, ob man aus dem Gestell einen niedrigen Tisch machen könne. Das Kind hörte es, riss plötzlich die Augen auf und fragte, ob das nicht Papas Gestell sei. Sie sagte ja und ließ ihn die beiden alten Rillen darauf ertasten. Das Gestell stehe leer. Wenn man Papier darauflegen könne, müsse er sich zum Schreiben nicht jedes Mal bäuchlings aufs Bett legen.
Als sie das gesagt hatte, tat es ihr selbst weh. Lu Zhengs Trommel war bereits verkauft. Wenn sie nun auch das Gestell umbauen ließ, schien im Zimmer wirklich nichts mehr unverändert auf ihn zu warten. Doch sie wusste, dass der Mensch, auf den sie wartete, nicht mehr zurückkommen konnte, und dass die Blätter, die das Kind heute zu beschreiben hatte, ganz wirklich waren. Sie legte ihrem verstorbenen Mann kein entschiedenes Einverständnis in den Mund und fragte Asheng nur, ob ihm die Höhe gefalle. Er ging in die Hocke und probierte es aus. Ein wenig niedriger, sagte er, dann würden seine Beine darunterpassen.
Als Meister Yu am nächsten Tag sein Werkzeug abholte, bat Xiaoman ihn, sich auch diese Arbeit anzusehen. Er fragte, was als Platte dienen solle. Gao Man suchte einen ausrangierten Truhendeckel heraus und gab ihn ihr. Für das Kürzen der Holzbeine und die Querstrebe wurde ein eigener Lohn vereinbart, getrennt von den zwanzig Wen für die Begutachtung der Bühne. Xiaoman zählte die kleinen Münzen etwas langsam ab. Der Meister drängte sie nicht und bat nur das Kind, Platz zu machen. Der Umbau zum Tisch sei kein neues Stück, um das man sich zum Spielen drängen könne.
Als die Säge ansetzte, wandte Xiaoman sich ab, um das Kleidungsstück zu holen. Eigentlich wollte sie nicht zusehen, doch nach zwei Schritten kam sie zurück. Das abgesägte Stück fiel mit kaum hörbarem Laut in den Staub und sah aus wie jedes schadhafte Stück Holz, das man sonst auswechselte. Sie ging in die Hocke und hob es auf. Die alte Kerbe war noch da. Das kurze Stück behielt sie, den Rest gab sie dem Handwerker für die Verstrebung. Sie musste nicht jedes Holz wieder mit unters Bett nehmen.
A-Zhao half, die Tischplatte zu halten. Ihre Hände waren ruhig, und bloß weil sie ein bisschen von Bootsreparaturen verstand, schrieb sie dem Handwerker nicht vor, wie er die Teile einpassen sollte. Xiaoman sah ihr Profil und dachte plötzlich, dass A-Zhao nach der Absage dieser Aufführung wohl auch unruhiger wäre, wenn sie kein Boot zu vermieten hätte. Trotzdem durfte man ihr wegen dieses Rückhalts den Ernst ihrer Arbeit nicht absprechen. Jeder stand auf einem anderen Grund. Auch wenn man sich einen Raum teilte, brauchte man den Grund nicht bei allen gleich zurechtzuhobeln, damit jeder seine Arbeit tun konnte.
Sobald der niedrige Tisch fertig war, schüttete A-Sheng alle Blätter aus seiner neuen Büchertasche. Auch ein flacher Stein rollte heraus. Xiaoman wollte schon fragen, warum er wieder etwas versteckt hatte. Als der Handwerker den Stein an einer Ecke des Tisches leicht aufdrückte und er sich genau als Briefbeschwerer eignete, hielt sie inne. Das Kind sah, dass sie nicht schimpfte, und wollte vor lauter Stolz mit dem Fuß gegen die neue Strebe treten. Sie hielt ihn sofort zurück und sagte, Papier dürfe er beschweren, mit dem Fuß brauche er nichts zu prüfen. Das Stück sei gerade erst fest zusammengefügt worden und müsse pfleglich behandelt werden.
Am Abend probten sie für die kleine Vorstellung. Gao Shoucheng blieb eine Weile dort stehen, wo ursprünglich das ganze Stück hatte aufgeführt werden sollen, und schob dann selbst die beiden Bretter, die das Boot darstellten, enger zusammen. Er tat es widerwillig und langsam. Am Ende fragte er Xiaoman doch, ob es zu kümmerlich wirke, wenn sie fürs Erste nur einen Akt spielten. Xiaoman nahm das Textbuch und sagte, es komme darauf an, wie sie die Teile verbänden. Wenn die Hälfte wegfalle, könne man die andere nicht einfach irgendwie singen. Gao Shoucheng brauste nicht wieder auf. Er holte einen niedrigen Hocker, setzte sich an den Bühnenrand und bat sie, es einmal durchzuspielen.
Nachdem die Bretter für das Boot enger zusammengerückt waren, machte Gu Ming noch seinen alten Schritt, trat mit dem hinteren Fuß ins Leere und landete auf der Brettkante. Lu Heniang wollte mit ihrem Gesang einsetzen, musste aber bei seinem Gesicht, als hätte er sich wirklich an Wasser verschluckt, so lachen, dass ihr der halbe Ton wegbrach. Gao Shoucheng schlug sich am Rand aufs Bein und rief, sie sollten vor lauter Lachen weitermachen. Gleich darauf konnte er sich selbst nicht mehr halten. Asheng schlüpfte an der Tür herein und wollte den Sturz nachmachen. Seine Mutter packte ihn am Kragen, und im Hof wurde das Lachen noch lauter. Gu Ming blieb sitzen, hielt sich den Knöchel und sagte, der Gelehrte Liu habe die Prüfung noch gar nicht bestanden und müsse erst einmal lernen, den Boden zu erkennen, auf dem er stehe. Xiaoman drückte das Kind zurück auf den Hocker und setzte mit ihrer Zeile noch einmal an. Diesmal saß der Atem etwas sicherer.
Im Zimmer blieb das Klappern aus, mit dem das leere Gestell sonst gegen das Bett stieß. Als Azhao sich nachts umdrehte, wachte sie trotzdem kurz auf. Xiaoman hörte es, fragte aber nicht nach und sah auf die Blätter hinunter, die Asheng noch ausgebreitet hatte. Die alte Rille an der Seite des niedrigen Tisches war nicht ganz weggehobelt. Daneben stand sein Bambus-Radikal, immer noch schief. Morgen musste er weiterüben. Sie legte den Beschwerstein wieder aufs Papier. Sie gab für die morgige Mahlzeit der ganzen Truppe kein Versprechen, von dem sie selbst nicht wusste, wie sie es halten sollte, sondern legte für heute Abend nur diesen Stapel an einen trockenen Platz.
· Ende des Kapitels ·
Dieses Buch entstand mit Unterstützung von KI als erweiterte Ausarbeitung auf Grundlage von Zhang Ruoxus „春江花月夜“ (Frühlingsfluss, Blüten, Mond und Nacht) und der eigenständigen Kurzgeschichte „借灯还舟“ (Eine Laterne leihen, ein Boot zurückbringen). Figuren, Geografie und Ereignisse sind frei erfunden. Es handelt sich weder um eine übertragende Nacherzählung des Gedichts noch um eine Biografie des Dichters.
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